Schlagwort-Archive: Cloud Computing

Cloud-Feind Nr. 1

Die Chinesen mögen ihre gesamte Bevölkerung überwachen, aber wir können das noch viel besser! Dies scheint die Handlungsmaxime des US-Geheimdienstes National Security Agency zu sein: Die NSA überwacht im Internet offenbar alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wie der Whistleblower Edward Snowden der britischen Zeitung The Guardian darlegte (ein sehr mutiger Schritt, bedenkt man Berichte über die menschenverachtende Behandlung des Wikileaks-Informanten Bradley Manning in den USA).

Das Internet, machen wir uns da nichts vor, ist nach wie vor hochgradig amerikanisch geprägt, hier laufen zahlreiche Fäden – genauer: Glasfasern – zusammen. Ob es um eine Suchanfrage bei Google geht, eine Bestellung bei Amazon, eine Versteigerung auf eBay, das Speichern privater Daten in Apples iCloud, die Vernetzung via Twitter und Facebook oder das Filesharing mittels Dropbox und Co.: Die Dienste laufen in den USA. Und das bedeutet: Die weltgrößte Spionagebehörde lauert im Hintergrund. Über gerichtliche Verfügungen soll die NSA Datenübergaben von Anbietern wie Microsoft, Google, Apple, Facebook, Yahoo, Skype und dem Carrier Verizon (nicht jedoch Twitter) erwirkt haben, einige Service-Provider haben der NSA laut Medienberichten sogar Backdoors für den Datenabruf eingerichtet.

130612Bespitzelung

Was dank Edward Snowden und The Guardian in die Medien kam, war lange schon ein offenes Geheimnis: Wo der US-Geheimdienst abhören will, dort hört er ab, was soll man machen. Lediglich das Ausmaß könnte den einen oder anderen überrascht haben.

Facebook kann hier eigentlich entspannt bleiben: Dessen Nutzer dürfte die Bespitzelung kalt lassen, speichern sie doch freiwillig persönliche Daten und Quasi-Tagebücher bei einem Dienst, der eine „Stasi 2.0“-Überwachung ermöglicht und eigentlich direkt von der CIA stammen könnte. Unternehmen wie Amazon, Google oder Microsoft müssen über die Enthüllungen im Rahmen des „Prism“-Skandals deutlich besorgter sein: Gerade die großen amerikanischen Cloud-Service-Provider liefern sich ein Wettrennen um Unternehmenskunden, die sie mit Infrastructure-as-a-Service- und Hosted-Private-Cloud-Angeboten in ihre jeweilige Wolke locken wollen.

Insbesondere deutsche IT-Verantwortliche standen den Public-Cloud-Diensten US-amerikanischer Bauart stets sehr skeptisch gegenüber. Und spätestens jetzt zeigt sich: zu Recht. Die Public Cloud ist die Fortsetzung des Outsourcings mit modernsten Mitteln, und Outsourcing braucht Vertrauen. Dieses ist nun dahin. Die NSA ist der Public Cloud Enemy Number One, der Cloud-Feind Nr. 1.

Advertisements

Hochwasser vermeiden – gibt’s da denn keine App für?

Es gibt Tage, da ist man besonders froh, nicht in Passau zu wohnen. Nach mehreren Tagen großflächen Dauerregens in Süddeutschland haben Donau, Inn und Ilz den Wasserpegel in Passau auf 12,80 Meter hochgetrieben, ein Wasserstand, der sogar die 1501 erreichten 12,20 Meter überstieg. Denn schließlich muss so ziemlich jeder Liter Regen, der zwischen Schwäbischer Alb, Alpennordseite und Bayerischem Wald vom Himmel fiel, früher oder später an der Passauer Altstadt vorbei – oder, wie in dieser Extremsituation, durch deren untere Stockwerke hindurch.

Entwicklung des Wasserstands der Donau bei Passau. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

Entwicklung des Wasserstands der Donau bei Passau. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

In zahlreichen Beiträgen und Sondersendungen brachten die Medien Bilder von reißenden Flüssen, wo sonst harmlose Bäche sind, und von Seenlandschaften, unter denen man Wiesen, Felder, Gärten, Straßen und die Erdgeschosse der halb sichtbaren Häuser vermuten konnte. Nach einem Frühling, der eher ein nicht enden wollender Winter war, bemühten sich Klimaforscher, dies dem kurzzeitgedächtnislastigen Nicht-Meteorologenvolk als Auswirkung der Klimaerwärmung zu vermitteln, während sich einige Politiker schon mal ins Vorwahlkampfgezänk stürzten und mit hochgezogener Augenbraue fragten, wer da wohl welche Wasserschutzmaßnahme nicht angeordnet, nicht umgesetzt oder gar blockiert habe.

Zeitgleich starrt wohl mancher Apple-Fan in Passau, Regensburg, Grimma und an vielen anderen überschwemmten Orten auf sein iPhone und wünscht sich, auch in puncto Hochwasserschutz gälte jenes geflügelte Wort: „There’s an app for that!“ Doch leider ist die IT-Branche, die sich sonst so selbstbewusst gibt, hier machtlos.

