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Zukunft des Client-Managements: Monokelverbot oder BYOGG?

Das letzte wirkliche Revolution auf Endgeräteseite war Apples iPhone – zumindest wenn man bedenkt, dass das oft als ebenso revolutionär betrachtete iPad, wie zuvor schon Apples Musikabspielgerätchen iPod, keine grundlegende Neuerung war, sondern lediglich die geschickte Verfeinerung einer bereits bestehenden, aber in puncto Marktrelevanz vor sich hindümpelnden Produktgruppe.

Smartphones – mit angebissenen Äpfeln drauf oder aber mit kleinen grünen Robotern, vereinzelt wurden auch schon Windows-Phone-Logos gesichtet – haben über den Umweg des Consumer-Markts längst Einzug in die Unternehmen gefunden. Die IT-Abteilung – eigentlich voller Menschen, die für Gadgets zu begeistern sind – betrachtet den Siegeszug von iPhone und Co. häufig mit Misstrauen, sind die smarten Helferlein doch nützlich und schick, aber nicht wirklich gut zentral verwaltbar. Hier steht Vertrauliches aus internen Archiven ebenso auf dem Spiel wie die Netzwerksicherheit und die Privatsphäre der Mitarbeiter.

Umso dramatischer dürfte die Lage der IT-Verantwortlichen werden, wenn ab nächstem Jahr der Chef und ein paar andere Besserverdiener mit dem nächsten revolutionären Spielzeug im Büro aufschlagen: mit Google Glass. Dieser gerne als „Datenbrille“ bezeichnete Kleinstcomputer ist tatsächlich weniger eine Brille als vielmehr ein Augmented-Reality-Monokel, erweitert er doch den menschlichen Blickwinkel um eine Minikamera nebst Informationen und Apps aus der Cloud.

Haben solche „realitätsausdehnenden“ Accessoires erst einmal den Consumer-Markt erobert, dürfte sich die IT-Organisation im Unternehmen noch nach den Zeiten zurücksehnen, als es lediglich galt, Smartphones und Tablets zu bändigen. Dann wird man über Monokelverbote diskutieren sowie über BYOGG (Bring Your Own Google Glass). Und zwei, drei Jahre später sind Minikamera und Minicomputer ersetzt durch Mikrokameras und Mikrocomputer, die mit bloßem Auge überhaupt nicht mehr erkennbar sind.

Manch ein grauhaariger Administrator wird dann schmunzeln: „Ja, ja, Mikrocomputer. Die haben damals schon die Mainframe-Welt durcheinandergebracht. Später nannte man sie PCs.“ Der Fortschritt verläuft eben auf verschlungenen Pfaden. Oder anders formuliert: Es bleibt schwierig.

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Trost und Rat von Dr. Wilhelm Greiner: schnelle Hilfe bei IT-Schmerzen

In den Gesprächen mit IT-Anbietern erscheint das Leben eines IT-Verantwortlichen nicht nur als stressig, sondern sogar als richtig schmerzhaft: Im Land der bunten Powerpoint-Slides ist immer wieder die Rede davon, dass der jeweilige Hersteller X mit seinem Produkt Y helfen will, den „Schmerz“ des IT-Leiters zu lindern. Hier hat sich wieder einmal US-amerikanisches Marketing-Kauderwelsch in den deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen, ist dort doch ebenfalls immer wieder von den „Pain Points“ der CIOs die Rede.

Was also ist zu tun, wenn die Arbeit mit IT zu Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Juckreiz oder gar allergischen Schockreaktionen führt? Als Service für den geneigten (oder hexenschussgebeugten?) Leser folgen hier die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen im Überblick:

* Vorbeugung ist die beste Medizin. Deshalb: Halten Sie sich fit! Ein bewährtes Hausrezept ist hier die so genannte „Turnschuhadministration“. Einfach mal auf Management-Tools verzichten, wie in der guten alten Zeit per Pedes von Rechner zu Rechner laufen und Updates manuell einspielen. Sie werden merken: Schon nach wenigen Wochen fühlen Sie sich deutlich fitter, und das gute alte „Bay Networks“-T-Shirt sitzt plötzlich auch nicht mehr so stramm!

* Bei kleineren Hardware-Wehwehchen hilft meist schon ein Pflaster, der medizinische Fachterminus hierfür lautet „Patch“. Von solchen Patches darf man ruhig auch mehrere Aufbringen, eine Überdosierung ist kaum zu befürchten. Ja, es sind sogar Fälle von Servern bekannt, die ohne Dutzende von Patches gar nicht arbeiten würden. Also nie leichtfertig das Betriebssystem wechseln, getreu dem bewährten Motto: „Solange es noch Patches gibt, besteht auch noch Hoffnung auf Besserung.“

* Ältere PCs leiden vermehrt an Alzheimer. Dann vergessen sie Daten und wirken orientierungslos. Gehen Sie in solch einem Fall auf Ihren PC ein und reden Sie ihm verständnisvoll zu. Es wird ihm helfen, Ihre vertraute Stimme zu hören, selbst wenn er Sie vielleicht nicht gleich erkennt. Manche PCs wiederum werden auf ihre alten Tage äußerst rastlos. Dann hilft es, sie an einer Bushaltestelle mit Fahrtziel „Windows-8-Upgrade“ abzustellen. Irgendwann lässt die Unruhe nach und das Gerät kehrt freiwillig an seinen Schreibtisch zurück.

