Cloud-Feind Nr. 1

Die Chinesen mögen ihre gesamte Bevölkerung überwachen, aber wir können das noch viel besser! Dies scheint die Handlungsmaxime des US-Geheimdienstes National Security Agency zu sein: Die NSA überwacht im Internet offenbar alles, was nicht niet- und nagelfest ist, wie der Whistleblower Edward Snowden der britischen Zeitung The Guardian darlegte (ein sehr mutiger Schritt, bedenkt man Berichte über die menschenverachtende Behandlung des Wikileaks-Informanten Bradley Manning in den USA).

Das Internet, machen wir uns da nichts vor, ist nach wie vor hochgradig amerikanisch geprägt, hier laufen zahlreiche Fäden – genauer: Glasfasern – zusammen. Ob es um eine Suchanfrage bei Google geht, eine Bestellung bei Amazon, eine Versteigerung auf eBay, das Speichern privater Daten in Apples iCloud, die Vernetzung via Twitter und Facebook oder das Filesharing mittels Dropbox und Co.: Die Dienste laufen in den USA. Und das bedeutet: Die weltgrößte Spionagebehörde lauert im Hintergrund. Über gerichtliche Verfügungen soll die NSA Datenübergaben von Anbietern wie Microsoft, Google, Apple, Facebook, Yahoo, Skype und dem Carrier Verizon (nicht jedoch Twitter) erwirkt haben, einige Service-Provider haben der NSA laut Medienberichten sogar Backdoors für den Datenabruf eingerichtet.

130612Bespitzelung

Was dank Edward Snowden und The Guardian in die Medien kam, war lange schon ein offenes Geheimnis: Wo der US-Geheimdienst abhören will, dort hört er ab, was soll man machen. Lediglich das Ausmaß könnte den einen oder anderen überrascht haben.

Facebook kann hier eigentlich entspannt bleiben: Dessen Nutzer dürfte die Bespitzelung kalt lassen, speichern sie doch freiwillig persönliche Daten und Quasi-Tagebücher bei einem Dienst, der eine „Stasi 2.0“-Überwachung ermöglicht und eigentlich direkt von der CIA stammen könnte. Unternehmen wie Amazon, Google oder Microsoft müssen über die Enthüllungen im Rahmen des „Prism“-Skandals deutlich besorgter sein: Gerade die großen amerikanischen Cloud-Service-Provider liefern sich ein Wettrennen um Unternehmenskunden, die sie mit Infrastructure-as-a-Service- und Hosted-Private-Cloud-Angeboten in ihre jeweilige Wolke locken wollen.

Insbesondere deutsche IT-Verantwortliche standen den Public-Cloud-Diensten US-amerikanischer Bauart stets sehr skeptisch gegenüber. Und spätestens jetzt zeigt sich: zu Recht. Die Public Cloud ist die Fortsetzung des Outsourcings mit modernsten Mitteln, und Outsourcing braucht Vertrauen. Dieses ist nun dahin. Die NSA ist der Public Cloud Enemy Number One, der Cloud-Feind Nr. 1.

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