Natürlich gibt es leistungsstarke Großrechner, die Wetterdaten für die Meteorologen liefern und unermüdlich Klimadaten auswerten, auf deren Basis die Klimaforscher dann versuchen, uns den Unterschied zwischen kaltem Frühling und sich erwärmender Erdatmosphäre klarzumachen. Natürlich gibt es eine Wasserstands-App, mit der man bequem am Smartphone den aktuellen Pegel eines beliebigen Flusses abrufen kann – was aber wenig tröstlich ist, wenn man selbst mit Gummistiefeln drinsteht. Natürlich gibt es so nützliche Services wie Twitter, über die die Betroffenen sich austauschen und Hilfe organisieren können. Und natürlich gibt es mit YouTube eine endlos groß scheinende Videothek, die all die dramatischen Bilder für uns in der Cloud vorhält und archiviert.

Aber es gibt eben Tage, an denen sich zeigt, wie machtlos diese Cloud ist, wenn sie mal auf eine richtige Wolkenfront trifft.

Zukunft des Client-Managements: Monokelverbot oder BYOGG?

Das letzte wirkliche Revolution auf Endgeräteseite war Apples iPhone – zumindest wenn man bedenkt, dass das oft als ebenso revolutionär betrachtete iPad, wie zuvor schon Apples Musikabspielgerätchen iPod, keine grundlegende Neuerung war, sondern lediglich die geschickte Verfeinerung einer bereits bestehenden, aber in puncto Marktrelevanz vor sich hindümpelnden Produktgruppe.

Smartphones – mit angebissenen Äpfeln drauf oder aber mit kleinen grünen Robotern, vereinzelt wurden auch schon Windows-Phone-Logos gesichtet – haben über den Umweg des Consumer-Markts längst Einzug in die Unternehmen gefunden. Die IT-Abteilung – eigentlich voller Menschen, die für Gadgets zu begeistern sind – betrachtet den Siegeszug von iPhone und Co. häufig mit Misstrauen, sind die smarten Helferlein doch nützlich und schick, aber nicht wirklich gut zentral verwaltbar. Hier steht Vertrauliches aus internen Archiven ebenso auf dem Spiel wie die Netzwerksicherheit und die Privatsphäre der Mitarbeiter.

Umso dramatischer dürfte die Lage der IT-Verantwortlichen werden, wenn ab nächstem Jahr der Chef und ein paar andere Besserverdiener mit dem nächsten revolutionären Spielzeug im Büro aufschlagen: mit Google Glass. Dieser gerne als „Datenbrille“ bezeichnete Kleinstcomputer ist tatsächlich weniger eine Brille als vielmehr ein Augmented-Reality-Monokel, erweitert er doch den menschlichen Blickwinkel um eine Minikamera nebst Informationen und Apps aus der Cloud.

Haben solche „realitätsausdehnenden“ Accessoires erst einmal den Consumer-Markt erobert, dürfte sich die IT-Organisation im Unternehmen noch nach den Zeiten zurücksehnen, als es lediglich galt, Smartphones und Tablets zu bändigen. Dann wird man über Monokelverbote diskutieren sowie über BYOGG (Bring Your Own Google Glass). Und zwei, drei Jahre später sind Minikamera und Minicomputer ersetzt durch Mikrokameras und Mikrocomputer, die mit bloßem Auge überhaupt nicht mehr erkennbar sind.

Manch ein grauhaariger Administrator wird dann schmunzeln: „Ja, ja, Mikrocomputer. Die haben damals schon die Mainframe-Welt durcheinandergebracht. Später nannte man sie PCs.“ Der Fortschritt verläuft eben auf verschlungenen Pfaden. Oder anders formuliert: Es bleibt schwierig.

Die zehn ultimativen und einzig wahren IT-Prognosen für das Jahr 2013

Seitens der IT-Anbieter und ihrer PR-Agenturen wird derzeit für das kommende Jahr munter drauf los prognostiziert, was die Tastatur hergibt. Das muss nicht sein. Es reicht völlig, die folgenden zehn Stichpunkte zu lesen, um sich entspannt und wissend zurücklehnen zu können bis zum nächsten Prognosen-Tsunami im Dezember 2013:

121211Prognose2013

1. Das neue Apple iPad Midi – raffiniert: nicht ganz so groß wie das iPad, aber doch nicht so klein wie das iPad Mini – haut alle Apple-Fanbois und -girls total aus den Socken. Die Schlangen vor den Apple Stores sind hunderte von Metern lang, und die glücklichen Käufer stellen sich – das Tütchen mit dem gerade erworbenen Schatz stolz emporreckend – gleich wieder hinten in der Schlange an, und zwar für das iPad Midi 2, das am Folgetag gelauncht wird.

2. Samsung wird ein Patent auf den Erwerb völlig bekloppter Patente erwerben und damit Apple verklagen, da Apple Ende 2012 tatsächlich versucht hat, sich das Blatt (!) aus dem Apple-Logo rechtlich schützen zu lassen. Patent-Trolle verklagen daraufhin beide Konzerne mit dem Hinweis, dass sie selbst schon viel früher völlig bekloppte Patente für völlig bekloppte Klagen genutzt haben. Die Verfahren dauern Ende 2013 noch an.

