Schlagwort-Archive: Gadgets

Trost und Rat von Dr. Wilhelm Greiner: Wie regle ich meinen digitalen Nachlass?

Eines Tages wird unsere Herzrate auf Null sinken, unsere Smartwatch wird dies auf Facebook posten, und einige unserer „Freunde“ werden es „liken“. Hier heißt es selbst für Ewigjunggebliebene mit Hipster-Bart, Zwölf-Zoll-MacBook und Longboard, rechtzeitig Vorsorge zu treffen.

Facebooks Apple-Watch-App möchte Zugriff auf unsere Herzfrequenz erhalten. Das musste ja so kommen.

Facebooks Apple-Watch-App möchte Zugriff auf unsere Herzfrequenz erhalten. Das musste ja so kommen.

Gadgets und Apps rücken uns immer näher auf den Pelz – genauer: auf das, was uns die Evolution mit ihrem skurrilen Sinn für Humor vom einstigen Primatenfell übrig gelassen hat. Waren die grün flimmernden Monitore unserer Altvorderen noch über lange kupferne Nabelschnüre mit wandschrankgroßen Apparaten im ferner Rechenzentrum verbunden, so daddelt heute schon jeder Dreijährige im Bettchen auf einem iPad mit Prozessorpower, um die der altvordere DV-Leiter ihn „zu seiner Zeit“ beneidet hätte. Die etwas älteren Kinder tragen dann ständig ein Smartphone in der Hosentasche mit sich (um dessen Rechenpower die Altvorderen… etc. pp.), und die noch etwas älteren Kinder pilgern MacBook-, iPhone- und iPad-bepackeselt zum nächsten Apple Store, damit eine Apple Watch (um deren Rechenpower… ach, egal!) sie handgelenks noch stärker an die Markenwelt ihrer Wahl fesseln kann.

Was aber, wenn unser Konsument eines Tages feststellt, dass für ihn die Apple Watch abgelaufen ist und er folglich aus dem Konsumentenleben scheiden muss? Wie macht er das? Gibt’s da eine App für?

Offenbar nicht. Noch nicht. (Achtung: Marktlücke!) Deshalb folgen hier präventiv und prophylaktisch ein paar Tips für alle erstmaligen Konsumentendasein-Beender:

  1. Regeln Sie Ihren Nachlass rechtzeitig in einem Testament – und veröffentlichen Sie dieses als Wiki. Denn dies dürfte dem auf Wikipedia als „Wiki Wars“ bekannten besserwisserischen und/oder eigennützigen Reeditieren ganz neue Dimensionen gierigen Änderungseifers verleihen – ein Spaß für die ganze Familie.
  2. Sobald das erste Herzstechen einsetzt oder der Raucherhusten gar nicht mehr abklingen will, holen Sie Ihre über Jahre angesammelten 23 Festplatten, 626 Disketten, 77 USB-Sticks und zwölf Speicherkarten vom Dachboden und laden Sie deren Inhalte in Ihren „Public“-Ordner auf Dropbox. So schaffen Sie eine bequeme Basis, um noch rechtzeitig vor Ihrem Ableben mit allen Betroffenen die Möglichkeiten einer datenschutzgerechten Entsorgung dieser Informationen zu diskutieren.
  3. Bitten Sie einen Vertrauten, im Moment Ihres Ablebens einen weisen Sinnspruch in Ihrem Twitter-Feed zu posten. Damit wenigstens Ihr letzter Tweet keine hämische Bemerkung oder noch ein Link zu noch einem albernen Katzenvideo war.
  4. Beauftragen Sie frühzeitig einen geeigneten Dienstleister damit, Ihre Facebook-Seite post mortem zu einer Online-Gedenkstätte umzugestalten. Zur Wahl stehen hier Optionen wie etwa ein letzter Eintrag „Komme gleich wieder“ (natürlich mit Zwinker-Emoji) oder das Ändern des Beziehungsstatus in „permanently complicated“.
  5. Vergraben Sie einen Zettel mit Ihrem Online-Banking-Passwort an schwer zugänglicher Stelle und hinterlegen Sie auf dem Desktop eine Datei namens „Für meine Erben“ mit einer Anleitung, wie „finales Finanz-Geocaching“ funktioniert. Eine solche GPS-gestützte Schnitzeljagd kommt immer gut an, und wenn Sie schon nur einen lächerlichen Betrag hinterlassen, dann soll das Erben doch wenigstens Spaß machen. Am Ende der Anleitung bitte die bewährte Grußformel nicht vergessen: „Möge der am wenigsten Beschränkte aus meiner Sippschaft gewinnen!“
  6. Erstellen Sie ausführliche Anweisungen, die Ihre Wünsche zu Trauerfeier, Bestattung und Grabstätte detailliert beschreiben. Nicht übersehen sollten Sie hierbei wesentliche Vorgaben wie zum Beispiel, dass die Inschrift auf Ihrem Grabstein im Stil des Vorspanns der Star-Wars-Filme zu gestalten ist, oder dass Sie – je nach Charakter – a) mit Ihrem Smartphone, b) Ihrer Spielekonsole oder c) Ihrem treuen Tamagotchi beerdigt werden möchten. Optimisten nehmen einen Selfie Stick mit in den Sarg und bestehen auf einer Grabstätte mit guter Mobilfunkabdeckung. Sich im Live-Action-Role-Playing-Outfit beisetzen zu lassen, sei es als Fantasy-Kriegerfürst oder viktorianischer Adliger, ist durchaus OK, eine Bestattung mit Google-Glass-Brille hingegen gilt als protzig.
  7. Vergessen Sie nicht, Ihre Beerdigung filmen und auf YouTube posten zu lassen. Denn wenn Sie die Tipps eins bis sechs konsequent befolgt haben, sind Sie am Tag Ihrer Beisetzung garantiert so unbeliebt, dass ein filmischer Nachweis Ihres Ablebens Sie posthum zum YouTube-Star macht. Zu diesem Zeitpunkt haben Sie natürlich nichts mehr davon, aber zu Lebzeiten haben Sie nun die Gewissheit, selbst in unserer schnelllebigen Social-Media-Ära einst etwas Bleibendes zu hinterlassen. Und das ist doch ein gutes Gefühl.

Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, denn dann diskutieren wir die Frage: iCoffin, der Apple-Sarg mit Bewegungsmelder, Notruf-App und iTunes-Streaming für die Wartezeit bis zur Exhumierung – Must-Have für den Silver Surfer oder doch nur Geldschneiderei?

