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Krautsourcing

Auf der sehr spannenden IT-Security-Konferenz IT-Defense, die kürzlich in München stattfand, hatte Veranstalter Cirosec für die „Wir schauen mal über den Tellerrand“-Keynote den Ex-IBM-Deutschland-CTO Prof. Gunter Dueck eingeladen. Der frisch pensionierte Dueck, nun als freischwebender Querdenker unterwegs, referierte über die Industrialisierung des tertiären Sektors, also der Dienstleistungsbranche.

Er diagnostizierte eine Tendenz, Dienstleistungen immer mehr zu standardisieren und dann durch „Sieben Euro die Stunde“-Jobber erledigen zu lassen – die klassische Arbeitsteiligkeit der Industrie lässt grüßen. Am oberen Ende des Spektrums aber, so Dueck, müsse der Mitarbeiter sich immer mehr den Ausnahmen vom Standardfall widmen und dazu neue Kompetenzen erwerben – zum Beispiel die Kompetenz, den eigenen Standpunkt in Diskussionen zu vertreten.

Denn der Techie, wie Dueck ihn skizzierte, diskutiert nicht gern, „weil er sowieso Recht hat“. Recht zu haben allein – also reine Fachkompetenz – sei für dauerndes Exception Handling aber zu wenig: Gefragt sei mehr Professionalisierung, somit der Aufbau einer Reihe weiterer Kompetenzen, von Team- über Kommunikations- bis hin zur Selbstdarstellungsfähigkeit (die Dueck mit seiner einzigartigen Kombination aus stotternder scheinbarer Unbeholfenheit und unvermittelt aufblitzender Brillanz trefflich vorexerzierte).

Gunter Dueck plädierte auf der IT-Defense in München für mehr Professionalität im Dienstleistungsbereich. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Gunter Dueck plädierte auf der IT-Defense in München für mehr Professionalität im Dienstleistungsbereich. Bild: Dr. Wilhelm Greiner

Den anwesenden IT-Security-Fachleuten riet er damit zu vielfältiger Fortbildung, wollten sie nicht durch Billigkräfte oder gar freundliche indische Call Center Agents ersetzt werden. Als Sonderfall dieser Tendenz nannte er das Crowdsourcing: Ein Unternehmen delegiert Aufgaben wie das Produktdesign an seine Endkunden, wie zum Beispiel Lego dies erfolgreich eingeführt hat.

Den Begriff „Crowdsourcing“ sprach Dueck „Krautsourcing“ aus – was zunächst wie ein Wortspiel klang, bezeichnen Amerikaner die Deutschen doch gerne spöttisch als „Krauts“, sodass „Krautsourcing“ folglich das Auslagern von Tätigkeiten an Deutsche wäre. Allein, falsch assoziiert: Bei Dueck war lediglich die Muttersprache durchgeschlagen, à la „Senk ju vor träwelling“. Schade eigentlich, dann angesichts der vielen Wirtschaftszweige, in denen man weltweit gerne auf Know-how und Präzisionsarbeit aus deutschen Landen zurückgreift, wäre es durchaus Zeit, den Begriff offiziell einzuführen: Es lebe das Krautsourcing! Hoffen wir, dass künftige Generationen damit nicht die berüchtigte deutsche „Service-Kultur“ verbinden.