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Was Sie schon immer über DAS BÖSE INTERNET wissen wollten

In Zeiten von „Embedded Content“, „Sponsored Content“ und „Verlagssonderveröffentlichungen“ (allesamt Euphemismen für: versteckte Werbung) hier der klare Hinweis: JETZT KOMMT REKLAME!

Weil nämlich: Ein „Best of“ meiner Satiren aus den letzten fünf Jahren ist kürzlich als Buch erschienen, so richtig mit schwarzer und sogar farbiger Druckertinte auf rechteckigen Scheibchen toten Baums, und zwar unter dem Titel „Was Sie schon immer über DAS BÖSE INTERNET wissen wollten… aber nie zu fragen wagten“. Schampus!

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Das Buch hat 142 Seiten und über 50 farbige Abbildungen, von ein paar Screenshots abgesehen sind das Cartoons aus der Feder des genialen Wolfgang Traub (die auch auf diesem Blog häufig Verwendung finden), darunter sogar zwölf nagelneue!

Verlegt wurde das Satirebuch beim ITP Verlag (also bei dem Verlag, der die Netzwerk-Zeitschrift LANline herausgibt, für die ich schreibe). Dieser vertreibt es direkt (ist ja ein Zeitschriftenverlag, kein klassischer Buchverlag), aber erhältlich ist es auch über amazon.de. Es kostet 19,- Euro zuzüglich 3,- Euro Porto. Ja, ich weiß: Porto für ein Buch bei Amazon?? Klingt blöd, is’ aber so, denn Amazon schreibt dies bei Direktlieferungen vor.

Die Satiren kann man bekanntlich alle hier ganz kostenfrei auf diesem Blog nachlesen, deshalb hier der völlig unvoreingenommene Hinweis: Allein die zwölf neuen Bildchen von Wolfgang Traub sind schon die 22 Euronen wert! Und als Geschenk eignet sich ein Taschenbuch nach wie vor viel besser als ein Link zu einem Blog. 😉

Bestellen kann man das Buch hier.

 

 

 

Butler 4.0 – Kann man das nicht delegieren?

Heute haben wir für alles außer Nasebohren eine App, und ohne die Pulsmessung des Fitness-Trackers wüssten wir nicht mal mehr, ob uns dieser Umstand aufregt. Der Internet-Nutzer von Welt hingegen hat keine Apps, sondern Personal. Schafft ja auch Arbeitsplätze.

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Apps sind so 2015. Ein Butler hingegen hat auch immer einen persönlichen Touch.

Die einen haben Apps, die anderen haben Ansprüche. Den bessergestellten Vertretern unserer gnadenlos Gadget-gestützten Generation ist in vielerlei Situationen zu physisch vorhandenem Versorgungspersonal zu raten, das deshalb in keinem gepflegten Haushalt fehlen sollte. Einige Beispiele gefällig? Aber gern. Wo darf ich sie servüren? Am besten gleich hier:

  1. Spam-Abwehr: Der Butler 1.0 hatte bekanntlich unter anderem eine wichtige Aufgabe: das Abfangen von Besuchern inklusive Feststellung der Identität und Abwimmeln vom unerwünschtem oder gar – „shocking, my dear!“ – visitenkartenlosem Pack. Diese Funktion hat längst der Spamfilter übernommen. Ein echter ALADIN (Alle Lästigen Aufgaben Delegierender Internet-Nutzer) hat aber selbstverständlich einen Spam-Beantwortungs-Butler. Dieser informiert jeden Spam-Versender in einem persönlichen Anschreiben, dass man nicht beabsichtige, mit ihm jemals Geschäfte zu machen. Denn man erachte Spammer als Vertreter der alleruntersten Stufe menschlicher Existenz, wenn „menschlich“ da überhaupt noch das passende Wort sei, und nein, auch für die Geldwäschepläne nigerianischer Prinzen stehe man nicht zur Verfügung.
    Geringachtungsvoll,
    i.V. James,
    Butler im Hause derer von Welt
  1. Straßenverkehr: Der Chauffeur alter Schule hat im Zeitalter selbsttätig fahrender PKW natürlich ausgedient. Aber wollen wir unser Passagierdasein wirklich einem autonomen Automobil anvertrauen? Natürlich nicht. Deshalb setzen wir auf den Fahrersitz unseres „Autonomobils“ einen Self-Driving-Car-Butler. Schon damit wir sagen können: „Mein Beitrag zum Klimaschutz? Ich fahre nicht mehr Auto.“
  2. Flugreisen: „Haben Sie Ihre Koffer selbst gepackt?“ Auf diese alberne Frage des trübtassigen Flughafen-Schalterpersonals kann und darf die entrüstete Antwort nur lauten: „Natürlich nicht! Dafür habe ich schließlich meinen Koffer-Pack-Butler!“ Ein Tipp: Es empfiehlt sich, Letzteren rechtzeitig anzuweisen, ausreichend viel frische Lektüre auf den Kindle-Reader zu laden. Schließlich will man genügend Lesestoff bei sich haben, während man die nächsten sechs Stunden in einem Hinterzimmer des Flughafens auf die Überprüfung der Angaben zur eigenen Person wartet.
  3. Flugreisen, die zweite: Angesichts der unter Punkt 3 beschriebenen Situation ist es stets ratsam, einen Flugreise-Butler zu beschäftigen, der besagte Reise für einen übernimmt, da man nach sechs Stunden Wartezeit natürlich die gebuchte Verbindung verpasst hat. Ein Flugreise-Butler ist zudem generell nutzbringend für alle, die unter Flugangst leiden oder die Aeroplan-gestützte Fortbewegung als nicht artgerechte Passagierhaltung empfinden. Zumal sich heutzutage dank Ryanair und Co. derart viel visitenkartenloses Fußvolk an den Terminals breitgemacht hat, da nehmen wir zum Ansteuern abgelegener Ziel wohl doch lieber die Yacht. James, sagen Sie schon mal dem Kapitän Bescheid, und davor dem Reiseziel-Auswahl-Butler!
  4. Gadget-Bedienung: Auf den Miniatur-Displays all dieser neumodischen Smartphones, Tablets, Smartwatches und sonstiger Gadgets herumtippen und herumtatschen zu müssen, hach, das ist auf die Dauer ebenso mühselig wie lästig. Es empfiehlt sich deshalb, stets einen Gadget-Bedienungs-Butler in Rufweite zu haben: „James, mir ist nach einem Spaziergang zumute. Googeln Sie mal, wie das Wetter draußen ist!“ Dank üppiger Ausstattung mit derlei Personal wird das Gros der auf dem iPhone vorinstallierten oder irgendwann mal heruntergeladenen Apps natürlich überflüssig. Deshalb ist es angeraten, dem Gadget-Bedienungs-Butler einen App-Lösch-Butler an die Seite zu stellen. Für den Laien läge es nahe, würde ein einziger Butler diese beiden Funktionen in – kleines Wortspiel – Personalunion übernehmen. Aber wir wollen schließlich nicht an der falschen Stelle sparen oder gar als knausriger Cretin erscheinen, n’est-ce pas?
  5. Literatur: Nicht minder mühselig und lästig ist es, sich immer wieder neue Satiren ausdenken zu müssen. Unverzichtbar ist deshalb ein Satire-Schreibe-Butler, der dem Verfasser diese undankbare Aufgabe abnimmt und ohne den dieser verwöhnte Ausbeuter total aufgeschmissen wäre. He, was soll das? Unverschämtheit! Glauben Sie bloß nicht, dass ich diese Frechheit hier so stehenlasse! Schlusskorrektur-Butler, Sie sorgen mir dafür, dass diese Passage vor der Veröffentlichung gestrichen wird! So, und jetzt zügig zurück an’s Werk, James, aber zuerst pfeifen Sie den Chipstüten-Aufreiß-Butler ran, ich kann so nicht arbeiten!