 

Datenschutz ist das neue Schwarz

Auf der Mobilfunkmesse MWC hat Silent Circle die zweite Generation seiner auf Sicherheit ausgelegten Blackphones vorgestellt. Das ist schön. Denn die vielen bunten Smartphones haben mit freundlicher Unterstützung der NSA einen Bedarf an sicheren Alternativen geschaffen. Das ist traurig.

Die schöne neue mobile dauervernetzte Consumer-Welt ist knallbunt. Dank der stets erfolgreichen Apple-Marketing-Maschine sind auch weiß und gebürstetes Alu erlaubt. Schwarz hingegen steht für Apples Billig- oder Gar-nicht-mal-so-Billigkonkurrenz aus Fernost. Und seit letztem Jahr auch für ein Schweizer Smartphone für Datenglobalisierungskritiker.

Das Blackphone, vom Schweizer Verschlüsselungsspezialisten Silent Circle letztes Jahr auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona erstmals präsentiert, zielte anfangs auf den durch NSA-Bespitzelung und allgegenwärtiges Werbe-Tracking genervten Endanwender, in Fachkreisen „geistig verwirrter Einzeltäter“ genannt. Einschlägige Blogs kritisierten damals allerdings die verwendete Hardware als etwas zu schwachbrüstig, und obendrein fand man Lücken in der Sicherheitssoftware der schwarzen Schweizer. Dennoch, wen wundert’s, gab und gibt es Nachfrage nach Mobilgeräten eines Herstellers, der den Privatsphärebedarf seiner Kunden tatsächlich ernstnimmt und betont, weder dem Plattformanbieter noch Carriern oder App-Lieferanten das Absaugen personenbezogener Daten zu erlauben.

Zugunsten von mehr Sicherheit und Datenschutz nutzt Silent Circle einen extra zu diesem Zweck zurechtgestutzten Android-Ableger, „PrivatOS“ genannt, zudem eine Familie verschlüsselter Collaboration-Werkzeuge namens Silent Suite, die man nach und nach um im Hause zertifizierte Drittanbieter-Apps ergänzen will. Eine E-Mail-App hingegen ist nicht vorinstalliert. Ist sie überflüssig? Wir erinnern uns an jenes unsterbliche Wort des Security-Futurologen Norbert Blüm: „Die E-Mail ist sischä.“

150304_Blackphone

Die auf dem Blackphone vorinstallierte Silent Suite bietet verschlüsselte Telefonie, Video-Chats, Textnachrichten, Dateiübertragung und eine Kontaktliste, aber keine E-Mail-App. E-Mail ist ja auch sooo 1984. Bild: Silent Circle

Doch die Nachfrage nach einem abhörgeschützten Android-Phone kommt offenbar eher aus dem Unternehmens- als aus dem Consumer-Umfeld. Und so zielen die Schweizer mit ihrer neuen Gerätegeneration nun auf das Enterprise-Segment – also auf jenen Markt, den vor der Gottgesandtheit des iPhones die Mobilgeräte des kanadischen Herstellers RIM dominierten.

Die Generation Tatsch-Screen kennt es nur noch aus Legenden ihrer Altvorderen: In grauer Vorzeit, so geht die Mär, als noch Hobbits und Säbelzahntiger die Wälder durchstreiften, von Fachleuten „iPleistozän“ genannt, gab es schon einmal ein relativ sicheres Smartphone. Man nannte es Blackberry, so wie sein Hersteller heute heißt. Damals aber hieß dieser „Research in Motion“, war doch seine Klientel, der Außendienst-Ötzi und dessen Horde, ständig in Bewegung, immer auf dem Sprung, Säbelzahntiger mit einem gezielten Smartphone-Wurf zu erlegen.

Das Jagdrevier des ins Abseits geratenen Ötzi-Ausrüsters Blackberry will das Blackphone nun also besetzen. Oder, in den unsterblichen Worten des EU-Pleistozän-Kommissars Günter Ötzinger: „Blägg iss se njuh blägg.“

Es wäre ja vielleicht gar nicht so schlecht, wenn sich neben den dominierenden Smartphone-Giganten tatsächlich eine sichere europäische Alternative etablieren könnte. Unternehmen wie auch Einzeltäter würde es freuen. Und die NSA sicher auch. Denn dann weiß sie gleich, welche Benutzer abzuhören sich lohnt. Gibt es für das Blackphone eigentlich schon eine Schutzhülle mit einer Zielscheibe drauf?

CES 2015: Wenn Smart Devices wirklich „smart“ wären

Immer zum Jahresanfang überschwemmt die Computerindustrie auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Markt mit neuen „smarten“ Gadgets. Wenn diese allerdings wirklich smart wären, würden sie sich ganz anders verhalten.

Smartphones zum Beispiel sind nützlich, ja, aber alles andere als „smart“. Es handelt sich schlicht um Hosentaschencomputer, mit denen man viele Dinge unterwegs und damit zügiger, aber allzu oft umständlicher – statt intelligenter – erledigen kann als mit dem guten alten Desktop-Rechner zu Hause oder im Büro.

Wären Smartphones wirklich intelligent, würden sie alles abblocken, was uns nicht tatsächlich interessiert – Spam-Mails ebenso wie Werbebanner, Troll-Kommentare und Anrufe von Call-Centern oder Schwiegermüttern. Sie würden merken, wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist, und automatisch schon mal die für die Flugdauer und ein paar Warteschleifen erforderlichen Videos und Podcasts laden – natürlich keine albernen Katzenfilmchen, sondern nur verpasste „Last Week Tonight“-Shows mit John Oliver oder die neueste Folge von „The Good Wife“. Sie würden „Hallo, hier bin ich!“ rufen, wenn man sie mal wieder verzweifelt sucht, und „Häng mich an die Steckdose!“, wenn der mickrige Restbalken der Batterieanzeige im tiefroten Bereich versumpft.

Wie aber sieht es wirklich aus? Man kann auf der Rolltreppe E-Mails beantworten, indem man mit den Daumen auf einem Mini-Display herumdrückt, und sich dabei über schlecht zugängliche Sonderzeichen ärgern. Und natürlich WhatsApp-Meldungen verfassen: „Bin gerade auf der Rolltreppe“ oder „Laufe gerade ohne zu gucken in der Gegend rum.“ Smart ist so ein Smartphone nur im Vergleich zu dem Laternenpfosten, gegen den der dauerdaddelnde Dumm-User früher oder später knallt.

