Schlagwort-Archive: Video

Tweets in Twinemascope & Twechnicolor

“DM home!” – @ET

“I’ll be back. Oh, and I also follow back.” – @TheTerminator

“It’s a boy!” – @Rosemary

“I just ousted @DVader as mayor of DeathStar.” – @LukeS

“F*** it, Dude. Let’s go bowling.” – @WalterSobchack

“@Samwise @Merry @Pippin Guys, I think we better switch that geolocation thing off.” – @Frodo

“ROFLMAO” – @TheJoker

“@MichaelC I told you, stay out of the family business!” – @DonVito

“@Charlotte Santory-time my ass. Ready to explore Tokyo?” – @BobHarris

“@NormanBates: Norman, this is your mother tweeting. You must kill her.” – @NormanBates

“RT @Sam: Now playing ‘As Time Goes By’ at @Rick43’s Café. <– Again!” – @Rick43

“Thinking about changing my Twitter handle to @Strangelove.” – @MerkwuerdigeLiebe

“Nobody moves, nobody gets hurt. Or unfollowed.” – @Thelma

“Still ROFLMAO” – @TheJoker

Tweet it! Michael Jackson im Twitter-Krieg

Endlich ist sie geklärt, jene Frage, die so lange einsam und verlassen und unbeantwortet im Raum stand: Wie hätte es wohl ausgesehen, wenn Michael Jackson selig seinerzeit mal ein Video über Twitter gedreht hätte? Die heiß erwartete Antwort verdanken wir dem “Pantless-Knights”-Musikvideo “Tweet it!” auf YouTube, erstellt als Werbegag für die Videoproduktionsfirma Seedwell. Es ist nicht nur die gelungenste Variation über ein Michael-Jackson-Thema seit “Eat it!” mit einem sehr korpulenten Weird Al Yankovic in der Hauptrollle – nein, “Tweet it!” ist vielmehr auch pädagogisch wertvoll.

101104tweetit.png

So lernen wir hier zum Beispiel, dass die Steve Jobs’sche Jüngerschar mit der Einführung des neuesten Kultobjekts von Apple in zwei feindliche Sekten zerfallen ist: einerseits wahnsinnig wichtige Yuppie-Manager mit iPad unter’m Arm, andererseits die hauptberuflich wahnsinnig Wichtigen mit iPhone in der Hand.

Auch über Verhalten, Krisen und Habitat der beiden verfeindeten Lager, die im Video knallhart auf einen Gadget-induzierten “Gang War” zusteuern, erfährt man hier anthropologisch Interessantes: In beiden Lagern twittert man oft und gerne, wie den immer wieder im Video aufpoppenden Tweet-Bubbles zu entnehmen ist. In einem der Lager findet man allerdings Hinweise, dass man mit Empfangsproblemen zu kämpfen hat (”Why do I keep dropping calls?”).

Ebenso lehrreich ist der Liedtext. Hier hören wir zum Beispiel von den Tücken der Content-Darstellung:

“Remember some devices do not support flash,
so tweet it, while you’re clearing your cache.”

Hier erfahren wir auch, dass sich das Medium Twitter dank der Kürze seiner Nachrichten von maximal 140 Zeichen sogar für Kinder mit ADS eignet (im Amerikanischen “Attention Deficit Disorder” genannt):

“Tweet it! Tweet it!
Kids with ADD can read it!”

Geradezu schockierend wird für manchen Außenstehenden die Erkenntnis sein, dass auf Twitter beim Bemühen, aktuelles Gedankengut (”Gedankengut” bisweilen im weiteren Sinne) möglichst zügig zu Papier (bzw. zu Smartphone-Tastatur) zu bringen, mitunter die Orthografie leidet, ohne dass die twitternde Benutzerschaft daran Anstoß nimmt:

“Show ‘em, they’re hungry for your insight,
it doesn’t matter if you can’t write.”

Fazit: Dieses aufschlussreiche Musikfilmchen ist ein Höhepunkt westlichen Popkulturschaffens. Deshalb nun erstens: “Tweet it!”

101104tweetit2.PNG

… und dann aber ganz schnell zweitens: Tweet it!

Old Spice Guy: in Badeschlappen auf den Social-Media-Olymp

Als IT-Fachjournalist berichtet man eigentlich ungern über so genanntes “virales” Social Media Marketing, also Marketing-Kampagnen, die von der spontanen, vielfachen Weiterverbreitung durch Social-Media-Benutzer leben: Schließlich wird man durch den Bericht über das virale Marketing-Phänomen selbst Teil des Systems sich selbst replizierender Werbung.

Aber manchmal verdient es eine sehr gut gemachte Kampagne eben, dass man sich – sogar recht zeitnah, ohne die beruhigende Distanz des historischen Rückblicks – mit ihr befasst. Und dem US-amerikanischen Konsumgüter-Konzern Procter & Gamble (P&G) ist eben kürzlich mit seiner Social-Media-Kampagne für Deos und Co. der Marke “Old Spice” ein wahres Kunststück gelungen.

Im Mittelpunkt der Kampagne stand der Schauspieler Isaiah Mustafa, dem US-Publikum bekannt aus einer Serie von Werbespots mit dem Thema “The Man Your Man Could Smell Like” (”Der Mann, wie der Ihr Mann riechen könnte”) – amüsante Spots, deren erster im Web laut dem Blog Mashable.com schon über 19-millionenfach abgerufen wurde.