Und nächste Woche klären wir die Frage: Warum sind „smarte“ Klobrillen, die man per App ferngesteuert vorwärmen kann, für den Internet-Nutzer von Welt absolut unnötig?

Die einzig wahren IT-Security-Prognosen für 2016

Das Jahr neigt sich dem Ende zu, allerorten sprießen Weihnachtsmärkte, -männer und -deko aus dem Boden, und der Einzelhandel freut sich auf einen Monat voller religiöser Besinnlichkeit. Die intelligenteren Gattungen halten nun Winterschlaf, während der Mensch Prognosen über das kommende Jahr in die Welt hinausposaunt.

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Für mich als Prognosen-Provider Ihres Vertrauens wäre es deshalb geradezu unmenschlich, Ihnen meine IT-Security-Prognosen für 2016 vorzuenthalten. Bitte stellen Sie die Stuhllehnen senkrecht und schalten Sie alle elektronischen Geräte ab, wir starten:

  1. Die Internet-Sicherheit bleibt weiterhin ein Witz, schon weil andernfalls die IT-Security-Industrie zusammenbrechen würde, ebenso der weltweite Markt für Geheimdienstleistungen und die Computerkriminalitätsbranche – mancherorts heute der größte Arbeitgeber. Allein die Umsatzeinbußen in der Trenchcoat- und Hoodie-Industrie würden in die Abermillionen gehen – und das kann doch niemand wollen!
  1. Ransomware wird sich rasant verbreiten. [Wie Sie das vermeiden können, erfahren Sie, wenn Sie mir 3,14 Bitcoins in bar übergeben.]
  1. Alle Produkte mit „smart“ im Namen werden nächstes Jahr gehackt. In der Folge werden zum Beispiel Ihre smarten Socken auf Ihrer Facebook-Seite posten: „Oh Mann, hat der Typ Schweißfüße! Ich bin ein Strumpf, holt mich hier raus!“
  1. Dank ausufernder Vorratsdatenspeicherung wird man bei terroristischen Anschlägen hinterher viel detaillierter erklären können, warum man das Attentat vorher nicht aufdecken konnte. Daraufhin werden zahlreiche Politiker mehr Vorratsdatenspeicherung fordern. Ausreichend Personal für die Auswertung dieser Daten hingegen fordert niemand, das wäre viel zu teuer.
  1. Cyberkrieg wird endlich völkerrechtlich einheitlich definiert: als „digitale Verfahren und Maßnahmen, die an Leben und Gesundheit von Personen fremder Nationen direkten Schaden anrichten“. Als erste enttarnte Cyberkriegswaffe der Menschheit gilt fortan die Steuerungssoftware der Dieselmotoren von VW.
  1. Die Entwicklung staatlich organisierter Malware für den Cyberkrieg… [diese Prognose wurde zensiert, da sie Teile der Bevölkerung verunsichern würde].
  1. Die IT-Security-Anbieter werden weiterhin auf Sicherheitskonferenzen das Bild eines beinahe toten Patienten zeichnen, um aber ihr jeweiliges Software- oder Hardwareprodukt als Heftpflaster anzupreisen, das den Sterbenden wieder zum Leben erweckt. Heftpflaster können das!
  1. Eine Gipfelkonferenz führender Industrienationen wird einberufen mit dem Ziel, die Sicherheit bei der Softwareentwicklung gesetzlich zu regulieren. CEOs aus dem Silicon Valley argumentieren aufgebracht, dies würde die Markteinführung neuer Apps über Gebühr verzögern. Ein Vertreter der Luftfahrtbranche wird daraufhin mit Lachkrampf aus dem Saal getragen. Die Klärung der Frage wird auf den nächsten Gipfel vertagt. Kanzlerin Merkel zeigt sich dennoch zuversichtlich: „Wir schaffen das… Problem erst mal in einen Unterausschuss, dann sehen wir weiter.“
  1. Aus Sicherheitsgründen erfolgt in Deutschland ein landesweites Update von Industrie 4.0 auf Industrie 4.0.1. Alle Unternehmen werden dringend gebeten, das Update unverzüglich einzuspielen, da es zahlreiche Sicherheitslücken behebt. Industrie 4.0.1 hingegen sei absolut sicher.
  1. Apple stellt das neue iPhone 7 mit stark verbessertem Zugriffsschutz vor: Das Gerät scannt während des Gebrauchs die Iris des Nutzers kontinuierlich, um Missbrauch durch Fremde zu vermeiden. Der Nachteil ist, dass man sich nun beim Surfen, Chatten, Telefonieren etc. das iPhone immer direkt vor das Gesicht halten muss. Die Apple-Fans begrüßen die zunächst nur in den USA eingeführte Innovation begeistert, aber wenig später steigt dort die Zahl der Autounfälle dramatisch an.
  1. Erstmals wird ein Herzschrittmacher via WLAN gehackt, woraufhin der Patient einen ganzen Tag lang wie batteriebetrieben durch die Gegend hetzt. Die Klage des Patienten gegen den Hersteller des Geräts scheitert aber vor Gericht: Der Richter argumentiert in seiner Urteilsbegründung, der Patient habe die Firewall-Einstellungen seines Herzschrittmachers mangelhaft verwaltet, die Antiviren-Updates vernachlässigt und zudem eigenmächtig auf einer Partition des Geräts „Super Mario for Medical Devices 2016“ installiert. Diese Version sei vom Hersteller des Schrittmachers aber noch nicht für diesen Gerätetyp freigegeben.
  1. Der wegen seines stets rüpelhaften Auftretens umstrittene Milliardär Donald Trump wird US-Präsident. Auf sein Drängen („Jetzt macht endlich hin, ihr Pappnasen!“) peitscht die republikanische Mehrheit im US-Kongress ein Gesetz durch, das der Softwarebranche die Verwendung der „0“ verbietet. „Amerika ist die Nummer 1“, tönt Trump. „Auf die ganzen Nullen und Luschen und das Gesocks können wir verzichten!“ Er wird später als derjenige US-Präsident in die Geschichte eingehen, der das Problem der IT-Sicherheit ein für allemal gelöst hat.

