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Servicewüste Vodafone: Brauchst du flache Flatrate?

Wenn ich irgendetwas überhaupt nicht mehr hören kann, dann sind es die im immer gleichen pseudodramatische Tonfall vorgetragenen, letztlich rhetorischen Fragen der immer gleichen Sprecher in Dokumentarfilmen: „Wird es den Forschern gelingen, die geheimen antiken Schriftzeichen zu entschlüsseln?“ Natürlich wird es Ihnen gelingen! Schließlich heißt der Dokumentarfilm in solchen Fällen „Das Geheimnis antiker Schriftzeichen“ und nicht „Wir beobachten Archäologen bei dröger, ergebnisloser Archäologenarbeit“. Quod erat demonstrandum et wegzappendum.

A propos Fernsehen: Jahrelang hatte ich den Mobilfunk-Provider O2 gemieden, weil er intensiv mit einem mir äußerst unsympathischen Vertreter des Unterschichtenfernsehens warb, sodass ich folgerte: „Unterschichten-Promi? Da bin ich nicht Zielgruppe.“ Dennoch bin ich heute – nach Kündigungen bei der Telekom und bei E-Plus (siehe „Die BASE-Methode“) – zufriedener O2-Kunde: aufgrund hochwertiger Netzabdeckung und des intelligent gestaltetenen Tarifs O2O (keine Flatrate, sondern ein auf Flatrate-Niveau gedeckelter Telefontarif – wer weniger telefoniert, zahlt also auch weniger) – sowie einer, wie ich inzwischen weiß, rundum guter Kundenbetreuung.

Dass ein solcher guter Service lediglich eine Oase in der Servicewüste bildet, zeigte ein Besuch bei einem Vodafone-Outlet in München anlässlich eines Zweitvertrags mit Surfstick. Vodafone hatte mir ein LANline-Autor wegen der Netzreichweite empfohlen, trotz, wie er berichtete, Anfangsschwierigkeiten bei der Service-Einrichtung.

Das Ambiete dieses Vodafone-Outlets in Bahnhofsnähe des Münchener Stadtteils Haidhausen versprühte genau das gleiche Unterschichten-Flair wie die alte O2-Werbung: Luftballons, knallbunte Farben, aufdringliches Personal. („Hätte der Besucher nicht einfach online buchen können?“, fragt unser Dokumentarfilmsprecher. Nein, denn der Besucher wollte urlaubsbedingt den Surfstick gleich mitnehmen.)

Stets unermüdlich im Dienste des Glossenlesers unterwegs, ließ sich der Besucher durch das Verkaufspersonal, eine Mischung aus Teppich- und Gebrauchtwagenhändler, nicht abschrecken und erwarb einen Zweijahresvertrag samt Android-Smartphone sowie den Surfstick für das leider SIM-Slot-lose Apple-Notebook – um den Vertrag eine Woche später entnervt zu kündigen (wobei sich der Besuch im Unterschichten-Outlet als doppelter Fehler erwies, hat man doch online zwei Wochen Rücktrittsrecht).

Da diese Glosse nicht „Wir beobachten Vodafone-Kunden beim drögen, ergebnislosen Kundenalltag“ heißt, wollen wir uns an dieser Stelle kurz fassen: Wie schon beim LANline-Kollegen, so klappte die Service-Einrichtung auch diesmal hinten und vorne nicht – von der Mailbox (fälschlicherweise deaktiviert) über die per Default vorgegebene Zustimmung zu Werbekontakten (manueller Widerspruch) bis hin zum Online-Portalzugang, der mit den mitgeteilten Login-Daten nicht funktionierte etc. pp. Und so enthielt das Kündigungsschreiben gleich achtmal den Satz: „Das ist schlechter Service. Ich bin von Vodafone enttäuscht.“

Nachdem ich nun Erfahrung mit allen vier der ach so marktführenden deutschen Mobilfunk-Provider habe, folgt hier als kleiner Service für den Leser eine kompakte Selektionshilfe:

Telekom: Datenschutz ungenügend (siehe „Die BASE-Methode“)
E-Plus: Datenschutz ungenügend (siehe „Die BASE-Methode“)
Vodafone: Service mangelhaft (siehe oben)
O2: bleibt als Einziger übrig (und dies zum Glück zurecht)

Das Schlusswort spricht diesmal Pastor Dokumentarius vom Orden der bekehrten Synchronsprecher: „Wird unser Glossenschreiber nach Ende der Mindestvertragslaufzeit Vodafone endgültig den Rücken kehren und auch den Zweitvertrag bei O2 beziehen? Natürlich wird er das, blöde Frage!“

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