100719oldspiceguy.png

P&Gs Social-Marketing-Agentur hatte die Idee, Mustafa an wenigen Tagen eine Unzahl kurzer Videobotschaften senden zu lassen, jeweils in Beantwortung von Fragen oder Kommentaren, die über Social Networks wie Twitter, Facebook oder Reddit gepostet worden waren. Das Setting war dabei stets gleich: Der gut aussehende Mustafa – “I’m just a ridiculously handsome man”, wie er in der letzten der Videoantworten konstatiert – ist in einem Badezimmer zu sehen, badezimmertypisch bekleidet mit nur einem Handtuch um die Hüften (und, wie man vermuten darf, ohne es aber je zu sehen, in Badeschlappen). Mustafa nimmt für P&G in 24 Stunden über 180 Videobotschaften auf, die laut Visible Measures innerhalb weniger Tage millionenfach gesehen werden – der von Marketiers so ersehnte Effekt viraler Verbreitung.

Das Autorenteam trifft in den Videos genau den entspannten, lockeren, amüsanten und so gar nicht reklameartigen Tonfall, der im Web 2.0 beliebt ist – mal richtet Mustafa Botschaften an Prominente, mal erfüllt er die Bitte, er möchte doch im Namen eines Twitter-Nutzers um die Hand von dessen Angebeteter anhalten, mal nimmt er auf Wunsch eines anderen Unbekannten für diesen einen Anrufbeantworter-Text auf. Dies alles immer cool und augenzwinkernd (oder “tongue-in-cheek”, wie die Amerikaner sagen), und stets ganz frisch deodorierter Gentleman (”Monocle smile!”).

Dank Social Media – P&G hat hier die Plattformen wie YouTube und Twitter elegant für sich einzuspannen gewusst – hat eine originelle Idee, die dank hervorragendem Autorenteam und einem genau passenden Schauspieler perfekt umgesetzt wird, heutzutage das Zeug, in Nullkommanichts Teil der nationalen oder gar internationalen Populärkultur zu werden. Diese Kombination aus Originalität, treffsicheren Pointen und schwungvoller Umsetzung würde man sich viel öfter wünschen – gerne auch hierzulande, und gerne auch außerhalb des reinen Produktmarketings. Denn Social Media bieten mehr Raum für originelle und unterhaltsame Kommunikation, als der Begriff “Social Media Marketing” vermuten lässt.

Java 4-Ever: ein Windows-Shrek geht nach Hollywood

Java ist nicht nur eine indonesische Insel, eine Kaffeesorte und eine Programmiersprache (die seit der Sun-Akquisition nun Oracle gehört); zudem ist Java seit Kurzem auch ein Filmstar – zumindest wenn man dem Trailer von “Java 4-Ever” glauben darf.

Der Trailer handelt von einem Kind, das in einer sehr Windows- und .NET-treuen Familie aufwächst und später als Teenager in Form von Java-Begeisterung revoltiert. Das große “Coming out” hat der Java-Nachwuchsentwickler dann bei einer weihnachtlichen Familienfeier: “”I use Java.” Denn, so der Microsoft-Verweigerer: “I want to use a programming language that doesn’t only run on Windows.” Es bricht großes Getöse aus, die Mutter erleidet einen Heulkrampf (”My son is a monster!”), der Vater nach ausgiebiger Schimpftirade einen tödlichen Herzanfall.

100607java.png

Bildquelle: http://jz10.java.no/

“Java 4-Ever” gibt es natürlich nicht, die Ankündigung ist ein Fake – eine unterhaltsame und gut gemachte Parodie auf die Trailer handelsüblicher Hollywood-Produktionen: Die von “JavaZone Entertainment” präsentierte “Steven Springberg”-Produktion zitiert so manche bekannte Filmsequenz, enthält – wie es sich für eine ordentliche Hollywood-Großproduktion gehört – sehr offensichtliches Product Placement eines Notebooks mit dem Logo des Steve-Jobs-Shops und prahlt nicht nur mit dem Regisseur von “Javatar”, sondern auch mit seinen Hauptdarstellern Eddie Larrison und Scala Johansson sowie mit Kritiken einschlägiger Magazine (”Truly gripping.” Wired).

Ein wenig Hollywood-untypisch ist lediglich, dass die Dialoge auf Norwegisch gehalten sind, samt den in den USA so unbeliebten englischen Untertiteln. Dies erklärt sich dadurch, dass der Trailer ein Werbefilmchen für die Java-Entwicklerkonferenz JavaZone vom 8. bis 9. September 2010 im norwegischen Oslo ist.

Wie die computeranimierte Trickfilmserie “Shrek” des ehemaligen Disney-Managers Jeffrey Katzenberg die weichgespülte, flurbereinigte Märchenwelt des Disney-Konzerns parodierte (und damit ein Vermögen einspielte), so nutzt die Werbetruppe von JavaZone das Genre des Spielfilm-Trailers für gar shrekliche Seitenhiebe auf die .NET-Gemeinde – bis hin zum Filmtod des Microsoft-treuen Vaters (gespielt von William Windows). Genau so wünscht man sich die Ankündigung einer Java-Konferenz: witzig, respektlos, intelligent gemacht – gelungenes Community-orientiertes Entertainment. Kompliment – oder, wie wir Norweger sagen: Kudos!

Übrigens: Den Trailer sollte man sich auf der JavaZone-Seite ansehen oder aber auf boingboing.net (wo auch recht eifrig drüber diskutiert wurde), denn auf YouTube muss man sich wegen einer im Trailer enthaltenen kurzen Sexszene mit Altersangabe registrieren. Google befürchtet offenbar eine Jugendgefährdung durch die zirka zweisekündige skandinavische Programmierer-Ausschweifung (mit Notebook!). Deshalb die Warnung: Microsoft-feindlich und “not safe for work”!