 

 

 

Die große Pulitzer-Preis-Rede von 2018

Liebe Androiden, liebe Menschen, „Ich habe den rechten Blinker gesetzt. Ich bin rechts abgebogen. Ich habe den rechten Blinker ausgeschaltet.“ Ich habe das nie ergreifender beschrieben gefunden.

150701_Auto-Biografie Ich lese weiter:
„Ich biege auf den Highway One ein.
Ich folge dem Straßenverlauf lange.
Ich erkenne ein sich langsam bewegendes Hindernis.
Ich leite ein Überholmanöver ein.
Ich scanne die Gegenfahrbahn auf Objekte.
Ich erkenne zahlreiche Objekte auf der Gegenfahrbahn.
Ich breche das Überholmanöver ab.
Ich folge dem sich langsam bewegenden Hindernis.
Ich folge dem sich langsam bewegenden Hindernis.
Ich folge dem sich langsam bewegenden Hindernis.
Alarm gelb: Batteriestand niedrig.
Ich folge dem sich langsam bewegenden Hindernis.
Alarm orange: Batteriestand sehr niedrig.
Ich folge dem sich langsam bewegenden Hindernis.
Alarm rot: Batt…“

Ich habe das gelesen.
Ich habe festgestellt, dass ich gemäß „Blade Runner“-Definition 2017:1 „gerührt“ bin.
Ich habe das Buch für die Preisverleihung vorgeschlagen.
Ich habe die „Wenn nur ein Buch vorgeschlagen“-Routine ablaufen lassen.
Ich habe das Buch gewählt.
Ich gratuliere dem Verfasser dieses Buchs.
Ich danke Ihnen für das Konsumieren dieses Holocasts.

Wenn Sie diesen Holocast nochmals konsumieren möchten, sagen Sie „Nochmals konsumieren!“ oder drücken Sie „001“.

—– Rede von Autonomous Literary Critic ALC-753-02 zur Verleihung des „IBM-Watson-Pulitzer-Preises“ für den 23.1.2018 im Zeitslot „22:00 Uhr bis 22:05 Uhr“ in der Kategorie „Biografie“ für das Logbuch „On the Road – eine Auto-Biografie“ von WAUDDD-7372872-DX, erschienen bei SkyNet Autonomous Publishing, New New New New York, 23.1.2018, 22:00 Uhr.

Wenn Sie diesen Beitrag nochmal lesen möchten, sagen Sie „Nochmals lesen“ oder gehen Sie zurück zu Zeile 001.

CES 2015: Wenn Smart Devices wirklich „smart“ wären

Immer zum Jahresanfang überschwemmt die Computerindustrie auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Markt mit neuen „smarten“ Gadgets. Wenn diese allerdings wirklich smart wären, würden sie sich ganz anders verhalten.

Smartphones zum Beispiel sind nützlich, ja, aber alles andere als „smart“. Es handelt sich schlicht um Hosentaschencomputer, mit denen man viele Dinge unterwegs und damit zügiger, aber allzu oft umständlicher – statt intelligenter – erledigen kann als mit dem guten alten Desktop-Rechner zu Hause oder im Büro.

Wären Smartphones wirklich intelligent, würden sie alles abblocken, was uns nicht tatsächlich interessiert – Spam-Mails ebenso wie Werbebanner, Troll-Kommentare und Anrufe von Call-Centern oder Schwiegermüttern. Sie würden merken, wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist, und automatisch schon mal die für die Flugdauer und ein paar Warteschleifen erforderlichen Videos und Podcasts laden – natürlich keine albernen Katzenfilmchen, sondern nur verpasste „Last Week Tonight“-Shows mit John Oliver oder die neueste Folge von „The Good Wife“. Sie würden „Hallo, hier bin ich!“ rufen, wenn man sie mal wieder verzweifelt sucht, und „Häng mich an die Steckdose!“, wenn der mickrige Restbalken der Batterieanzeige im tiefroten Bereich versumpft.