Groß in Mode auf der CES, wie auch schon letztes Jahr: sogenannte „Smart TVs“. Dabei ist „Smart TV“ ein Widerspruch in sich. Wäre ein Fernsehgerät wirklich smart, würde es vor Scham rot anlaufen und sich selbst abschalten. Nicht nur wegen des Niveaus der meisten deutschen TV-Produktionen, sondern auch, weil es erkannt hat, dass es zu absolut nichts gut ist, was ein Notebook oder Tablet nicht auch kann.

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.  Bild: Samsung

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.
Bild: Samsung

In der Automobilindustrie wiederum klopft man sich heute gern gegenseitig auf die Schulter, weil man es geschafft hat, „Smart Cars“ herzustellen. Gemeint sind damit nicht Daimlers kugelförmige Kleinstwägen gleichen Namens, sondern Autos mit Bordcomputer (gibt’s schon lange) sowie – Trommelwirbel! Tusch! Ta-dah! – eingebautem Touchscreen.

Es ist ja nett, dass moderne Autos merken, wenn etwas nicht stimmt, und Warnhinweise ausgeben. Aber Touchscreens im Armaturenbrett braucht kein Mensch – da hätte eine solide Halterung mit Schnappverschluss für’s iPhone oder iPad genügt, vielen Dank.

Ein wirklich smartes Auto würde dem Fahrer bei Innenstadtfahrten raten: „Nimm besser die U-Bahn. Da bist du zehn Minuten schneller am Ziel, schonst Nerven wie auch Umwelt und musst nicht erst noch zur Parkplatzsuche 28-mal um den Block fahren. In München-Schwabing gibt’s nämlich keine Parkplätze. Eher geht ein Kamel wie du durch ein Nadelöhr, als dass es in Schwabing eine Parklücke findet, kapiert?! Und jetzt zieh’ Leine, damit ich mit den anderen Autos hier im Parkhaus weiter in Ruhe ‚World of Carcraft’ spielen kann!“

Und nun will uns die Gadget-Industrie auch noch „smarte“ Gerätchen für die optimierte Fitness aufschwatzen: Bunte Armbändchen messen Körperfunktionen und reichen die Messwerte an das ach so smarte Phone weiter. Diese Werte sollen uns dann ein schlechtes Gewissen bereiten, auf dass wir mehr Sport treiben mögen.

Nützlicher allerdings als eine Pulsmessung oder eine Chronik zurückgelegter Marschkilometer wäre ein Armband, das dem Benutzer jedesmal einen Stromschlag verpasst, wenn er den Fuß in einen McDonald’s, Burger King oder eine andere Junkfood-Bude setzt – und zwar keinen müden 1,5-Volt-Schlag, sondern einen, bei dem sich der Armbandträger hinterher fragt: „Hatte ich eigentlich schon immer eine Frisur wie Jimi Hendrix?“

Solche Geräte würden das Attribut „smart“ wirklich verdienen. Alles andere ist dummer Elektroschrott. Das wäre halb so tragisch, wenn wenigstens ein effizientes Recycling der Dumbtech-Einwegware schon erfunden wäre.

Dies führt uns zu unserer heutigen Quizfrage: Gibt es ein smartes Recycling von „smarten“ Gadgets?

[ ] Ja
[ ] Nein
[ ] Weiß nicht
[ ] Wie war nochmal die Frage?

Die richtige Antwort schreiben Sie bitte auf eine Postkarte und tapezieren damit das Display Ihres Smartphones.

Drucker, die die Zukunft drucken

3D-Drucker bringen hauchdünne Schichten von Kunststoff und weiteren Materialien computergesteuert so präzise übereinander auf, dass nach Bedarf selbst komplexe dreidimensionale Gebilde entstehen – von Star-Wars-Figuren bis hin zu Prothesen oder Schusswaffen, je nach Präferenz. Ein 3D-Blick in unsere 3D-Zukunft.

3D-Drucker - im Bild ein Gerät von Stratasys - können dreidimensionale Objekte aus verschiedenen Materialien nach Bedarf herstellen, zum Beispiel Fahrradhelme, was alle praktisch finden, oder Handfeuerwaffen, was nur einige praktisch finden. Bild: Stratasys

3D-Drucker – im Bild ein Gerät von Stratasys – können dreidimensionale Objekte aus verschiedenen Materialien nach Bedarf herstellen, zum Beispiel Fahrradhelme, was alle praktisch finden, oder Handfeuerwaffen, was nur einige praktisch finden. Bild: Stratasys

Januar 2016: 3D-Druck ist inzwischen so verbreitet, dass die Endanwender einen Großteil ihrer im Alltag benötigten Utensilien nach Bedarf selbst ausdrucken. Am beliebtesten sind bei den Verbrauchern preiswerte, einfache Objekte aus Plastik wie etwa Kinderspielzeug, Modeschmuck oder Scheibenkäse.

1. März 2016: Mehrere Hersteller präsentieren praktisch zeitgleich eine neue Generation von 3D-Druckern, die beliebige Ausgangsstoffe verarbeiten kann: Kunststoffe und Metalle ebenso wie organische Materialien. Das Interesse ist zunächst lau, da die ersten Geräte extrem teuer sind. Der Microsoft-Chef spottet: „So etwas braucht doch kein Mensch!“

2. März 2016: Das erste 3D-Druck-Selfie.

3. März 2016: Das erste 3D-Druck-Selfie eines Benutzers, wie er gerade ein 3D-Druck-Selfie ausdruckt.

17. März 2016: Über Schwarzmarktseiten gelangen Baupläne für „Viagra zum Selberausdrucken“ ins Netz. Der Absatz an 3D-Druckern steigt dramatisch an.

30. März 2016: Medien berichten, dass man in China bereits seit 2014 ganze Industrie-Geisterstädte aus dem Boden gestampft hat, in deren riesigen leeren Industriehallen 3D-Drucker im Akkord 3D-Drucker herstellen. Der Weltmarkt wird überschwemmt mit billigen chinesischen Geräten. Gleichzeitig häufen sich in China Aufstände der nun arbeitslosen Fabrikarbeiter, doch die chinesische Führung verkündet, man habe die Aufstände unter Kontrolle, und außerdem gebe es gar keine Aufstände.

April 2016: Eine neue Modewelle schwappt durch das Netz: täuschend echte dreidimensionale Katzen in witzigen Posen, sogenannte „3D-LOLcats“.

