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CSU fordert: IT-Fachleute sollen deutsch sprechen

Die IT erobert immer mehr Lebensbereiche. Doch zeitgleich macht sich in der IT-Branche eine deutsch-englische Mischsprache („Denglisch“) breit, die für Außenstehende kaum mehr verständlich ist. Dem will die CSU nun einen Riegel vorschieben.

Mit ihren Plänen, Migranten im öffentlichen Leben wie auch zu Hause auf die deutsche Sprache zu verpflichten, hat die CSU für den erwartbaren Medienrummel gesorgt. Der Verdacht lag nahe, die bayerischen Konservativen wollten mit ihrem vorweihnachtlichen Sommerloch-Vorschlag lediglich Wähler am rechten Rand gewinnen, getreu dem Motto des früheren bayerischen Monarchen Franz-Josef des I.: „Rechts von der CSU darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben. Die Alternative für Deutschland ist Bayern!“

Wie sehr sich die CSU um die Integration fremdsprachiger Mitbürger sorgt, zeigt schon ihr Logo: Das Wappentier hat einen Migrationshintergrund. Bild: Wikipedia

Wie sehr sich die CSU um die Integration fremdsprachiger Mitbürger sorgt, zeigt schon ihr Logo: Das Wappentier hat einen Migrationshintergrund. Bild: Wikipedia

Dass es hier weder um Ausländerfeindlichkeit noch um Rechtsränderfreundlichkeit geht, beweist nun ein erneuter Vorstoß der rhetorikredigierenden Regionalpolitiker: Laut Innenseitern (nördlich des Mains auch „Insider“ genannt) plant die CSU-CSU (Computer-Selbsthilfe-Untergruppe der Christlich-Sozialen Union) einen Leitantrag, der IT-Mitarbeiter verpflichten soll, „im Berufs- und Privatleben sowie insbesondere mit CSU-Abgeordneten ausschließlich deutsch zu sprechen“.

Denn die CDU-Schwesterpartei, bekannt als Hort gepflegter hochdeutscher Debattenkultur, müsse der Überfremdung im wichtigen Wirtschafts- und Sprachbereich IT mit Nachdruck entgegenwirken: „Es fängt ja schon mit diesem lästigen Anglizis… oder Amerikazis… also äh… Fremdwort ‚Ei-Tih’ an“, so der CSU-CSU-Vorsitzende Georg Hinterbank. „Was gibt’s denn bitte an dem guten alten deutschen Wort ‚Datentechnik’ auszusetzen? Himmiherrgottsacklzement nochamoi!“

An die Formulierung „Computer“ habe man sich ja inzwischen gewöhnt, so Hinterbank, aber „dieses dauernde Gerede wie Smartfon, Täblett, Tatsch-Skrien, Äpps und Seiberkreim“ sei weder einem deutschen noch einem bayerischen CSU-Mitglied zuzumuten: „Man kann doch auch Fensterrechner, Apfel oder Schlaufernsprecher sagen, wenn man diese Geräte meint, mit denen die jungen Leute ins Internetz gehen.“ Und auch für „Schittstorm“ gebe es sicher eine passende deutsche Übersetzung.

Aber nicht nur die Jugendsprache, auch die IT-Fachsprache sei überfremdet, so Hinterbank: „Da diskutieren unsere Computerfachleute doch glatt drüber, wer eine ‚Soluhschn ownt’. Geht’s noch!?“ Dabei gebe es doch zum Beispiel für „Compliance“ die „schöne deutsche Wendung ‚Einhaltung gesetzlicher und branchenspezifischer Vorschriften’“, so der CSU-Abgeordnete weiter, „des is fei scho viel verständlicher, und drum is es eigentlich auch kürzer. Jetz vom dings her.“

Angesichts heftiger Proteste seitens des Branchenverbands Bitkom und üppiger Schelte in den sozialen Medien unter dem Hashtag #FacepalmCSU ruderte die Hinterbank-Gruppe jedoch wenig später wieder zurück. IT-Fachleute sollen nun, so verkündete Parteichef Horst Seehofer den hastig ausgehandelten Kompromiss, „ruhig weiter ihr unverständliches Kauderwelsch sprechen, solange sie brav älteren Mitbürgern unter die Arme greifen, wenn die mal wieder nicht an ihre Ih-Mehls kommen.“

„Mei, der Hinterbank-Schorsch“, fügte Seehofer hinzu, als er die Kamera ausgeschaltet vermutete, „macht so an Aufstand, nur weil ihn unser Second-Level Support nicht gebrieft hat, dass er bei seinem Request for Change im Self-Service Interface von unserem Trouble Ticket Tool das Priority Level auf ‚urgent’ hätte raisen müssen. So ein Depp!“

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