Wie aber sieht es wirklich aus? Man kann auf der Rolltreppe E-Mails beantworten, indem man mit den Daumen auf einem Mini-Display herumdrückt, und sich dabei über schlecht zugängliche Sonderzeichen ärgern. Und natürlich WhatsApp-Meldungen verfassen: „Bin gerade auf der Rolltreppe“ oder „Laufe gerade ohne zu gucken in der Gegend rum.“ Smart ist so ein Smartphone nur im Vergleich zu dem Laternenpfosten, gegen den der dauerdaddelnde Dumm-User früher oder später knallt.

Groß in Mode auf der CES, wie auch schon letztes Jahr: sogenannte „Smart TVs“. Dabei ist „Smart TV“ ein Widerspruch in sich. Wäre ein Fernsehgerät wirklich smart, würde es vor Scham rot anlaufen und sich selbst abschalten. Nicht nur wegen des Niveaus der meisten deutschen TV-Produktionen, sondern auch, weil es erkannt hat, dass es zu absolut nichts gut ist, was ein Notebook oder Tablet nicht auch kann.

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.  Bild: Samsung

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.
Bild: Samsung

In der Automobilindustrie wiederum klopft man sich heute gern gegenseitig auf die Schulter, weil man es geschafft hat, „Smart Cars“ herzustellen. Gemeint sind damit nicht Daimlers kugelförmige Kleinstwägen gleichen Namens, sondern Autos mit Bordcomputer (gibt’s schon lange) sowie – Trommelwirbel! Tusch! Ta-dah! – eingebautem Touchscreen.

Es ist ja nett, dass moderne Autos merken, wenn etwas nicht stimmt, und Warnhinweise ausgeben. Aber Touchscreens im Armaturenbrett braucht kein Mensch – da hätte eine solide Halterung mit Schnappverschluss für’s iPhone oder iPad genügt, vielen Dank.

Ein wirklich smartes Auto würde dem Fahrer bei Innenstadtfahrten raten: „Nimm besser die U-Bahn. Da bist du zehn Minuten schneller am Ziel, schonst Nerven wie auch Umwelt und musst nicht erst noch zur Parkplatzsuche 28-mal um den Block fahren. In München-Schwabing gibt’s nämlich keine Parkplätze. Eher geht ein Kamel wie du durch ein Nadelöhr, als dass es in Schwabing eine Parklücke findet, kapiert?! Und jetzt zieh’ Leine, damit ich mit den anderen Autos hier im Parkhaus weiter in Ruhe ‚World of Carcraft’ spielen kann!“

Und nun will uns die Gadget-Industrie auch noch „smarte“ Gerätchen für die optimierte Fitness aufschwatzen: Bunte Armbändchen messen Körperfunktionen und reichen die Messwerte an das ach so smarte Phone weiter. Diese Werte sollen uns dann ein schlechtes Gewissen bereiten, auf dass wir mehr Sport treiben mögen.

Nützlicher allerdings als eine Pulsmessung oder eine Chronik zurückgelegter Marschkilometer wäre ein Armband, das dem Benutzer jedesmal einen Stromschlag verpasst, wenn er den Fuß in einen McDonald’s, Burger King oder eine andere Junkfood-Bude setzt – und zwar keinen müden 1,5-Volt-Schlag, sondern einen, bei dem sich der Armbandträger hinterher fragt: „Hatte ich eigentlich schon immer eine Frisur wie Jimi Hendrix?“

Solche Geräte würden das Attribut „smart“ wirklich verdienen. Alles andere ist dummer Elektroschrott. Das wäre halb so tragisch, wenn wenigstens ein effizientes Recycling der Dumbtech-Einwegware schon erfunden wäre.

Dies führt uns zu unserer heutigen Quizfrage: Gibt es ein smartes Recycling von „smarten“ Gadgets?

[ ] Ja
[ ] Nein
[ ] Weiß nicht
[ ] Wie war nochmal die Frage?

Die richtige Antwort schreiben Sie bitte auf eine Postkarte und tapezieren damit das Display Ihres Smartphones.

Neuer IT-Hype: Kernspaltung

„Der Trend geht zur Zweitfirma“, dachte sich HP-Chefin Meg Whitman und verkündete die Aufspaltung von HP in zwei Unternehmen. Wenige Tage später folgte Security-Anbieter Symantec dieser Entwicklung. Wer kommt als nächstes? Eine Prognose.

Laut Presseverlautbarung vom 6.10.2014 will sich HP in zwei „branchenführende öffentliche Unternehmen“ teilen: in den Unternehmens-IT-Ausrüster namens Hewlett-Packard und einen Anbieter von diesem ganzen Consumer-Krempel namens Hewlett-Compaqard. (Oder so ähnlich – Note to Self: bei Gelegenheit nochmal nachgucken!)

Wie die beiden Buchstaben des HP-Logos schon lange anzudeuten schienen, streben die HP-Geschäftsbereiche in entgegengesetzte Richtungen.

Wie die beiden Buchstaben des HP-Logos schon lange anzudeuten schienen, streben die HP-Geschäftsbereiche in entgegengesetzte Richtungen.

Damit hat Branchengröße HP offenbar einen Trend angestoßen: Nur drei Tage später meldete mit Symantec ein führender Anbieter von Sicherheitslösungen, sich ebenfalls in zwei separate Firmen aufteilen zu wollen: eine für Security-Software, die andere für Information-Management. Zwar ist der Name „Symantec“ alles andere als ein Synonym für Information-Management, doch CEO Michael A. Brown betonte: „Wenn ein neuer Hype aufpoppt, dann muss Symantec mit dabei sein. Und da wir nur Security können, musste halt ein neues Thema her. Da ist uns auf die Schnelle nichts Besseres eingefallen als Information-Management.“ Informationen könne man schließlich immer brauchen, und Management auch.