Mai 2016: In einer Forsa-Umfrage bezeichnen 78 Prozent der Deutschen den 3D-Drucker als „die beste Erfindung seit Toastbrot“, fügen jedoch hinzu: „Damit meine ich aber das Original-Toastbrot. Das 3D-gedruckte schmeckt irgendwie fad.“

Juni 2016: Mehrere führende asiatische Gadget-Hersteller präsentieren praktisch zeitgleich sogenannte „SmartGloves“, also Smartphone-Handschuhe, die man sich per 3D-Druck individuell um die eigene Hand herumdruckt. Die ganze Hand wird damit zum Handy, was zumindest jüngere Benutzer wahnsinnig praktisch finden.

August 2016: Apple kontert die SmartGlove-Welle mit dem von Insidern lange erwarteten iTooth, einem Mini-Smartphone in der Form eines 3D-gedruckten Zahnimplantats. Wie üblich bilden sich bereits am Vortag lange Schlangen vor den Apple-Stores, erstmals aber am Folgetag ebenso lange Schlangen vor den Zahnarztpraxen.

September 2016: US-Präsident Obama verkündet, man werde 3D-Drucker mit Bauplänen für Sturmgewehre und Panzerfäuste an die ISIS im Irak liefern, um diese im Kampf gegen die noch radikalere IWO (Islamistische Weltordnung) zu unterstützen.

Oktober 2016: Die Bundesregierung kündigt an, man werde dringend benötigte 3D-gedruckte medizinische Gerätschaft in die umkämpften Gebiete im Nahen Osten schicken, sobald der bundeswehreigene 3D-Drucker die dringend benötigten Ersatzteile für die Bundeswehr-Transportflugzeuge fertiggedruckt habe. Allerdings sei dieser Drucker gerade defekt, man warte derzeit auf dringend benötigte Ersatzteile.

8. November 2016: Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida und Bruder von George W. Bush, wird neuer US-Präsident – trotz zahlreicher Indizien, dass die Republicans in Florida massiv Pro-Bush-Wahlzettel 3D-gedruckt haben. Die konkurrierenden Democrats fechten die Wahl aber nicht an, nachdem Reporter in der Democrat-Wahlzentrale in Ohio auffällig viele 3D-Drucker aufgespürt haben. Das Vertrauen der US-Wähler in die Demokratie fällt auf ein Allzeit-Tief. Die meisten Amerikaner bekommen diesen Skandal allerdings gar nicht mit, da sie immer noch vor ihrer Zahnarztpraxis Schlange stehen.

25. November 2016: Am sogenannten „Black Friday“ stellen Aktivisten der finanzindustriekritischen Hackergruppe „3D-Leet“ in einer konzertierten Aktion weltweit Blaupausen für Geldscheine in 17 Währungen ins Netz, sodass jedermann naturidentische Geldscheine preiswert selbst herstellen kann. Das globale Wirtschaftssystem bricht zusammen. Die Finanzindustrie zeigt sich davon aber unbeeindruckt, da ihre Transaktionen schon längst nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun haben.

31. Dezember 2016: Nach dem Kurzschluss eines defekten 3D-Druckers beginnt eine 3D-LOLcat plötzlich, sich selbsttätig zu bewegen. Sie tapst – was im Video des Benutzers unheimlich putzig aussieht – zunächst im Zimmer herum, geht dann aber zurück zum 3D-Drucker und druckt eine Reihe weiterer LOLcats aus. Erstaunlicherweise bewegen diese sich ebenfalls von selbst. Eine der Katzen schaut in die Kamera und scheint zu grinsen. Sie springt auf die Kamera zu und fährt messerscharfe 3D-Edelstahlkrallen aus. Das Kamerabild wackelt. Man hört einen Schrei. Das Bild wird schwarz.

Bono-Bonus: Affentheater um das iPhone 6

Apple kündigte an, sein neues iPhone 6 mit dem vorinstallierten Album „Songs of Innocence“ der Pop-Band U2 auszuliefern. Dies kam bei vielen Apple-Jüngern gar nicht gut an. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Eine Chronologie.

+++ EIL +++ Auftritt der Band U2 rund um Frontmann Bono beim Apple-Event zum Launch des iPhone 6, iPhone 6 Plus und der Apple Watch. Erstmals verlassen einige Journalisten und Blogger genervt die Veranstaltung mit dem Kommentar: „Bono? Im Ernst? Dann berichten wir eben über was anderes.“

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor einem angeblichen Jailbreak, der das U2-Album aus iTunes löscht.

+++ EIL +++ Apple richtet eine Support-Seite ein, über die Apple-Käufer das Album aus ihren iTunes entfernen können.

Apples U2-Löschseite

Apples U2-Löschseite

+++ EIL +++ Apple-Chef Tim Cook gesteht bei der Talk-Show „Charlie Rose“ ein, dass der Werbegag mit U2 ein Fehler war. Man habe aber nur die Interessen der Benutzer im Sinn und werde deshalb die Daten derjenigen, die das Album löschen, nicht an die NSA weitergeben.

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor einem angeblichen Jailbreak, der das U2-Album nicht nur aus iTunes, sondern auch aus der Download-Historie löscht.

+++ EIL +++ Microsoft produziert ein lustiges Video, das Apples Werbefilme parodiert und klarstellt, dass auf Smartphones mit Windows Phone kein U2-Album vorinstalliert ist. Das Video erhält auf Facebook zahlreiche Likes von Microsoft-Mitarbeitern.

+++ EIL +++ Die Comedy-Truppe Y-Titty erstellt ein geniales U2-Verarschungsvideo. Da dieses aber Musik von U2 enthält, ist es in deinem Land leider nicht verfügbar.

+++ EIL +++ Das Analystenhaus Canalys prophezeit, die Apple Watch werde den Smartwatch-Markt „aufrollen“. Hauptgrund sei, dass auf Apples neuer Smartwatch kein U2-Album vorinstalliert sei.

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor billigen Apple-Watch-Raubkopien aus China. Diese weisen laut F-Secure zwar keine Malware auf, jedoch als Weckmelodie „Sunday, Bloody Sunday“.

+++ EIL +++ Die NATO erwägt, iPhone-6-Geräte über dem Osten der Ukraine abzuwerfen, um die dortigen Separatisten zu demotivieren. Die UNO bezeichnet die Pläne umgehend als „überzogen und unmenschlich“.