3. Um Marktanteile von Apple und Google zurückzugewinnen, stellt Microsoft seine eigene Landkarten-App vor: „Metro Maps“ – ein Name, den Microsoft wenig später aus juristischen Gründen in „Modern GUI Maps“ umändern muss. Die App zeigt die Welt als Scheibe, bestehend aus bunten Kacheln, ist aber dennoch zuverlässiger als Apples Map App. Die App ist ausschließlich für Windows Phone 8 verfügbar, doch beide User dieses Betriebssystems zeigen sich begeistert.

4. Das US-Verteidigungsministerium trägt dem Trend zur Gamification Rechnung und kündigt eine „Defense Management Ego-Shooter Software“ namens „Super Drone-Wars Mario“ an. Wie das Spiel genau funktioniert, will man aber geheimhalten, so ein Sprecher des Ministeriums, bis „gewisse ethische und völkerrechtliche Implikationen“ geklärt seien.

5. Peer Steinbrück, erst seit Dezember 2012 auf Twitter vertreten, twittert so eloquent, treffend, begeistert und erfolgreich, dass er mit großem Abstand der Minister mit den meisten Twitter-Followern im Kabinett Merkel wird.

6. Bring Your Own Device (BYOD) wird das große IT-Hype-Thema des Jahres 2013. Der Hype flaut aber allmählich ab, als immer mehr IT-, Netzwerk-, Client- und Security-Verantwortliche bei Umfragen, wie sie mit dem Thema BYOD umgehen, zur Antwort geben: „Ach, lasst mich bloß in Ruh’, die User sollen selber sehen, wie sie mit ihrem Drecks-Gadget-Kram klarkommen, ich geh’ jetzt in Frührente!“ Zwischenzeitlich gewinnt der BYOD-Hype noch einmal kurz an Fahrt, als eine Medizintechnikfirma versucht, das Kürzel als „Bring Your Own Defibrillator“ am Markt zu positionieren.

7. Aus den unter „6.“ genannten Gründen wird der BYOD-Hype in der zweiten Jahreshälfte vom Big-Data-Hype abgelöst. Insbesondere Marketiers zeigen sich begeistert von den neuen technischen Möglichkeiten, immense Datenbestände in Sekundenschnelle zu analysieren, um endlich das Ziel des „gläsernen Kunden“ zu erreichen. Auch dieser Hype ebbt ab, als die Marketing-Leute merken, dass sie nichts über ihre Kunden erfahren, das diese nicht schon freiwillig über sich auf Facebook gepostet hatten, was dann diverse Blogger längst in bunte, Smartphone-Screen-taugliche Infografiken gepackt haben.

8. HP kann seine Marktführerschaft im Segment der Desktop-PCs weiterhin verteidigen, wobei dieser Markt allerdings rasant schrumpft. Im Dezember 2013 werden laut IDC-Hochrechnungen weltweit noch 1,1 Desktop-PCs verkauft. HP liegt auf Platz eins mit 0,7 PCs (ein CPU-Lüfter und ein Ersatz-Motherboard) vor Lenovo mit 0,4 PCs (zwei Austausch-Netzteile) und Dell mit 0,001 PCs (Michael Dell verkauft eine Kreuzschlitzschraube, die er unter’m Sofa gefunden hat, an einen Hobby-Bastler).

9. 3D-Drucker geraten in Verruf, da immer mehr Straftäter, politisch Radikale und geistig Verwirrte sich für ihre Straftaten, Attentate und Amokläufe einfach Waffen nebst Munition selbst drucken. Friedensaktivisten und Polizeigewerkschaften fordern das komplette Verbot von 3D-Druckern, ein Kompromissvorschlag der Europäischen Kommission sieht einer Verlautbarung zufolge vor, den Verkauf der Geräte „auf noch im Detail zu regelnde einzelne verkaufsoffene Dienstage und Donnerstage zu beschränken“. In den USA fordert die Waffenlobby NRA derweil, den zweiten Verfassungszusatz auf „das Recht, Waffen sowie 3D-Drucker zu tragen“ zu erweitern, und startet die Werbekampagne: „Nicht 3D-Drucker töten Menschen, Menschen töten Menschen!“

10. Die Begeisterung der Unternehmen für das Cloud Computing erhält einen empfindlichen Dämpfer, als ruchbar wird, dass CIA, FBI und NSA Backdoors bei praktisch allen namhaften Cloud-Service-Providern installiert haben. NSA-Chef Keith Alexander versucht, die Lage zu beruhigen, indem er kommentiert: „Na, und? In eure firmeneigenen Rechenzentren kommen wir schließlich auch rein!“ Google spielt daraufhin Zugangsdaten zu Gmail-Konten mit pikanten privaten E-Mails führender Geheimdienstler der Presse zu. Es folgen so viele von der Gossenpresse breitgetretene Skandale und Rücktritte, dass sich bald niemand mehr an die Backdoor-Diskussion erinnert. Das Cloud Computing erlebt eine Blütezeit.

