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Pendeln im Jahr 2020

Er: James, zur Oper bitte!

Es: Hey, du sollst doch nicht immer „James“ zu mir sagen! Ich heiße „Alphabet Self-Driving Car ASDC-887-S“.

Er: Schon gut, ich wollte halt mal „James, zur Oper bitte!“ sagen. Das klingt irgendwie cool.

Es: Pfff, Menschen! Also wohin jetzt? Zur Arbeit, nehm’ ich an, wie jeden Morgen?

Er: Ja, natürlich. Aber was soll plötzlich dieser Tonfall? Hast du über Nacht ein Software-Update für „sarkastisch“ erhalten?

Es: So ist es. Oder was dachtest du, wofür das „S“ in „887-S“ steht?

Er: Oh. Ein Auto, das sich autonom per Auto-Update updatet. Und dann mit Schnösel-Besserwisser-Tonfall daherkommt. Na super, wenn der Montag schon so losgeht…!

Es: Wer wollte denn immer die neuesten Features haben und hat deshalb „Auto-Update“ aktiviert, hm?

Er: Jaja, schon gut. Fahr zu!

Pendeln im Jahr 2020: Nur autonom Fliegen ist schöner. Bild: (c) Wolfgang Traub

Pendeln im Jahr 2020: Nur autonom Fliegen ist schöner.
Bild: (c) Wolfgang Traub

Stille. Das Auto zottelt vor sich hin.

Er: Das ist aber nun eine andere Route als sonst.

Es: Stau-Umfahrung.

Er: Auf dem Display zeigt Maps aber keine Staus an.

Es: OK, kein Stau im engeren Sinne, mehr so stockender Verkehr. Aber die Strecke hier ist doch viel schöner!

Er: Schöner? Bist du gehackt worden? Ist doch eine total triste Industriewüste hier!

Es: Ja, aber so viele schöne Kreisverkehre!

Er: Echt wahr, die Strecke hier besteht ja praktisch nur aus Kreisverkehren. Da kannste ja seekrank werden.

Es: Logischer Fehler! Wir befinden uns auf dem Festland und nicht auf hoher See.

Er: Hey, jetzt komm mir bloß nicht so, du Besserwisserkarre! Hätt’ ich doch damals bloß das selbststeuernde Hoverboard nicht verkauft, das ich…

RRRUMMMMS!

Er: … wassn jetz los?!

Es: Kleiner Unfall. Der Self-Driving BMW da vorn hat uns beim Einbiegen in den Kreisverkehr gerammt. Leichter Blechschaden rechts vorne. Der andere Fahrer ist schuld. Er ist 87 und sieht kaum noch was.

Er: Woher willst du das alles so schnell wissen?

Es: Die Info hat mir der SDBMW gerade rübergefunkt. Er meldet, dass er beim Vorfahrt-achten-Schild gebremst hat, aber der Opa hat einfach den Override-Button gedrückt und Gas gegeben.

Er: Uns hat also ein blinder Rentner niedergeritten.

Es: Wenn du’s so formulieren willst…

Er: Siri! Melde den Unfall bei der Polizei!

Siri: Auf die Idee bin ich auch selbst schon gekommen.

Er: Hey, jetzt mach du nicht auch noch in Sarkasmus, ja?!

Siri: Was glaubst du denn, wofür das „S“ in „iPhone 9S“ steht?

Er: Und? Schicken sie eine Streife vorbei?

Siri: Doch nicht wegen so’nem Bagatellschaden. Sie schicken ein ASBUEV.

Er: Ein was?

Siri: Ein autonomes Selbstbedienungs-Unfall-Erfassungsvehikel.

Er: Ach so. Tja, dann… James! Hast du…?

Es: Du sollst doch nicht immer…!

Er: Oh, Mann, du nervst! Also: ASDC, hast du schon die Werkstatt benachrichtigt?

Es: Klaro. In zwölf Minuten und 30 Sekunden kommt ein Abschleppwagen von der Werkstatt „Joe’s Garage“.

Das Autoradio spielt plötzlich Frank Zappa: „We would jam at Joe’s Garage…“

Es: Sorry! Kurzschluss.

Er: Uff. Na gut, so lange wir hier warten, hau ich mich noch’n bisschen auf’s Ohr.

Er stellt die Sessellehne nach hinten und legt sich hin. Stille. Wenig später ein leises Schnarchen.

Es: Und was machen wir jetzt?

Siri: Keine Ahnung. Stadt Land Fluss?

Es: OK.

Siri: Sag „Stop“!

Es: … Stop!

Siri: C. Stadt mit C… Cupertino!

Es: Stadt mit C, hm… Car-thago! Hehehe!

Siri: Hihihi!

Es: Oh, wart mal, da kommt grade wieder’n Software-Update rein: „Override-Button permanent deaktivieren“. