Neuer Trendsport: Extreme Cloudwashing

Eigentlich bin ich ja ein großer Fan des Begriffs “Cloud Computing”. Denn wie oft gibt es das schon, dass sich ein Marketing-Terminus verbreitet, der ganz offen zugibt, “wolkig” zu sein? In IT-Kreisen erlebt dieser Bewölkungseifer derzeit eine wahres Hoch: Während die Deutschen einen großen Teil dieses Sommers damit verbrachten, sich einen wolkenlosen Himmel herbeizusehnen, ruft die IT-Branche in seltener Eintracht: “Hurra, unsere Zukunft ist wolkenverhangen!”

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Eine derart einhellige Begeisterung hat man in IT-Kreisen nicht mehr gesehen, seit die Branche – die Älteren unter uns werden sich vielleicht noch erinnern – vor einigen Jahren auf den eskalierenden Stromverbrauch im RZ reagierte und dies als spontan entdecktes Umweltbewusstsein vermarktete. Wo vormals von IT die Rede war, musste plötzlich überall “Green IT” draufstehen – auf Servern, Storage, ja, ganzen Rechenzentren.

Ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen: Es war durchaus nützlich und wichtig, dass die versammelte IT-Industrie ihr Augenmerk auf ihren steigenden Beitrag zur Energieverschwendung in den Industrieländern richtete. Ebenso nützlich ist es, dass ein möglichst niedriger Stromverbrauch, nachgewiesen durch Messungen und ausgewiesen im Datenblatt, inzwischen eine Standardanforderung bei einer IT-Beschaffung ist.

Zu Zeiten des Green-IT-Hypes jedoch trieb es mancher allzu bunt – genauer: allzu grün. Es war sogar die Rede von “grünen” Verschlüsselungslösungen. Wahrscheinlich mit freilaufenden, glücklichen Algorithmen aus Bodenhaltung.

Greenwashing” nannten Kritiker solcherlei Anbiederung an die Green-IT-Erwartungshaltung der Presse und der Kundschaft. Und so wie damals alles grüngewaschen wurde, herrscht heute in der IT allerorten das “Cloudwashing” vor (ein Begriff, der sich zum Beispiel im nützlichen Forrester-Report “The Evolution of Cloud Computing Markets” von Stefan Ried et al. findet).

Die extremen Wolkenwäscher aber seien gewarnt: Zu heiß Gewaschenes läuft ein. Dann passt es nicht mehr und sieht – für jeden Kunden offensichtlich – reichlich albern aus.

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