Ein kulturhistorisches Postscriptum: Sollte der Maya-Kalender mit seinen diversen Weltuntergangsszenarien doch Recht behalten und die Welt am 21.12.2012 untergehen, erübrigen sich die obigen Prognosen mit Ausnahme der ersten.

Cloud Computing und Datenschutz: Wolke im Schafspelz

Dem allseits fröhlich vermarkteten Cloud Computing stehen hierzulande vor allem Sicherheitsbedenken im Weg. Dies bestätigen Umfragen von Hersteller- wie Analystenseite mit geradezu monotoner Regelmäßigkeit. Betroffen ist die Informationssicherheit in allen Facetten – von der Zugriffssicherheit über den Schutz gespeicherter Daten bis zur Frage der Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, auf Neudeutsch „Compliance“ genannt. (Besserwissermodus ein. Liebe IT-Anbieter und PR-Agenturen: „Compliance“ bedeutet „Befolgung von…“ oder „Einhaltung von…“, nicht „gesetzliche Vorgabe“. Es gibt also keine „Compliances“ und auch keine „Einhaltung der Compliance“, weil nämlich wegen der Compliance, die wo ja selber die Einhaltung ist. Is’ irgendwie ein Stück weit logisch, oder? Besserwissermodus aus.)

Bild: (c) Wolfgang Traub 2011

Derlei Sicherheitsbedenken sind kein Symptom übertriebener „German Angst“, sondern vor allem eines: berechtigt. So warnte zum Beispiel kürzlich die Nationale Initiative für Informations- und Internetsicherheit NIFIS e.V. vor der Inanspruchnahme amerikanischer Cloud-Services. Denn der „Patriot Act“ (ein aus Terrorangst erlassenes Anti-Datenschutzgesetz) gestattet US-Ermittlungsbehörden den Zugriff auf Nutzerdaten, selbst wenn diese außerhalb (!) des US-Territoriums gespeichert sind.

Man muss aber gar nicht Willkür oder Wirtschaftsspionage durch NSA und CIA befürchten, um misstrauisch zu sein. Auch der Deutsche Anwaltverein erklärte im August 2011 in einer Stellungnahme für die EU-Kommission, Cloud Computing sei aufgrund des deutschen Datenschutzrechts und der gesetzlichen Vorgaben zur Auftragsdatenverarbeitung mit Dienstleistern außerhalb der EU ohne Mindeststandards (die es nicht gibt) unmöglich. Der deutsche Gesetzgeber sieht eben nicht vor, dass die Kundendaten „irgendwo in der Wolke“ herumlungern. Da isser irgendwie altmodisch, der Herr Gesetzgeber, aber mir auch irgendwie sympathisch.

Also am besten auf einheimische Provider vertrauen, richtig? Hier darf der Autor auf seine Erfahrungen mit deutschen Mobilfunk-Carriern verweisen. T-Mobile: Werbung an die E-Mail-Adresse erhalten, von der aus Monate zuvor eine Werbesperre ausgesprochen worden war. Datenschutz? Ungenügend. E-Plus-Tochter BASE: Nach einem Anruf durch das Call Center einen Brief erhalten, ich hätte mündlich der Datennutzung für Werbung und Marktforschung zugestimmt, was ich mir audrücklich verbeten hatte. Datenschutz? Ungenügend. Vodafone: Bei der Service-Einrichtung so viele Unzulänglichkeiten festgestellt, dass ich den Vertrag sofort wieder kündigte (inzwischen gegen Gutschrift und einem netten Telefonat mit zwei Vodafone-Pressedamen widerrufen, aber nur auf Bewährung). Würde ich einem dieser Carrier den sicheren, verlässlichen Betrieb von Cloud-Services zutrauen? Die richtige Antwort schreiben Sie bitte auf eine Postkarte und nageln diese an eine Wolke.

P.S.: Jaja, auch ich weiß, der Trend geht zur Cloud, und früher oder später geht es nicht mehr ohne. Deshalb ein kleiner Tipp aus unserer beliebten Sendereihe „Cloud-Rezepte wie zu Großmutters Zeiten“: Dateien auf File-Servern in der Cloud bleiben länger knackig, wenn man sie vor dem Upload in Frischhaltefolie der Marke „TrueCrypt“ einpackt.

HP macht blau

Vollgas! Jetzt runterschalten in den Zweiten, Lenkrad rumreißen, Handbremse ziehen, gegensteuern, Handbremse lösen, Vollgas! Große Pfützenwasser-Steinchen-Matsch-Fontäne, dann Staubwolke, dann verschwindet der Rallye-Wagen hinter der nächsten Kurve. Dass solche Wendemanöver in der Haarnadelkurve auch mit Supertankern möglich sind, hat jüngst Léo Apotheker bewiesen. Denn der Chef des IT-Giganten HP – unter anderem der weltgrößte Drucker- und PC-Hersteller – hat bekanntgegeben, seine PC-Sparte verkaufen und die Entwicklung von Endgeräten auf der kürzlich für teures Geld erworbenen Smartphone-Plattform WebOS einstellen zu wollen. Gleichzeitig verkündete Apotheker, für 10 Mrd. Dollar das größte britische Softwarehaus Autonomy, einen Spezialisten für Business-Intelligence-Lösungen, zu übernehmen.

