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Hochwasser vermeiden – gibt’s da denn keine App für?

Es gibt Tage, da ist man besonders froh, nicht in Passau zu wohnen. Nach mehreren Tagen großflächen Dauerregens in Süddeutschland haben Donau, Inn und Ilz den Wasserpegel in Passau auf 12,80 Meter hochgetrieben, ein Wasserstand, der sogar die 1501 erreichten 12,20 Meter überstieg. Denn schließlich muss so ziemlich jeder Liter Regen, der zwischen Schwäbischer Alb, Alpennordseite und Bayerischem Wald vom Himmel fiel, früher oder später an der Passauer Altstadt vorbei – oder, wie in dieser Extremsituation, durch deren untere Stockwerke hindurch.

Entwicklung des Wasserstands der Donau bei Passau. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

Entwicklung des Wasserstands der Donau bei Passau. Quelle: Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

In zahlreichen Beiträgen und Sondersendungen brachten die Medien Bilder von reißenden Flüssen, wo sonst harmlose Bäche sind, und von Seenlandschaften, unter denen man Wiesen, Felder, Gärten, Straßen und die Erdgeschosse der halb sichtbaren Häuser vermuten konnte. Nach einem Frühling, der eher ein nicht enden wollender Winter war, bemühten sich Klimaforscher, dies dem kurzzeitgedächtnislastigen Nicht-Meteorologenvolk als Auswirkung der Klimaerwärmung zu vermitteln, während sich einige Politiker schon mal ins Vorwahlkampfgezänk stürzten und mit hochgezogener Augenbraue fragten, wer da wohl welche Wasserschutzmaßnahme nicht angeordnet, nicht umgesetzt oder gar blockiert habe.

Zeitgleich starrt wohl mancher Apple-Fan in Passau, Regensburg, Grimma und an vielen anderen überschwemmten Orten auf sein iPhone und wünscht sich, auch in puncto Hochwasserschutz gälte jenes geflügelte Wort: „There’s an app for that!“ Doch leider ist die IT-Branche, die sich sonst so selbstbewusst gibt, hier machtlos.

Natürlich gibt es leistungsstarke Großrechner, die Wetterdaten für die Meteorologen liefern und unermüdlich Klimadaten auswerten, auf deren Basis die Klimaforscher dann versuchen, uns den Unterschied zwischen kaltem Frühling und sich erwärmender Erdatmosphäre klarzumachen. Natürlich gibt es eine Wasserstands-App, mit der man bequem am Smartphone den aktuellen Pegel eines beliebigen Flusses abrufen kann – was aber wenig tröstlich ist, wenn man selbst mit Gummistiefeln drinsteht. Natürlich gibt es so nützliche Services wie Twitter, über die die Betroffenen sich austauschen und Hilfe organisieren können. Und natürlich gibt es mit YouTube eine endlos groß scheinende Videothek, die all die dramatischen Bilder für uns in der Cloud vorhält und archiviert.

Aber es gibt eben Tage, an denen sich zeigt, wie machtlos diese Cloud ist, wenn sie mal auf eine richtige Wolkenfront trifft.

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