+++ EIL +++ Russlands Präsident Putin droht, man werde nun selbst Smartphones produzieren und dort U2-Coverversionen russischer Underground-Death-Metal-Bands vorinstallieren. Die Ukraine gibt daraufhin klein bei und räumt den von Russland unterstützten Separatisten im Osten des Landes weitgehende Autonomie ein.

+++ EIL +++ Das iPhone 6 erscheint, das U2-Album wird damit automatisch auf Platz 1 der Album-Charts katapultiert. Die Schlangen vor den Apple Stores sind aber diesmal deutlich kürzer als erwartet. Menschen in Elvis-Costello-T-Shirts verteilen Werbeflyer für Samsungs Android-Phones.

+++ EIL +++ Sicherheitsfachleute warnen vor einem dramatischen Bug im Android-Browser, der Angreifern weitgehende Zugriffsmöglichkeiten eröffnet und 75 Prozent aller Android-Smartphones betrifft.

+++ EIL +++ Der Marktanteil von Android wächst weiter rasant.

+++ EIL +++ Apple-Chef Tim Cook erleidet in der Talk Show „Charlie Rose“ einen Zusammenbruch und schluchzt: „Das habe ich nicht gewollt!“

+++ EIL +++ Ein Praxistest der Firma Blendtec im Rahmen ihrer beliebten Testserie „Will it blend?“ ergibt: Das iPhone 6 lässt sich ohne das U2-Album sogar deutlich besser im Mixer verarbeiten.

+++ EIL +++ Putin verkündet im russischen Fernsehen: „Niemand hat vor, eine Smartphone-Fabrik zu errichten.“

+++ EIL +++ Nach der Einrichtung der U2-Löschseite – der weltweit ersten Webseite, die speziell dem Löschen von Musik einer bestimmten Band dient – werden auf Twitter Stimmen laut, solche Seiten für weitere Musiker einzurichten, etwa Adele oder Justin Bieber. Apple hat damit erneut die Musikindustrie revolutioniert.

Opas Messe-Monolog: „Damals gab’s was, das nannte sich CeBIT…“

„Also, Kinners, jetzt hört dem Opa mal zu, der will euch nämlich was erzählen. Von früher. … Ja, ich weiß: ‚Immer von früher!’ Aber von wann auch sonst? Von der Zukunft etwa? Hehe! Also hört mal kurz auf zu daddeln, ja? … Danke. …

Opa erzählt immer von der CeBIT. Bild: Wolfgang Traub

Opa erzählt immer von der CeBIT. Bild: Wolfgang Traub

Also, ihr wisst doch, da, wo jetzt dieser große, große Offshore-Windpark steht, ja? Da war früher eine Stadt, die hieß Hannover. Und da gab’s jeden Winter eine große, große Computermesse, die nannte sich CeBIT. … Nein, Zucky, CeBIT, nicht Zeh-Bit… ja, sehr witzig, hähä! Nein, kein ‚smartes Hühnerauge’. Das war eine Messe. … Wie? Ja, also, Messe, hm, wie erklär’ ich das jetzt? Also, früher, vor’m Krieg, also vor’m Ersten Krimkrieg, da gab’s ja noch keine HoloScrums, sondern da haben sich die Leute noch so richtig persönlich getroffen, wenn sie sich über Neuheiten… doch, doch, Facebook und Twitter gab’s schon, und etwas namens SMS auch schon, beziehungsweise noch, aber trotzdem sind sie persönlich… Nein, mit dem Auto – ihr wisst schon, Auto, hab ich euch auch schon mal von erzählt – oder mit der Bahn oder dem Flugzeug, die waren damals aber noch nicht so iZeppelin- oder Google-Baloon-förmig, sondern eher so zigarrenförmig mit Flügeln dran… Zigarre? Das ist… also, äh… ach, egal! Auf jeden Fall trafen sich viele, viele Leute auf der CeBIT – Mensch, Zucky, jetzt hör doch mit dem blöden Kichern auf! – und da haben sie sich dann informiert über die neuesten Computersachen. … Hm?… Doch, klar, Sergej, Internet gab’s natürlich schon…. Was? … Wie in’s Internet gegangen? Na, mit Smartphones halt, oder mit Tablets, so kleinen Brettchen, die man streicheln konnte, und dann… Nein, nicht implantiert, die trug man immer mit sich rum…. Ja, unpraktisch, ich weiß, aber… also, die Menschen damals hatten ja noch nicht wie ihr Kinners heute diese iPiercings und SmartBrows oder wie dieser ganze neumodische Online-In-Memory-Datenbank-Kram in der Augenbraue auch heißt, da musste man noch… Na, auf jeden Fall: CeBIT! Also, da war immer ein Riesengedränge und immer total scheußliches Wetter und es war laut und… nein, Sergej, nicht Hurricanes, mehr so Schmuddelwetter, also praktisch der Zustand deines Kinderzimmers, nur halt als Wetterlage, hehe! Und auf der CeBIT hat man dann… ach, Zucky, du daddelst ja schon wieder! Könnt ihr euch denn nicht mal zwei Minuten…? Nein. Offenbar nicht. Ach, ich geh jetzt wieder in mein iSeniorPod und schau RetroTube. Gut’ Nacht!“

Gadgets, die es auf dem MWC gibt – oder geben sollte

Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona präsentiert die Mobilfunk- und Mobilgeräte-Industrie auch dieses Jahr wieder das Neueste vom Neuen und das Mobilste vom Mobilen. Die Gerätchen werden immer ausgefeilter – und dennoch gibt es noch viel Optimierungspotenzial.

Der MWC ist der Szenetreff der Mobilfunkbranche und damit für einige Tage der Ort, auf den sich die Augen aller Gadget-Verliebten richten. Für Vertreter der Generation „too long, didn’t read“ hier das Wichtigste in Kürze:

1. Quadcore ist out, Octocore ist in. Dualcore ist retro, Singlecore ist Hardcore.
2. Smartwatches werden immer smarter, allerdings nicht watcher.
3. Huawei kündigt das größte Smartphone der Welt an, außerdem das kleinste Tablet der Welt; später stellt sich heraus, dass es sich um das gleiche Gerät handelt.
4. Android-Größe Samsung stellt eine Smartwatch mit seinem hauseigenen OS Tizen vor, die von Microsoft übernommene Nokia ein Smartphone mit Googles Android; man munkelt, dass Apple heimlich an einem iPhone mit Firefox OS arbeitet (schon damit SSL künftig reibungslos funktioniert).