Apotheker setzt also ganz auf Enterprise-IT – kein Wunder, war er doch von SAP zu HP gewechselt. (Genau, jenes SAP aus dem Satz: „Wir würden das ja gerne anders machen, aber wir haben nun mal unsere Prozesse so in SAP abgebildet, und das zu ändern wäre einfach zu teuer.“) HPs Wendemanöver erinnert stark an jenes von IBM aus dem Jahr 2004: Damals hatte „Big Blue“ ebenfalls sein PC-Geschäft abgestoßen, um sich ganz der IT-Ausrüstung von Unternehmens-RZs widmen zu können – und das mit Erfolg. Interessant ist es, die Reaktionen zu vergleichen:

2004: Ein Aufschrei hallt durch den Markt.
2011: Ein Aufschrei hallt durch den Markt, dazu im Hintergrund deutlich vernehmbares Gekicher aus der iPad-Ecke.

Denn für manche Marktbeobachter sah Apothekers Mitteilung nach einer Panikreaktion aus, nach dem Eingeständnis, dass HP nicht gegen Apples stetig wachsende Marktmacht im Endgerätesegment ankommt. In der Tat kann es für HP nicht allzu reizvoll sein, weiter mit der Lifestyle-Marke aus Cupertino zu wetteifern. Nicht nur hat Apple alle Endgeräte-Wettbewerber (darunter auch HP) mit dem iPad schlicht abgehängt; zudem ist HP für einen immer stärker von Consumer-Ansichten geprägten Endgerätemarkt schlecht aufgestellt. Der Konzern ist – sorry, die Herren Hewlett und Packard – einfach nicht „cool“. Da muss man nur den Mann auf der Straße fragen: „He, Mann auf der Straße! Welche Marke ist denn cooler, Apple oder HP?“ – „Was, wieso HP? Die machen doch Drucker, oder? Ich mein’, wie uncool ist das denn?!“ – „Danke, Mann auf der Straße. Sie dürfen jetzt auf Ihrem iPad weiterdaddeln.“

Im Enterprise-IT-Markt – Entschuldigung: es muss natürlich „Cloud-Markt“ heißen – hingegen ist HP sehr breit aufgestellt und damit das einzige Unternehmen, das der großen blauen IBM in voller Breite – Hardware, Software, Services – Paroli bieten kann. Cholerischer Zwischenruf aus einer dunklen Ecke: „Aberaberaber! Ich hin auch noch da! Ich bin der Schönste! Ich bin der Größte! Léo Apotheker hat Angst vor mir!“ – „Is’ ja gut, Larry. Jetzt aber husch zurück ins Körbchen!“

So gesehen ist es zwar sicher eine bittere Pille, die Apotheker HP hier verabreicht (boah, was für ein Wortspiel, da bin ich sicher der erste und einzige Schreiberling, der das so formuliert!), aber es ist ein konsequenter und richtiger Schritt – eigentlich sogar ein recht später Schritt, erscheint doch IBMs Schachzug von 2004 im Rückblick geradezu als weise Entscheidung.

Ein netter Nebeneffekt: Im Enterprise-Markt muss man Apple nicht fürchten. Denn ein Konzern, der Betriebssystem-Upgrades von 3,5 GByte ausschließlich im hauseigenen App-Store anbietet, hat von Unternehmens-IT entweder keine Ahnung oder interessiert sich demonstrativ nicht dafür. Steve Jobs ist sowieso viel zu sehr damit beschäftigt, nach iMac, iPod, iPhone und iPad am nächsten genialen Produkt zu stricken: iCompletelyOwntheConsumer.

Mit Apple sollen sich also nun, geht es nach Léo Apotheker, andere Anbieter herumschlagen. Wer könnte das wohl sein? „He, Mann auf der Straße! Wenn Sie nicht gerade bei Apple Apple-Produkte kaufen, wo kaufen Sie dann ein?“ – „Na, bei Amazon natürlich! Warum?“ – „Ach, nur so…“

Alles meins! Die rechtliche Seite der Cloud

Dieser Tage feiert man in Peru das 100. Jubiläum der Wiederentdeckung von Machu Picchu. Beim Anblick der Bilder der beeindruckenden Inka-Ruinenstadt fragt man sich unwillkürlich, wie solch eine hochentwickelte Zivilisation untergegangen sein könnte. Schließt man von unserer heutigen Zivilisation auf die damalige, kommen zwei Ursachen in Frage: entweder ein Patentrechtsstreit darüber, wer das Prinzip „künstliche Bewässerung“ erfunden hat, oder aber der große Inka-Medienkonzern So-Nih hat sein Copyright auf das Geräusch plätschernden Wassers geltend gemacht und der Gebirgsstadt den Hahn abgedreht.

