Die zehn ultimativen und einzig wahren IT-Prognosen für das Jahr 2013

Seitens der IT-Anbieter und ihrer PR-Agenturen wird derzeit für das kommende Jahr munter drauf los prognostiziert, was die Tastatur hergibt. Das muss nicht sein. Es reicht völlig, die folgenden zehn Stichpunkte zu lesen, um sich entspannt und wissend zurücklehnen zu können bis zum nächsten Prognosen-Tsunami im Dezember 2013:

121211Prognose2013

1. Das neue Apple iPad Midi – raffiniert: nicht ganz so groß wie das iPad, aber doch nicht so klein wie das iPad Mini – haut alle Apple-Fanbois und -girls total aus den Socken. Die Schlangen vor den Apple Stores sind hunderte von Metern lang, und die glücklichen Käufer stellen sich – das Tütchen mit dem gerade erworbenen Schatz stolz emporreckend – gleich wieder hinten in der Schlange an, und zwar für das iPad Midi 2, das am Folgetag gelauncht wird.

2. Samsung wird ein Patent auf den Erwerb völlig bekloppter Patente erwerben und damit Apple verklagen, da Apple Ende 2012 tatsächlich versucht hat, sich das Blatt (!) aus dem Apple-Logo rechtlich schützen zu lassen. Patent-Trolle verklagen daraufhin beide Konzerne mit dem Hinweis, dass sie selbst schon viel früher völlig bekloppte Patente für völlig bekloppte Klagen genutzt haben. Die Verfahren dauern Ende 2013 noch an.

3. Um Marktanteile von Apple und Google zurückzugewinnen, stellt Microsoft seine eigene Landkarten-App vor: „Metro Maps“ – ein Name, den Microsoft wenig später aus juristischen Gründen in „Modern GUI Maps“ umändern muss. Die App zeigt die Welt als Scheibe, bestehend aus bunten Kacheln, ist aber dennoch zuverlässiger als Apples Map App. Die App ist ausschließlich für Windows Phone 8 verfügbar, doch beide User dieses Betriebssystems zeigen sich begeistert.

4. Das US-Verteidigungsministerium trägt dem Trend zur Gamification Rechnung und kündigt eine „Defense Management Ego-Shooter Software“ namens „Super Drone-Wars Mario“ an. Wie das Spiel genau funktioniert, will man aber geheimhalten, so ein Sprecher des Ministeriums, bis „gewisse ethische und völkerrechtliche Implikationen“ geklärt seien.

5. Peer Steinbrück, erst seit Dezember 2012 auf Twitter vertreten, twittert so eloquent, treffend, begeistert und erfolgreich, dass er mit großem Abstand der Minister mit den meisten Twitter-Followern im Kabinett Merkel wird.

6. Bring Your Own Device (BYOD) wird das große IT-Hype-Thema des Jahres 2013. Der Hype flaut aber allmählich ab, als immer mehr IT-, Netzwerk-, Client- und Security-Verantwortliche bei Umfragen, wie sie mit dem Thema BYOD umgehen, zur Antwort geben: „Ach, lasst mich bloß in Ruh’, die User sollen selber sehen, wie sie mit ihrem Drecks-Gadget-Kram klarkommen, ich geh’ jetzt in Frührente!“ Zwischenzeitlich gewinnt der BYOD-Hype noch einmal kurz an Fahrt, als eine Medizintechnikfirma versucht, das Kürzel als „Bring Your Own Defibrillator“ am Markt zu positionieren.

7. Aus den unter „6.“ genannten Gründen wird der BYOD-Hype in der zweiten Jahreshälfte vom Big-Data-Hype abgelöst. Insbesondere Marketiers zeigen sich begeistert von den neuen technischen Möglichkeiten, immense Datenbestände in Sekundenschnelle zu analysieren, um endlich das Ziel des „gläsernen Kunden“ zu erreichen. Auch dieser Hype ebbt ab, als die Marketing-Leute merken, dass sie nichts über ihre Kunden erfahren, das diese nicht schon freiwillig über sich auf Facebook gepostet hatten, was dann diverse Blogger längst in bunte, Smartphone-Screen-taugliche Infografiken gepackt haben.

8. HP kann seine Marktführerschaft im Segment der Desktop-PCs weiterhin verteidigen, wobei dieser Markt allerdings rasant schrumpft. Im Dezember 2013 werden laut IDC-Hochrechnungen weltweit noch 1,1 Desktop-PCs verkauft. HP liegt auf Platz eins mit 0,7 PCs (ein CPU-Lüfter und ein Ersatz-Motherboard) vor Lenovo mit 0,4 PCs (zwei Austausch-Netzteile) und Dell mit 0,001 PCs (Michael Dell verkauft eine Kreuzschlitzschraube, die er unter’m Sofa gefunden hat, an einen Hobby-Bastler).

9. 3D-Drucker geraten in Verruf, da immer mehr Straftäter, politisch Radikale und geistig Verwirrte sich für ihre Straftaten, Attentate und Amokläufe einfach Waffen nebst Munition selbst drucken. Friedensaktivisten und Polizeigewerkschaften fordern das komplette Verbot von 3D-Druckern, ein Kompromissvorschlag der Europäischen Kommission sieht einer Verlautbarung zufolge vor, den Verkauf der Geräte „auf noch im Detail zu regelnde einzelne verkaufsoffene Dienstage und Donnerstage zu beschränken“. In den USA fordert die Waffenlobby NRA derweil, den zweiten Verfassungszusatz auf „das Recht, Waffen sowie 3D-Drucker zu tragen“ zu erweitern, und startet die Werbekampagne: „Nicht 3D-Drucker töten Menschen, Menschen töten Menschen!“

10. Die Begeisterung der Unternehmen für das Cloud Computing erhält einen empfindlichen Dämpfer, als ruchbar wird, dass CIA, FBI und NSA Backdoors bei praktisch allen namhaften Cloud-Service-Providern installiert haben. NSA-Chef Keith Alexander versucht, die Lage zu beruhigen, indem er kommentiert: „Na, und? In eure firmeneigenen Rechenzentren kommen wir schließlich auch rein!“ Google spielt daraufhin Zugangsdaten zu Gmail-Konten mit pikanten privaten E-Mails führender Geheimdienstler der Presse zu. Es folgen so viele von der Gossenpresse breitgetretene Skandale und Rücktritte, dass sich bald niemand mehr an die Backdoor-Diskussion erinnert. Das Cloud Computing erlebt eine Blütezeit.

Ein kulturhistorisches Postscriptum: Sollte der Maya-Kalender mit seinen diversen Weltuntergangsszenarien doch Recht behalten und die Welt am 21.12.2012 untergehen, erübrigen sich die obigen Prognosen mit Ausnahme der ersten.

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