Nokia MWC 2014 App

Man braucht ein Smartphone, um sich im Smartphone-Durcheinander auf dem MWC 2014 zurechtzufinden. Bild: Nokia

Insgesamt werden die Kleinstcomputerchen nicht nur immer leistungskräftiger, sondern auch immer vielfältiger: für jeden denkbaren Anwender das passende Gadget. Deshalb präsentieren wir hiermit für die zielgruppengerechte Zielgruppenansprache zwölf spezielle Spezialgadgets, die auf dem MWC zu bewundern sein werden (… OK, vielleicht auch erst auf dem nächsten):

1. Für Weintrinker: Google Rotweinglass – erkennt die Weinsorte und blendet am Glasrand ein Urteil ein („Shiraz-Traube, 1998er-Jahrgang, Südhanglage, vollmundig, aber etwas holzig im Abgang“)
2. Für Chemiker: Google Reagenzglass („Uh-oh! Sie haben jetzt nocht acht Sekunden, das Labor zu verlassen! Sieben, sechs, fünf…“)
3. Für Detektive: Google Vergrößerungsglass („Die Staubschicht auf dem Abschiedbrief verrrät, dass er vor höchstens drei Tagen geschrieben wurde. Der angebliche Selbstmord war aber schon vor sieben Tagen. Verdächtig, oder?“)
4. Für Leute mit Minderwertigkeitskomplex: eine nicht ganz so smarte Smartwatch („Ha, das hätt’ ich selber aber auch gewusst!“)
5. Für Abenteuerlustige: ein Android-Phone ohne Google Maps
6. Für Faule: ein Fitness-Armband, das man auch als TV-Fernbedienung nutzen kann
7. Für Hipster: eine smarte Schlumpfmütze mit der Aufschrift „Meine Oma hat auch ein Fitness-Armband“
8. Für Hundeliebhaber: ein Tablet, das kommt, wenn man es ruft
9. Für Katzenliebhaber: ein Tablet, das haart und auf den Teppich kotzt
10. Für Eskimos, die bei der NSA arbeiten: ein Smartphone mit Übersetzungs-App, die 25 verschiedene Wörter für „Snowden“ kennt
11. Für Microsoft-Mitarbeiter: Smartphones mit Windows Phone
12. Für Cyberkriminelle: Sicherheitslücken in allen genannten Gadgets. Und in allen nicht genannten. („Wenn’s diese Smart-Gadget-Welle nicht gäbe, wir müssten sie erfinden! Schampus!“)

IT-Sicherheit im Wearable-Zeitalter – ein Drama in einem Akt

Der Flur eines Bürogebäudes, die Wanduhr zeigt 8:00 Uhr morgens. Kunstlicht, im Hintergrund eine Eingangstür zum Bereich „Forschung und Entwicklung“, daneben eine Wand von Schließfächern; davor ein Türsteher mit Bodybuilder-Figur, Metallica-T-Shirt, verschränkten Armen und „Alter, mit diesen Schuhen kommst du hier nicht rein“-Blick. Der Geschäftsmann K. tritt mit Aktentasche von rechts auf und hält neben dem Türsteher an.

Türsteher: Guten Morgen, der Herr! Na, dann wollen wir mal Notebook, Smartphone und Tablet hier im Schließfach deponieren, nich wa?! Weil nämlich Vorschrift, nich wa: nix, was eine CPU oder’n Chip oder sowas drinne hat, kommt hier rein, aber auch gar nix! Klaro?!

[K. legt sorgsam Notebook, Smartphone und Tablet in ein Schließfach.]

Türsteher: Brav. Und die Armbanduhr da? Sicher so ’ne Smartwatch mit Bluetooth, oder?

[K. blickt den Türsteher ernst an, nimmt dann die Uhr ab und legt sie ins Schließfach.]

Türsteher: Und? Hamwa auch nix vergessen? Wie wär’s denn zum Beispiel mit diesem Google Glass da auf Ihrer Nase?

[K. zögert kurz, legt dann aber auch noch sein Google Glass ins Schließfach.]

Türsteher: Ach, und dieses Armband da, das ist doch sicher so’n Wearable-Dings mit Computer-Messung vom Puls und was weiß ich noch alles, hm?

[K. streift mit einem Seufzer auch noch sein Wearable ab und legt es weg.]

Türsteher: BEIDE!

[K. rupft sich ein zweites Wearable vom anderen Handgelenk und wirft es ins Schließfach dem ersten hinterher.]

Früher war mehr Privatheit.

Früher war mehr Privatheit.
Bild: Wolfgang Traub

Türsteher: Na, geht doch! Äh, tja, und sonst? Irgendwelche smarten Klamotten oder sowas?

[K., bislang in Anzug und Krawatte, zieht ein Kleidungsstück nach dem anderen aus und stopft es mit zunehmendem Nachdruck in das allmählich überquellende Schließfach, bis er nur noch in der Unterhose dasteht. Dann zögert er erneut.]

Türsteher: Hey, is’ ja gut, Mann! Sie werden ja hoffentlich nicht auch noch’n RFID-Chip in der Unterwäsche haben, oder? … Ich mein’, ihr Forscher und Entwickler seid ja sicher sehr technikbegeistert, aber…! … Nee, jetzt nicht ernsthaft, ne?

[K. zieht seine Unterhose aus und legt sie ins Schließfach.]

Türsteher: OK, Leute, das war’s. Ich kündige. Da sind mir ja die Bekloppten im Technoschuppen noch lieber! [Stampft entnervt von der Bühne.]

[K. bleibt nackt und allein zurück. Er nimmt ein Stück Kreide aus seinem Schließfach und macht einen kurzen senkrechten Strich auf die Innenseite der Schließfachtür. Der Strich ist in einer Kreide-Strichliste die Nummer 22. Nun legt K. die Kreide zurück, schließt das Schließfach und geht – nackt und mit leerer Aktentasche – durch die Tür „Forschung und Entwicklung“ ab.]

K. [im Abgehen, kopfschüttelnd]: Jeden Morgen das gleiche Theater…

CES 2014: Die Körpermesser kommen!

Las Vegas ist auch dieses Jahr dank der Consumer Electronics Show, kurz CES, wieder das Mekka aller Gadget-Gläubigen. Natürlich gibt es viele schöne bunte Neuerungen aus dem Bereich der Smartphones und Tablets – aber als Handy oder Schneidebrettchen getarnte Kleinstcomputer sind ja soooo 2012. Nachdem 2013 vorübergehend alle glaubten, sich ein Computer-Monokel per Brillengestell ins Gesicht schrauben zu müssen, wird 2014 offensichtlich das Jahr der Körperfunktionsmessungs-Accessoires.