Denn das Entstehen einer menschlichen Zivilisation erfolgt bekanntlich immer in drei Schritten: Erst kommen die Bauern, dann die Ingenieure und zuletzt die Anwälte.

Ähnliches lässt sich heute beim Aufbau einer virtuellen Zivilisation – in Fachkreisen „Cloud“ genannt – beobachten: Erst kommen diejenigen, die dank wolkiger Wolken neue Computing-Äcker fruchtbar machen, dann bauen Ingenieure ihre Suchmaschinen und Dropboxen darauf, und nun kommen Advokaten aus jedem Winkel gekrochen, um das Ruder zu übernehmen.

Zum Beispiel hat kürzlich der auch von mir geschätzte und genutzte File-Service Dropbox – offenbar dem Rat schlauer Justitiare folgend – neue Nutzungsbestimmungen (Terms of Service, kurz ToS) aus seiner File-Service-Wolke auf die Welt herabregnen lassen. Das Problem für den IT- und Cloud-affinen Benutzer liegt darin, dass er sich in seinen Lesegewohnheiten umstellen muss: von Handbüchern, die er nicht lesen will, hin zu Juristengebrabbel, das er nicht versteht (und wohl auch nicht verstehen soll).

So hieß es am 2. Juli plötzlich in den aktualisierten Terms of Service von Dropbox: “By submitting your stuff to the Services, you grant us (and those we work with to provide the Services) worldwide, non-exclusive, royalty-free, sublicenseable rights to use, copy, distribute, prepare derivative works (such as translations or format conversions) of, perform, or publicly display that stuff to the extent we think it necessary for the Service.” Hier meine laienhafte Übersetzung: „Indem Sie Ihre Sachen an unsere Services übergeben, gewähren Sie uns (und denen, mit denen wir zusammenarbeiten, um die Services bereitzustellen) weltweite, nicht-exklusive, tantiemenfreie, weiter lizenzierbare Rechte, die Sachen in dem Maße, das wir für den Service als notwendig erachten, zu nutzen, zu kopieren, zu verteilen, abgeleitete Werke (wie Übersetzungen und Umformatierungen) anzufertigen, durchzuführen und öffentlich darzustellen.“

Die Cloud-Company versucht hier einerseits, sich mit flapsigen Formulierungen wie „your stuff“ jugendlich-cool zu geben, sich aber zugleich mit juristischem Kauderwelsch weitestmöglich abzusichern. Was auf dieses ToS-Update folgte, war zunächst ein durch die Dropbox-Benutzerschaft hallendes „Häh?“ und dann ein veritabler Wolkenbruch im Wasserglas. Denn das „Kleingedruckte“ erschütterte das Vertrauen vieler erschreckter Benutzer, die plötzlich um ihr gestern noch bedenkenlos in die Cloud gekipptes geistiges Eigentum bangten. So verkündete zum Beispiel der Analyst Simon Bramfitt kurzerhand auf Twitter, er werde seine Dropbox-Nutzung einstellen:

Andere Benutzer, darunter zum Beispiel der Betreiber des Offmessage-Blogs, drängten Dropbox zu konkreteren, benutzerfreundlicheren Formulierungen. Auch der Schreiber dieser Zeilen hat sich erdreistet, die Dropboxler sogar als Nicht-Native-Speaker und Nicht-Jurist per E-Mail auf ihren etwas zu laxen Umgang mit juristoider englischer Terminologie hinzuweisen. Denn letztlich geht es bei der Cloud-Nutzung um Vertrauen, und dieses leidet bei allzu schwammigen Formulierungen – das gilt für Dropbox ebenso wie für Google, Facebook und Co.

Die beanstandeten Zeilen sind inzwischen von https://www.dropbox.com/terms verschwunden. Das Grundproblem aber bleibt: Die Anwender wollen möglichst bequeme Cloud-Services, die Provider hingegen wollen sich rechtlich absichern. Hier werden Cloud-Provider und -Nutzer sicher noch zueinander finden. Aber an eines werden wir uns gewöhnen müssen: Cloud Computing bedeutet weniger Arbeit für die IT-Fachleute, aber mehr Arbeit für die Juristen.

Prognose: So wird die IT-Welt 2014 wirklich aussehen

Der Jahreswechsel ist die Zeit, in der sich Gott, Welt und Hund berufen fühlen, eine Prognose für das kommende Jahr abzugeben. Das ist ein spaßiges Hobby und völlig risikolos, da sich im Wust der zahllosen Vorhersagen nächstes Jahr sowieso niemand daran erinnert, wer wann was prophezeit hat. Die absoluten Meister dieser Kunst modernen Vogelflugdeutens und Glaskugelschauens sind die Analystenhäuser: Nicht nur stützen sie sich auf die schwarze Magie der Umfragen unter “IT-Entscheidern” und der statistischen Hochrechnung – nein, sie geben ihre Prognosen gerne gleich für die nächsten vier Jahre ab, wohl wissend, dass sich im Jahr 2014 kein Schwein mehr für die ach-so-wichtigen Themen der grauen Vorzeitjahres 2010 interessiert.