Nun wird in der Branche wild spekuliert, welches Unternehmen wohl als nächstes in zwei Teile zerfallen wird. Hier eine Prognose:

Im November meldet IBM – trotz seiner enormen Größe immer am Puls der Zeit – seine geplante Zweiteilung: Unter dem Namen „Watson, Inc.“ werde der Geschäftsbereich rund um Big Data und Künstliche Intelligenz eigenständig. Das zweite Unternehmen werde sämtlichen übrigen Geschäfte fortführen. Der Name stehe noch nicht fest, laut Buchmachern die besten Chancen hat „Sherlock, Inc.“.

Im Dezember verkündet der neue CEO Satya Nadella die Teilung von Microsoft: Unter dem bekannten Namen Microsoft werde man weiterhin die bewährten Cash-cows der Unternehmenswelt vertreiben, darunter Windows, Office, Exchange, SQL Server, das Active Directory und das Cloud-Lösungsportfolio; das Zweitunternehmen Microhard werde sich bemühen, endlich dem Consumer-Trendsetter Apple Paroli zu bieten. Auf die Frage, mit welchen Produkten, antwortete Nadella: „Da haben wir noch keine konkreten Pläne. Vielleicht irgendwas mit Uhren.“

Ebenfalls im Dezember und damit gerade noch rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft meldet der Elektronikkonzern LG seine Aufspaltung in die beiden Konzerne „L“ und „G“. Beide Firmen werden laut Konzernankündigung ein identisches Portfolio anbieten und behaupten, viel besser und günstiger zu sein als der jeweils andere, aber vor allem cooler als Samsung und Apple.

Ein Paukenschlag: Anfang Januar 2015 gibt Google bekannt, sich ebenfalls in zwei Konzerne zu unterteilen. Unter dem bestehenden Namen werde man weiterhin die Suchmaschine und die zahlreichen Cloud-Services von Gmail über Google Maps bis zu den Unternehmensangeboten betreiben. Das Zweitunternehmen werde versuchen, die aus diversen Zukäufen der letzten Zeit angesammelte Robotertechnik unter dem Betriebssystem Android zusammenzuführen. Laut Aussagen von CEO Larry Page soll dieses Unternehmen „SkyNet“ heißen, und nein, Kampfroboter mit einem notorisch unsicheren Smartphone-Betriebssystem halte er nicht für ein Risiko.

Auf einem großen Presse-Event im Februar lüftet Apple den Mantel um das, was unter Apple-Beobachtern schon seit Monaten gemunkelt wurde: eine Zweiteilung – aber eine revolutionäre, nie dagewesene und völlig innovative Zweiteilung. „Apple, Inc.“ werde, wie gehabt, die bekannte Marke mit Hardware, Software und Services fortführen. Ausgegliedert werde unter dem Namen „The Holy Church of St. Steve“ lediglich die quasireligiöse Apple-Verehrung. Das „Holy Book of Jobs“ werde den Apple-Jüngern künftig in allen Lebenslagen Antwort geben auf die Frage: „Was würde Steve Jobs davon halten?“ Höhepunkt des religiösen Lebens sei der alljährliche „Tanz ums Goldene iPhone“.

Im März gibt Hewlett-Packard-Chefin Meg Whitman dann allerdings überraschend bekannt, die Aufspaltung sei ein Fehler gewesen, man werde wieder auf das vertraute Motto „Je größer, desto besser“ setzen und die beiden HP-Spinoffs erneut fusionieren. Alle anderen IT-Anbieter ziehen in den folgenden Wochen stillschweigend nach. Genauer: alle bis auf Apple. Denn in Cupertino hat man erkannt, dass die Anerkennung als Religion weltweit eine Vielzahl von Steuerschlupflöchern eröffnet. Auf diese Steuervorteile könne man unmöglich verzichten, so CEO Tim Cook, denn: „Was würde Steve Jobs davon halten!?“

Drucker, die die Zukunft drucken

3D-Drucker bringen hauchdünne Schichten von Kunststoff und weiteren Materialien computergesteuert so präzise übereinander auf, dass nach Bedarf selbst komplexe dreidimensionale Gebilde entstehen – von Star-Wars-Figuren bis hin zu Prothesen oder Schusswaffen, je nach Präferenz. Ein 3D-Blick in unsere 3D-Zukunft.

3D-Drucker - im Bild ein Gerät von Stratasys - können dreidimensionale Objekte aus verschiedenen Materialien nach Bedarf herstellen, zum Beispiel Fahrradhelme, was alle praktisch finden, oder Handfeuerwaffen, was nur einige praktisch finden. Bild: Stratasys

3D-Drucker – im Bild ein Gerät von Stratasys – können dreidimensionale Objekte aus verschiedenen Materialien nach Bedarf herstellen, zum Beispiel Fahrradhelme, was alle praktisch finden, oder Handfeuerwaffen, was nur einige praktisch finden. Bild: Stratasys

Januar 2016: 3D-Druck ist inzwischen so verbreitet, dass die Endanwender einen Großteil ihrer im Alltag benötigten Utensilien nach Bedarf selbst ausdrucken. Am beliebtesten sind bei den Verbrauchern preiswerte, einfache Objekte aus Plastik wie etwa Kinderspielzeug, Modeschmuck oder Scheibenkäse.

1. März 2016: Mehrere Hersteller präsentieren praktisch zeitgleich eine neue Generation von 3D-Druckern, die beliebige Ausgangsstoffe verarbeiten kann: Kunststoffe und Metalle ebenso wie organische Materialien. Das Interesse ist zunächst lau, da die ersten Geräte extrem teuer sind. Der Microsoft-Chef spottet: „So etwas braucht doch kein Mensch!“

2. März 2016: Das erste 3D-Druck-Selfie.

3. März 2016: Das erste 3D-Druck-Selfie eines Benutzers, wie er gerade ein 3D-Druck-Selfie ausdruckt.

17. März 2016: Über Schwarzmarktseiten gelangen Baupläne für „Viagra zum Selberausdrucken“ ins Netz. Der Absatz an 3D-Druckern steigt dramatisch an.