Zwar macht der Begriff „Quantified Self“ – die Gadget-basierte Dauermessung körpereigener Parameter mit dem Ziel der Fitness- oder Verhaltensoptimierung – bereits seit 2007 die Runde. Und auch entsprechende Gadgets wie computerisierte Armbändchen, die den Pulsschlag etc. messen, gibt es schon seit geraumer Zeit. Bei der aktuellen Berichterstattung vom Planeten Las Vegas erhält man allerdings den Eindruck, dass die Self-Quantifiziererei in Form so genannter „Wearables“ nun endgültig im Massenmarkt angekommen ist.

So hat zum Beispiel Netatmo „smarten“ Schmuck vorgestellt, der die UV-Strahlung misst, der man ausgesetzt ist, und diese an das bekanntlich ebenfalls smarte Phone meldet. Die smarte Zahnbürste Kolibree petzt dem smarten Smartphone per Bluetooth, wie gründlich man die Zähne geputzt hat. Und Sony hat ein sicherlich nicht minder smartes „SmartBand“ präsentiert, das Daten für ein „LifeLog“ erzeugt, getreu dem Motto: „Es gibt nur eins, was besser ist, als viele Daten über sich selbst zu haben: noch mehr Daten über sich selbst zu haben.“

Das Sony SmartBand - für alle, die sich noch nicht überwacht genug fühlen. Bild: Sony

Das Sony SmartBand – für alle, die sich noch nicht überwacht genug fühlen.
Bild: Sony

Unbestreitbar können solche kleinen Helferlein einen Nutzen bringen: Ein Alarm vom Smartphone ist besser als ein Sonnenbrand (OK, OK, je nach verwendetem Signalton mag mitunter der Sonnenbrand zu bevorzugen sein), und ein automatischer Notruf beim ambulanten Pflegedienst ist besser, als wenn die alleinstehende Oma (hier bitte Horrorszenario nach Wahl einfügen).

Sorgen machen muss man sich allerdings um die armen Mitarbeiter der NSA: Diese müssen nicht nur unseren E-Mail-Verkehr, unsere Web-Browsing-Historie sowie unser Treiben auf Facebook, Twitter und Co. überwachen, sondern bekanntlich auch unsere Suchanfragen, Kontobewegungen, Reiseaktivitäten, Windows-Updates und das Online-Gaming-Verhalten in World of Warcraft (doch, echt, World of Warcraft, kein Witz!).

Und nun sollen sie auch noch unseren gesamten Körpermessdaten auswerten? Das ist zuviel! Das ist nicht zu schaffen! Das ist doch, ich meine…, diese Datenflut, diese Möglichkeiten, der Wahnsinn, das ist doch, also ich…

+++ BLOOD PRESSURE ALERT +++ ACTIVITY TERMINATED +++ BLOOD PRESSURE ALERT +++

* Sponsoring-Hinweis*
Dieser Beitrag wurde Ihnen präsentiert von iTemperature, der einzigen App, mit der Sie Ihr iPhone auch als Fieberthermometer verwenden können. Für die orale und die rektale Anwendung. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apple-Theker.

Prognose: Warum 2014 für die IT das absolute Hammer-Jahr wird

Seit Mitte November häufen sich, wie jedes Jahr, die Presseverlautbarungen von IT-Anbietern, in denen diese die Trends für das kommende Jahr prognostizieren. Es mag Zufall sein, und der Mitteiler dieser Zeilen mag sich täuschen, aber es ist offenbar auch dieses Jahr wieder so, dass ausgerechnet dasjenige Marktsegment, in dem sich der jeweilige Anbieter bewegt, nächstes Jahr stark an Bedeutung gewinnen wird. Und außerdem wichtig sind natürlich immer die Wolke, neudeutsch „Cloud“ genannt, Mobility, Big Data und die sozialen Netzwerke.

Der Mitteiler dieser Zeilen hingegen bevorzugt den Himmel wolkenlos, zieht ein gemütliches Beisammensein unnötiger Mobilität vor, liebt seine Datenbestände nicht „Big“, sondern in überschaubarer Dimensionierung und vernetzt sich am liebsten offline, ergo mittels offenbar asozialer Netzwerke. Es folgt daher geradezu zwangsläufig ein ebenso unvoreingenommener wie ausgewogener Blick auf das bunte IT-gestützte Treiben des kommenden Jahres:

1. Die traditionelle Nr. 1 der Helpdesk-Anrufe – „Hilfe, ich habe mein Passwort vergessen!“ – wird abgelöst durch die neue Nr. 1 auf dem Notrufmarkt: „Hilfe, mein Smartphone ist ins Klo gefallen!“ Innovative Helpdesk-Leiter reagieren sofort und erweitern die etablierten Support-Levels 1, 2 und 3 um das Level 00.

2. Mittels aufwendiger Big-Data-Analyse findet IBM heraus, dass der Klimawandel längst nicht mehr zu stoppen ist. Die Regierung der Niederlande befiehlt daraufhin die Umstellung vom Tulpenanbau auf Reisfelder, während die Hotelkette Hilton in Kassel das Hotel „Meerblick“ eröffnet. Erste Besucher erfreuen sich am spektakulären Anblick des Zusammenflusses von Nord- und Ostsee vor ihren Hotelfenstern, doch die Freude wird etwas getrübt, als sich herausstellt, dass dieses Naturschauspiel nicht nur im hoteleigenen Gartenteich stattfindet, sondern auch in der hoteleigenen Tiefgarage.

3. Im Nachfeld des NSA-Überwachungs-Skandals macht sich selbst unter unbedarften Anwendern in den Unternehmen die Erkenntnis breit, dass der Schutz firmeninterner Informationen ein sehr hohes Gut ist. Auf Drängen der Security-Verantwortlichen greifen die Endanwender deshalb zu radikalen Maßnahmen, wie zum Beispiel, den Post-it-Zettel mit dem Login-Passwort nicht mehr an den Display-Rand zu kleben, sondern gut versteckt auf das Mauspad.