Deshalb schließen wir uns nun um so beherzter diesem Treiben an und stellen folgende zehn Prognosen für den IT-Markt in den Jahren 2011 bis 2014 auf:

1. Historiker prüfen im Jahr 2014 nach, was die Analystenhäuser über das Jahr 2014 geschrieben haben, und lachen sich kaputt.

2. Apples iPad wird die IT-Welt erobern. Eine übergewichtige Wohlstands- und Lifestyle-Gesellschaft wird mit Fast-Food- und Chips-verfetteten Fingern auf Café-Latte-verspritzten iPad-Displays herumtappen und herumwischen. Die Putztüchlein-Industrie wird den größten Boom ihrer Geschichte erleben.

3. Smartphones werden weiterhin von Jahr zu Jahr smarter werden. Im Jahr 2014 sind sie dann so smart, dass sie sich selbsttätig vor ihren Besitzern verstecken, weil sie es nicht mehr verantworten können, diesen durch individualisierte Werbung, alberne Internet-Spiele und sinnlose Status-Updates wertvolle Lebenszeit zu stehlen.

4. Die WTF (WikiLeaks Task Force) des US-Geheimdienstes CIA (Center for the Incarceration of Assange) wird Mittel und Wege finden, das Veröffentlichen illegal zugespielter Informationen als Straftat zu verfolgen. 2011: WikiLeaks-Chef Julian Assange flüchtet nach Schweden. 2012: New York Times und Washington Post flüchten nach Schweden.

5. Bis 2014 wird Facebook 2,5 Milliarden Mitglieder haben. Über diese 2,5 Milliarden Menschen werden die Industrie, die Werbebranche und die Behörden weit mehr wissen, als sie je wissen wollten. In den führenden Industrienationen wird der Datenschutz verboten. Die letzten Datenschützer flüchten nach Schweden.

6. Twitter muss zugeben, im Konkurrenzkampf der Social Networks gegen Facebook nicht bestehen zu können, erklärt sich zum Nachrichtenmedium und flüchtet nach Schweden.

7. Bis 2014 hat Google alle Menschen, Tiere und Gegenstände mit Barcodes und Funkchips versehen, die von Satelliten aus lokalisiert werden können. Das wird sehr hilfreich sein für Menschen, die nie wissen, wo sie ihren Hausschlüssel hingelegt haben.

8. Die Kinder in den westlichen Industriestaaten schneiden beim PISA-Test immer schlechter ab, weil sie ihre ganze Kindheit vor Spielekonsolen verbringen. Deshalb wird 2014 US-Präsident Mark Zuckerberg Microsoft zwingen, Microsoft Office auf die Xbox zu portieren, damit man beim Spielen wenigstens nebenher Hausaufgaben machen kann.

9. Oracle-Chef Larry Ellison wird 2011 weiterhin rüpelhaft über die Konkurrenten HP und IBM herziehen. Oracle-Chef Larry Ellison wird 2012 weiterhin rüpelhaft über die Konkurrenten HP und IBM herziehen. Oracle-Chef Larry Ellison wird 2013 weiterhin rüpelhaft über die Konkurrenten HP und IBM herziehen. Oracle-Chef Larry Ellison wird 2014 weiterhin rüpelhaft über die Konkurrenten HP und IBM herziehen.

10. Cloud Computing wird sich durchsetzen. Alles wird gut.

Neuer Trendsport: Extreme Cloudwashing

Eigentlich bin ich ja ein großer Fan des Begriffs “Cloud Computing”. Denn wie oft gibt es das schon, dass sich ein Marketing-Terminus verbreitet, der ganz offen zugibt, “wolkig” zu sein? In IT-Kreisen erlebt dieser Bewölkungseifer derzeit eine wahres Hoch: Während die Deutschen einen großen Teil dieses Sommers damit verbrachten, sich einen wolkenlosen Himmel herbeizusehnen, ruft die IT-Branche in seltener Eintracht: “Hurra, unsere Zukunft ist wolkenverhangen!”

101002cloud.PNG

Eine derart einhellige Begeisterung hat man in IT-Kreisen nicht mehr gesehen, seit die Branche – die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch erinnern – vor einigen Jahren auf den eskalierenden Stromverbrauch im RZ reagierte und dies als spontan entdecktes Umweltbewusstsein vermarktete. Wo vormals von IT die Rede war, musste plötzlich überall “Green IT” draufstehen – auf Servern, Storage, ja, ganzen Rechenzentren.

Ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Es war durchaus nützlich und wichtig, dass die versammelte IT-Industrie ihr Augenmerk auf ihren steigenden Beitrag zur Energieverschwendung in den Industrieländern richtete. Ebenso nützlich ist es, dass ein möglichst niedriger Stromverbrauch, nachgewiesen durch Messungen und ausgewiesen im Datenblatt, inzwischen eine Standardanforderung bei einer IT-Beschaffung ist.

Zu Zeiten des Green-IT-Hypes jedoch trieb es mancher allzu bunt – genauer: allzu grün. Es war sogar die Rede von “grünen” Verschlüsselungslösungen. Wahrscheinlich mit freilaufenden, glücklichen Algorithmen aus Bodenhaltung.