30. März 2016: Medien berichten, dass man in China bereits seit 2014 ganze Industrie-Geisterstädte aus dem Boden gestampft hat, in deren riesigen leeren Industriehallen 3D-Drucker im Akkord 3D-Drucker herstellen. Der Weltmarkt wird überschwemmt mit billigen chinesischen Geräten. Gleichzeitig häufen sich in China Aufstände der nun arbeitslosen Fabrikarbeiter, doch die chinesische Führung verkündet, man habe die Aufstände unter Kontrolle, und außerdem gebe es gar keine Aufstände.

April 2016: Eine neue Modewelle schwappt durch das Netz: täuschend echte dreidimensionale Katzen in witzigen Posen, sogenannte „3D-LOLcats“.

Mai 2016: In einer Forsa-Umfrage bezeichnen 78 Prozent der Deutschen den 3D-Drucker als „die beste Erfindung seit Toastbrot“, fügen jedoch hinzu: „Damit meine ich aber das Original-Toastbrot. Das 3D-gedruckte schmeckt irgendwie fad.“

Juni 2016: Mehrere führende asiatische Gadget-Hersteller präsentieren praktisch zeitgleich sogenannte „SmartGloves“, also Smartphone-Handschuhe, die man sich per 3D-Druck individuell um die eigene Hand herumdruckt. Die ganze Hand wird damit zum Handy, was zumindest jüngere Benutzer wahnsinnig praktisch finden.

August 2016: Apple kontert die SmartGlove-Welle mit dem von Insidern lange erwarteten iTooth, einem Mini-Smartphone in der Form eines 3D-gedruckten Zahnimplantats. Wie üblich bilden sich bereits am Vortag lange Schlangen vor den Apple-Stores, erstmals aber am Folgetag ebenso lange Schlangen vor den Zahnarztpraxen.

September 2016: US-Präsident Obama verkündet, man werde 3D-Drucker mit Bauplänen für Sturmgewehre und Panzerfäuste an die ISIS im Irak liefern, um diese im Kampf gegen die noch radikalere IWO (Islamistische Weltordnung) zu unterstützen.

Oktober 2016: Die Bundesregierung kündigt an, man werde dringend benötigte 3D-gedruckte medizinische Gerätschaft in die umkämpften Gebiete im Nahen Osten schicken, sobald der bundeswehreigene 3D-Drucker die dringend benötigten Ersatzteile für die Bundeswehr-Transportflugzeuge fertiggedruckt habe. Allerdings sei dieser Drucker gerade defekt, man warte derzeit auf dringend benötigte Ersatzteile.

8. November 2016: Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida und Bruder von George W. Bush, wird neuer US-Präsident – trotz zahlreicher Indizien, dass die Republicans in Florida massiv Pro-Bush-Wahlzettel 3D-gedruckt haben. Die konkurrierenden Democrats fechten die Wahl aber nicht an, nachdem Reporter in der Democrat-Wahlzentrale in Ohio auffällig viele 3D-Drucker aufgespürt haben. Das Vertrauen der US-Wähler in die Demokratie fällt auf ein Allzeit-Tief. Die meisten Amerikaner bekommen diesen Skandal allerdings gar nicht mit, da sie immer noch vor ihrer Zahnarztpraxis Schlange stehen.

25. November 2016: Am sogenannten „Black Friday“ stellen Aktivisten der finanzindustriekritischen Hackergruppe „3D-Leet“ in einer konzertierten Aktion weltweit Blaupausen für Geldscheine in 17 Währungen ins Netz, sodass jedermann naturidentische Geldscheine preiswert selbst herstellen kann. Das globale Wirtschaftssystem bricht zusammen. Die Finanzindustrie zeigt sich davon aber unbeeindruckt, da ihre Transaktionen schon längst nichts mehr mit der Realwirtschaft zu tun haben.

31. Dezember 2016: Nach dem Kurzschluss eines defekten 3D-Druckers beginnt eine 3D-LOLcat plötzlich, sich selbsttätig zu bewegen. Sie tapst – was im Video des Benutzers unheimlich putzig aussieht – zunächst im Zimmer herum, geht dann aber zurück zum 3D-Drucker und druckt eine Reihe weiterer LOLcats aus. Erstaunlicherweise bewegen diese sich ebenfalls von selbst. Eine der Katzen schaut in die Kamera und scheint zu grinsen. Sie springt auf die Kamera zu und fährt messerscharfe 3D-Edelstahlkrallen aus. Das Kamerabild wackelt. Man hört einen Schrei. Das Bild wird schwarz.

Bono-Bonus: Affentheater um das iPhone 6

Apple kündigte an, sein neues iPhone 6 mit dem vorinstallierten Album „Songs of Innocence“ der Pop-Band U2 auszuliefern. Dies kam bei vielen Apple-Jüngern gar nicht gut an. Dann überschlugen sich die Ereignisse. Eine Chronologie.

+++ EIL +++ Auftritt der Band U2 rund um Frontmann Bono beim Apple-Event zum Launch des iPhone 6, iPhone 6 Plus und der Apple Watch. Erstmals verlassen einige Journalisten und Blogger genervt die Veranstaltung mit dem Kommentar: „Bono? Im Ernst? Dann berichten wir eben über was anderes.“

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor einem angeblichen Jailbreak, der das U2-Album aus iTunes löscht.

+++ EIL +++ Apple richtet eine Support-Seite ein, über die Apple-Käufer das Album aus ihren iTunes entfernen können.