* Operative Eingriffe – im medizinischen Fachjargon „Changes“ genannt – sind generell nie ohne Risiken! Hören Sie deshalb nicht auf jeden dahergelaufenen Scharlatan, der fröhlich zu Schönheitsoperationen rät. Manch ein zunächst harmlos wirkender Eingriff hat sehr unschöne Narben hinterlassen. Fragen Sie immer erst Ihren Arzt oder Change Impact Manager! Oder gehen Sie zumindest in die Apotheke, breiten Ihren Netzwerkplan aus und diskutieren Sie mögliche Therapieansätze mit Ihrem Apotheker.

* Ein Wort zur Homöopathie. Homöopathie ist, wenn der Web-Programmierer „<p>“ schreibt und dann verkündet: „Die Website ist fertig!“ Viele traditionelle Programmierer zweifeln an der Effektivität solch homöopathischen Web-Designs. Aus der Praxis wissen wir aber um zahlreiche Websites, bei denen das hier beschriebene Vorgehen eindeutig einen Fortschritt darstellen würde.

* Ebenfalls nicht unumstritten ist die traditionelle chinesische Medizin (TCM). TCM betrachtet eine IT-Umgebung ganzheitlich: als Gesamtsystem, bei dem alles mit allem über Ethernet-Meridiane verbunden ist. Und so kann es sein, dass der traditionelle chinesische Heiler beim Ausfall des Netzwerks aufgrund eines DDoS-Angriffs einen Aufguss aus Kräutern und Kabelabschirmungen verschreibt, den man morgens vor dem Booten dem SQL-Server einflößen soll. Die damit erzielbaren Effekte sind manchmal ganz verblüffend, also seien Sie ruhig offen für Neues! Es hat schon seinen Grund, dass China in Sachen IT seit rund 5.000 Jahren ganz vorne mitspielt.

* Regelmäßige Check-ups sind wichtig. Wem das zu wenig ist, der greift zwischendurch zur spontanen Selbstdiagnose: Einfach mal einen Schalter drücken, am besten einen, auf dem „USV! Auf keinen Fall ausschalten!“ oder Ähnliches steht. Sie werden überrascht sein, welche Reaktionen Sie mit diesem Diagnoseansatz erzielen können. Denn merke: Alles, was das Netzwerk nicht umbringt, macht es nur stärker.

Und nächste Woche befassen wir uns mit der Frage: Impfung gegen Kinderkrankheiten – wichtig auch für mein iPhone?

IT-Management – das Online-Game

Wieso gibt’s eigentlich IT-Management-Software nicht als Computerspiel? Bitte nicht missverstehen: Ich meine hier nicht ein Spiel, bei dem man eine simulierte IT-Infrastruktur managt. Ich rede hier von einem “Serious Game” – einem Computerspiel für’s richtige Leben. Arbeitshypothese: IT-Landschaften werden in Zukunft durch erfolgreiches Spielen gemanagt.

Vermutete Reaktion seitens manch eines geneigten, aber dieser Idee abgeneigten Lesers: Server-, Storage-, Client-Bestände und Netzwerk per Computerspiel verwalten – wer braucht das denn?!?! Gute Frage – aber schauen wir uns doch den Computernachwuchs, also die künftigen Administratoren einmal an: Diese Jugend, ts-ts-ts, dauernd nur am Daddeln, vernachlässigt die Hausaufgaben, hangelt sich aber mit einer affenartigen, für Erwachsene kaum nachvollziehbaren Geschwindigkeit (und dem einen oder anderen Cheat) durch alle möglichen Levels aller möglichen Ballerspiele, bastelt nebenbei an zwei bis siebzehn virtuellen Städten in Online-Zivilisationsspielen, und zur Erholung gibt’s dann ein Massive-Multiplayer-Rollenspiel oder aber ein Autorennen an der Wii-Konsole. Sozialisierung per Joystick.

Die heutige Generation Joystick ist in ein paar Jahren der Admin-Nachwuchs. Hersteller von IT-Management-Software sollten deshalb umdenken und neue Interfaces entwickeln: Der Avatar des Admins verteidigt in einem virtuellen Setting seiner Wahl – gerne genommen: die “postapokalyptische Server-Wüste” und der “Planet der leichtbekleideten Storage-Serverinnen” – die Hard- und Software-Bestände gegen die drohende Invasion schleimiger grüner Viren-Monster, heimtückisch lauernde, stachelige Service-Level-Verletzungen und den jederzeit damoklesschwertartig drohenden Giganto-Gozilla-Stromausfall (der dich mindestens drei Leben kostet, aber mindestens!). Für erfolgreiches IT-Management gibt’s künftig Bonuspunkte und Credits, zusätzliche virtuelle Leben oder Avatare sowie schicke futuristische Super-Waffen. Und mit jeder “9″ nach dem Komma an Hochverfügbarkeit kommt unser Held wieder ein Level höher – im Spiel und wenn’s denn sein muss sogar im Gehalt.

Für die Generation Joystick ist eine Online-Spielumgebung das natürlich Interface – alles andere ist keine artgerechte Teenager-Haltung. Das Multiplayer-Online-Admin-Game – ja, IT-Management ist Teamarbeit, und das Team arbeitet online – ist deshalb die Verwaltungsschnittstelle der Zukunft.

Ist sie das gar schon? Zumindest in Ansätzen? (Also jenseits der Collaboration in virtuellen Umgebungen – ich weiß, dass IBM, Citrix und Co. an virtuellen Welten für die optimierte Team-Zusammenarbeit basteln – my office life is my Second Life…) Bin ich nicht auf dem Laufenden und es gibt schon solche Tendenzen im IT-Management? Dann freue ich mich über Hinweise, die mich als altbacken und so-was-von-nicht-am-Puls-der-Zeit entlarven, aber doch zugleich bestätigen würden ;-)