Greenwashing” nannten Kritiker solcherlei Anbiederung an die Green-IT-Erwartungshaltung der Presse und der Kundschaft. Und so wie damals alles grüngewaschen wurde, herrscht heute in der IT allerorten das “Cloudwashing” vor (ein Begriff, der sich zum Beispiel im nützlichen Forrester-Report “The Evolution of Cloud Computing Markets” von Stefan Ried et al. findet).

Die extremen Wolkenwäscher aber seien gewarnt: Zu heiß Gewaschenes läuft ein. Dann passt es nicht mehr und sieht – für jeden Kunden offensichtlich – reichlich albern aus.

Cloud Computing: Plädoyer für einen wolkigen Begriff

Kürzlich habe ich den “Virtualisierungs- und Cloud-Computing-Kongress 2010” für die LANline und das Startup-Unternehmen AppSphere moderiert – schöne Veranstaltung, nettes Ambiente (IHK Karlsruhe), interessante Vorträge, gute Stimmung. So weit, so gut.

Zwischendurch habe ich mir dabei Gedanken über das “Cloud Computing” gemacht – nicht nur, weil dies gerade Tagesthema war, und nicht nur, weil “Cloud” gerade als Marketing-Begriff allüberall aufpoppt, sondern auch, weil der Begriff – auf Deutsch ja immerhin “Wolken-Rechnen” – zu allerlei wilden Assoziationen und Wortspielen einlädt. Wie zum Beispiel, ob es bei einem “Cloud Data Center” nicht automatisch um das IT-Pendant zu einem Luftschloss gehen muss… :-)

100616-cloud-computing.png

Bild: (c) Wolfgang Traub

Das Grundproblem des Wortes “Cloud” ist natürlich, dass es sich derzeit auf der Spitze eines Hype-Cycles tummelt, also im siebten Himmel kurzlebiger Marketing-Beliebtheit schwebt. Heerscharen von IT-Marketiers biegen sich den Begriff zur Zeit so zurecht, wie sie ihn gerade brauchen, wodurch die Cloud von Tag zu Tag “wolkiger” wird.

Dabei gibt es durchaus eine klare Definition von “Cloud Computing” – die sich der IT-Journalist von Welt natürlich aus der Cloud klaubt (genauer: von Wikipedia): “Cloud Computing”, wissen die anonymen, aber weisen Wikipedia-Massen, “bezeichnet primär den Ansatz, abstrahierte IT-Infrastrukturen (z. B. Rechenkapazität, Datenspeicher – siehe IaaS), fertige Programmpakete (siehe SaaS) und Programmierumgebungen (siehe PaaS) dynamisch an den Bedarf angepasst über (ein) Netzwerk zur Verfügung zu stellen. Die Abrechnung erfolgt dabei nutzungsabhängig, da nur tatsächlich genutzte Dienste bezahlt werden müssen.” Ebenfalls von zentraler Bedeutung für das Konzept sei die vollautomatische Bereitstellung in virtualisierten Rechenzentren mittels Web-Technologie wie Web-Services.

Was hier so einfach klingt, ist technisch gesehen äußerst anspruchsvoll, komplex und facettenreich. Und so schmücken immer mehr Unternehmen ihre Produkte mit dem Aufdruck “Cloud”, bei denen bislang “Rechenzentrum”, “Virtualisierung”, “IT-Management”, “Application Service Provider”, “Internet”, “World Wide Web” und zahlreiche andere Labels – zwischenzeitlich auch mal “Green IT” – auf der Verpackung stand. Die weiteren Aussichten: zunehmend bewölkt.

Dennoch bin ich ein großer Fan des Wortes “Cloud”. Denn irgendeinen Namen muss man dem jüngsten Spross aus der Familie des mit IT Machbaren schließlich geben. Und dann nimmt man doch am besten ein Wort, das kurz und knackig ist, zudem leicht zu merken und auch für den Deutschen problemlos auszusprechen (anders als, sagen wir mal, “Service-Oriented Architecture”).

Noch dazu ist “Cloud” ein sehr bildhafter Ausdruck – schließlich ist er von den kleinen Cartoon-Wolken abgeleitet, die in Netzwerkgrafiken das Weitverkehrsnetz oder das Internet symbolisieren. Bildhafte Ausdrücke sind nützlich, laden sie doch das Gehirn zum Arbeiten ein. Wie schrieb schon Kurt Tucholsky in seinem Kurztext “Zur soziologischen Psychologie der Löcher“: “Wenn der Mensch ‘Loch’ hört, bekommt er Assoziationen: manche denken an Zündloch, manche an Knopfloch und manche an Goebbels.” Und wenn sie “Cloud” hören, denken eben manche an Schäfchenwolken, manche an Luftschlösser und manche an Software as a Service.

Deshalb finde ich den Begriff “Cloud” einfach gut. Oder, wie der Berliner sagen würde: “Cloud Compjuhting is’ echt ‘ne Wolke.”