Apples U2-Löschseite

Apples U2-Löschseite

+++ EIL +++ Apple-Chef Tim Cook gesteht bei der Talk-Show „Charlie Rose“ ein, dass der Werbegag mit U2 ein Fehler war. Man habe aber nur die Interessen der Benutzer im Sinn und werde deshalb die Daten derjenigen, die das Album löschen, nicht an die NSA weitergeben.

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor einem angeblichen Jailbreak, der das U2-Album nicht nur aus iTunes, sondern auch aus der Download-Historie löscht.

+++ EIL +++ Microsoft produziert ein lustiges Video, das Apples Werbefilme parodiert und klarstellt, dass auf Smartphones mit Windows Phone kein U2-Album vorinstalliert ist. Das Video erhält auf Facebook zahlreiche Likes von Microsoft-Mitarbeitern.

+++ EIL +++ Die Comedy-Truppe Y-Titty erstellt ein geniales U2-Verarschungsvideo. Da dieses aber Musik von U2 enthält, ist es in deinem Land leider nicht verfügbar.

+++ EIL +++ Das Analystenhaus Canalys prophezeit, die Apple Watch werde den Smartwatch-Markt „aufrollen“. Hauptgrund sei, dass auf Apples neuer Smartwatch kein U2-Album vorinstalliert sei.

+++ EIL +++ Sicherheitsspezialist F-Secure warnt vor billigen Apple-Watch-Raubkopien aus China. Diese weisen laut F-Secure zwar keine Malware auf, jedoch als Weckmelodie „Sunday, Bloody Sunday“.

+++ EIL +++ Die NATO erwägt, iPhone-6-Geräte über dem Osten der Ukraine abzuwerfen, um die dortigen Separatisten zu demotivieren. Die UNO bezeichnet die Pläne umgehend als „überzogen und unmenschlich“.

+++ EIL +++ Russlands Präsident Putin droht, man werde nun selbst Smartphones produzieren und dort U2-Coverversionen russischer Underground-Death-Metal-Bands vorinstallieren. Die Ukraine gibt daraufhin klein bei und räumt den von Russland unterstützten Separatisten im Osten des Landes weitgehende Autonomie ein.

+++ EIL +++ Das iPhone 6 erscheint, das U2-Album wird damit automatisch auf Platz 1 der Album-Charts katapultiert. Die Schlangen vor den Apple Stores sind aber diesmal deutlich kürzer als erwartet. Menschen in Elvis-Costello-T-Shirts verteilen Werbeflyer für Samsungs Android-Phones.

+++ EIL +++ Sicherheitsfachleute warnen vor einem dramatischen Bug im Android-Browser, der Angreifern weitgehende Zugriffsmöglichkeiten eröffnet und 75 Prozent aller Android-Smartphones betrifft.

+++ EIL +++ Der Marktanteil von Android wächst weiter rasant.

+++ EIL +++ Apple-Chef Tim Cook erleidet in der Talk Show „Charlie Rose“ einen Zusammenbruch und schluchzt: „Das habe ich nicht gewollt!“

+++ EIL +++ Ein Praxistest der Firma Blendtec im Rahmen ihrer beliebten Testserie „Will it blend?“ ergibt: Das iPhone 6 lässt sich ohne das U2-Album sogar deutlich besser im Mixer verarbeiten.

+++ EIL +++ Putin verkündet im russischen Fernsehen: „Niemand hat vor, eine Smartphone-Fabrik zu errichten.“

+++ EIL +++ Nach der Einrichtung der U2-Löschseite – der weltweit ersten Webseite, die speziell dem Löschen von Musik einer bestimmten Band dient – werden auf Twitter Stimmen laut, solche Seiten für weitere Musiker einzurichten, etwa Adele oder Justin Bieber. Apple hat damit erneut die Musikindustrie revolutioniert.

Cyberabwehr killt knuffige Kätzchen

Kürzlich verkündete die Telekom per Presseverlautbarung Investitionen in ein neues „intelligentes Cyberabwehr-Zentrum“. Löblich – und doch bleibt ein Unbehagen.

In Zeiten gezielter und professionell durchgeführter Angriffe auf IT-Infrastrukturen, immer neuer Hacker-Toolkits, eskalierender DDoS-Angriffswellen und alltäglicher Totalüberwachung durch Geheimdienste ist eine Investition, wie sie die Deutscheste Telekom Aller Großkonzerne (kurz: DTAG) in Aussicht gestellt hat, sicher ein richtiger und wichtiger Schritt. Ich will hier auch gar nicht darüber debattieren, was denn eigentlich ein „intelligentes“ Abwehrzentrum ist und ob die Ziegelsteine sich einem IQ-Test unterziehen müssen („Den hier können wir nicht nehmen, der ist dumm wie’n Sack Zement.“). Aber jedes Mal, wenn ich das Präfix „Cyber“ höre, zieht es mir den Magen zusammen.

Das Versatzstück „Cyber“ entstammt dem Begriff „Cybernetics“, zu Deutsch „Kybernetik“, also der Wissenschaft von den Regel- und Steuermechanismen. Es hat aber mit Steuermännern und Regeltechnik herzlich wenig zu tun: Eingang in den Sprachgebrauch fand es vielmehr über den Umweg des Worts „Cyberspace“, das einst in der Science-Fiction- und Fachliteratur künstliche digitale Welten beschrieb.

Die Deutscheste Aller Denkbaren Telekoms bedient sich in ihrer oben genannten Pressemitteilung ausgiebig, ja mit geradezu lästiger Monotonie, dieser „Cyber“-Rhetorik: Da gibt es ein „Cyberabwehr-Zentrum“ zur „Cyberabwehr“ von „Cyberangriffen“ mittels „Advanced Cyber Defense“-Diensten; ein CERT – kein „Computer Emergency Response Team“, wie sonst üblich, sondern, man ahnt es, ein „Cyber Emergency Response Team“ – warnt vor „Cybervorfällen“, die Mannschaft des „Cyberabwehr-Zentrums“ analysiert „Cyberrisiken“, entwickelt für Kunden „Cyberstrategien“ und bietet „Cybersecurity-Dienste“. Dazu gibt es natürlich ein „proaktives“ (*Seufz!*) „Cyber-Sicherheitsmanagement“ gegen „Cyberattacken“ und „Cyberbedrohungen“. Der Linguist spricht hier von „Cyber-Geseier“, der Mediziner von „Digitaldiarrhö“.