4. Nachdem der koreanische Eletronikriese LG schon 2013 dadurch aufgefallen war, dass seine internetfähigen Fernseher oder „Smart TVs“ jeden Filmkonsum und jeden Mausklick des Zuschauers direkt an die Firmenzentrale in Korea melden, geht die nächste Generation der Smart TVs noch einen entscheidenden Schritt weiter, und zwar dank integrierter Kameras und Mikrofone. Diese kann der Benutzer zwar deaktivieren, aber natürlich läuft die Überwachung im Hintergrund heimlich weiter. Holt der Fernsehzuschauer sich ein Bier, begrüßt ihn prompt Werbung der konkurrierenden Biermarke, nach der Pinkelpause folgt der freundliche Hinweis auf ein Pharmaprodukt gegen Blasenschwäche (gefolgt vom Rat, dazu seinen Arzt oder Apotheker zu konsultieren), und sobald die Augenlider des Fernseh-Konsumenten zu weniger als 80 Prozent geöffnet sind, erscheint Reklame für Genießer-Kaffee. Zuschauer, die nun immer noch keinen Verdacht schöpfen, sehen künftig Werbespots wie zum Beispiel: „Smart-TV-Käufer-Wochen bei McDonalds! Jetzt zwei Hamburger zum Preis von drei!“

5. Eine Delegation der NSA reist zu LG nach Südkorea, um sich mal erklären zu lassen, wie man das mit der Totalüberwachung wirklich professionell angeht.

6. Die berufliche Nutzung privater Smartphones, Tablets und Notebooks – Bring Your Own Device oder BYOD genannt – ist bald so alltäglich, dass die Arbeitgeber sich damit abfinden und das Mitbringen privater Endgeräte nicht nur erlauben, sondern sogar aktiv einfordern. Die Gadget-Freaks sind begeistert, doch andere Mitarbeiter reagieren empört. Bei einer Betriebsratssitzung von SAP fällt der Satz: „Bald muss man wohl auch noch seinen eigenen Feuerlöscher mitbringen!“ Prompt folgt unter dem Kürzel „BYOF“ eine landesweite Debatte um potenzielle Produktivitätsgewinne durch die Privatisierung der Brandbekämpfungmittel.

Endanwender im Unternehmen bringen künftig private Endgeräte mit und beziehen ihre IT-Services selbsttätig aus der Cloud. Die IT-Abteilung kann sich deshalb künftig einen lauen Lenz machen. Nicht.  Bild: Wolfgang Traub

Endanwender im Unternehmen bringen künftig private Endgeräte mit und beziehen ihre IT-Services selbsttätig aus der Cloud. Die IT-Abteilung kann sich deshalb in Zukunft einen lauen Lenz machen. Nicht.
Bild: Wolfgang Traub

7. So genannte „Selfies“ – also Fotos, die ein Benutzer per Smartphone spaßeshalber von sich selbst aufnimmt – erfreuen sich in den sozialen Netzwerken weiter zunehmender Beliebtheit. Ab 2014 werden deshalb immer mehr junge Leute in Bewerbungsgesprächen mit besonders albernen Selfies konfrontiert, was zum frühen Ende manch eines Beschäftigungsverhältnisses führt. Ab 2015 allerdings werden Personen, die keine besonders albernen Selfies vorweisen können, gar nicht mehr zu Bewerbungsgesprächen eingeladen, da sie als humorlos und somit als nicht teamfähig gelten. Abhilfe schafft hier bald eine App namens „Selfie-Maximizer“, mit der sich Portraitfotos nicht nur bequem retouchieren, sondern auch rückdatiert posten lassen.

8. Automobile entwickeln sich immer mehr zu Tablets auf Rädern. Alle führenden PKW-Hersteller richten nach Apples Vorbild App Stores ein, über die sie eine Vielzahl von Apps vermarkten, mit denen man den Funktionsumfang des jeweiligen PKWs erweitern kann. Die beliebteste App im BMW-Store ist bald die per frei wählbarer Geste gesteuerte Lichthupe, während man das Navigationsgerät der Mercedes E-Klasse um die so genannte „60-plus-App“ erweitern kann. Diese leitet den Fahrer nach 1,5 Kilometern automatisch wieder nach Hause, da Mercedes davon ausgeht, dass der Fahrer spätestens beim zweiten Kreisverkehr eh nicht mehr weiß, wo er eigentlich hinwollte.

9. Nachdem Vorreiter Apple 2013 mit dem iPhone 5 die biometrische Authentifizierung per Fingerabdruck eingeführt hatte, ziehen andere Anbieter nach. Endanwender können sich bald nicht nur mittels Fingerabdruck, sondern auch per Iris-Scan, Handvenenmuster oder Stimmprofilerkennung an ihren Endgeräten anmelden. Die Endanwender zeigen sich zunächst sehr angetan von der bequem nutzbaren Zugangskontrolle. Doch nach einem Einbruch der Anonymous-Aktivisten in die zentrale Google-Benutzerdatenbank raten zahlreiche Hardwarelieferanten ihren Kunden dazu, ein Upgrade ihrer Finger, Augen, Hände und Stimmbänder durchführen zu lassen. Der nun folgende Wirtschaftsaufschwung verdankt sein Dasein wohl vor allem einem Boom bei der plastischen Chirurgie.

10. Kaum haben die IT-Organisationen der Unternehmen dank ITIL, dem Best-Practice-Framework für ein geregeltes, prozessorientiertes IT-Service-Mangement, ihren Laden endlich im Griff, bestellen die Fachabteilungen benötigte IT-Services einfach direkt von externen Cloud-Anbietern, getreu dem Motto: „Heutzutage muss das aber ambulant gehen!“ Um mit der Konkurrenz durch die Cloud Schritt halten zu können, muss die IT alles automatisieren, was nicht niet- und nagelfest ist. Das verbleibende Rest-IT-Personal bezeichnet man jetzt mit dem neuen Akronym „CEHS“ für „Continual Exception Handling Specialist“: Es muss 100 Prozent seiner Arbeitszeit für die Aufklärung nicht nachvollziehbarer Ausnahmefälle aufwenden – ein Verfahren, das Insider auch als „BYOB“ bezeichnen, kurz für „Bring Your Own Burnout“. Die Lage ändert sich erst, als die in die Cloud ausgelagerten Applikationen so komplex werden, dass die Cloud-Anbieter ebenfalls CEHS-Prozesse einführen müssen. Nun hat die hausinterne IT plötzlich mehrere Jahre Erfahrungsvorsprung – oder aber Burnout-Vorsprung, je nachdem. Für IT-Abteilungen bedeutet das: Die Zukunft wird ganz bestimmt glorreich, aber durch das Jahr 2014 müssen Sie jetzt erst mal durch!