Der Preis für die häufigste überflüssige Verwendung einer Phrase aus der Zeit, als Helmut Kohl noch Kanzler war, geht an: die Deutsche Cyberkom. Wir gratulieren.

Der Preis für die häufigste überflüssige Verwendung einer Phrase aus der Zeit, als Helmut Kohl noch Kanzler war, geht an: die Deutsche Cyberkom. Wir gratulieren.

In den 1980er- und 1990er-Jahren war viel derartige Cyber-Rhetorik zu hören, wenn vom Internet oder dem World Wide Web die Rede war. Denn beides galt damals breiten Teilen der Bevölkerung noch als eine Art Science Fiction, und so dramatisierten Presse, Funk und Fernsehen das neue Datentransportmedium und dessen buntes Front-End gerne als – *Trommelwirbel* Huh! Hah! Ooh! *weit aufgerissene Augen* – „CYBERSPACE“.

Heute aber verströmt „Cyber“ längst den gut abgehangenen Geruch von Oma Liesls Wohnzimmer – und zwar drei Monate, nachdem die alte Dame ins Pflegeheim abgeschoben wurde: Es müffelt nach der TV-Serie „Max Headroom“ und dem Film „Tron“, im Bücherregal staubt Neal Stephensons Roman „Snow Crash“ vor sich hin, und der am wenigsten abgestandene Lufthauch empfängt den Besucher, wenn er die Tür zur „Matrix“-Gedenk-Besenkammer öffnet.

Eine geradezu Zombie-hafte Wiederbelebung erfahren die beiden Silben praktisch nur noch als Versatzstück in der Marketing-Sprache von IT-Sicherheitsanbietern, die heute zum Beispiel gerne vor dem „Cyberkrieg“ warnen, während IT-gestützte Kriegsführung längst Praxis ist. Im alltäglichen Sprachgebrauch hingegen ist das Präfix „Cyber“ ausgestorben.

Deshalb, liebe IT-Security-Marketiers: Lasst es in Frieden ruhen! Entcybert die deutsche Sprache! Denn merke: Jedes Mal, wenn in einer Pressemitteilung oder einem Werbetext die Worthülse „Cyber“ auftaucht, stirbt im Web ein süßes kleines LOL-Katzenbaby an malignem Haarausfall.

Und daran wollen Sie doch nicht schuld sein, oder?

Opas Messe-Monolog: „Damals gab’s was, das nannte sich CeBIT…“

„Also, Kinners, jetzt hört dem Opa mal zu, der will euch nämlich was erzählen. Von früher. … Ja, ich weiß: ‚Immer von früher!’ Aber von wann auch sonst? Von der Zukunft etwa? Hehe! Also hört mal kurz auf zu daddeln, ja? … Danke. …

Opa erzählt immer von der CeBIT. Bild: Wolfgang Traub

Opa erzählt immer von der CeBIT. Bild: Wolfgang Traub

Also, ihr wisst doch, da, wo jetzt dieser große, große Offshore-Windpark steht, ja? Da war früher eine Stadt, die hieß Hannover. Und da gab’s jeden Winter eine große, große Computermesse, die nannte sich CeBIT. … Nein, Zucky, CeBIT, nicht Zeh-Bit… ja, sehr witzig, hähä! Nein, kein ‚smartes Hühnerauge’. Das war eine Messe. … Wie? Ja, also, Messe, hm, wie erklär’ ich das jetzt? Also, früher, vor’m Krieg, also vor’m Ersten Krimkrieg, da gab’s ja noch keine HoloScrums, sondern da haben sich die Leute noch so richtig persönlich getroffen, wenn sie sich über Neuheiten… doch, doch, Facebook und Twitter gab’s schon, und etwas namens SMS auch schon, beziehungsweise noch, aber trotzdem sind sie persönlich… Nein, mit dem Auto – ihr wisst schon, Auto, hab ich euch auch schon mal von erzählt – oder mit der Bahn oder dem Flugzeug, die waren damals aber noch nicht so iZeppelin- oder Google-Baloon-förmig, sondern eher so zigarrenförmig mit Flügeln dran… Zigarre? Das ist… also, äh… ach, egal! Auf jeden Fall trafen sich viele, viele Leute auf der CeBIT – Mensch, Zucky, jetzt hör doch mit dem blöden Kichern auf! – und da haben sie sich dann informiert über die neuesten Computersachen. … Hm?… Doch, klar, Sergej, Internet gab’s natürlich schon…. Was? … Wie in’s Internet gegangen? Na, mit Smartphones halt, oder mit Tablets, so kleinen Brettchen, die man streicheln konnte, und dann… Nein, nicht implantiert, die trug man immer mit sich rum…. Ja, unpraktisch, ich weiß, aber… also, die Menschen damals hatten ja noch nicht wie ihr Kinners heute diese iPiercings und SmartBrows oder wie dieser ganze neumodische Online-In-Memory-Datenbank-Kram in der Augenbraue auch heißt, da musste man noch… Na, auf jeden Fall: CeBIT! Also, da war immer ein Riesengedränge und immer total scheußliches Wetter und es war laut und… nein, Sergej, nicht Hurricanes, mehr so Schmuddelwetter, also praktisch der Zustand deines Kinderzimmers, nur halt als Wetterlage, hehe! Und auf der CeBIT hat man dann… ach, Zucky, du daddelst ja schon wieder! Könnt ihr euch denn nicht mal zwei Minuten…? Nein. Offenbar nicht. Ach, ich geh jetzt wieder in mein iSeniorPod und schau RetroTube. Gut’ Nacht!“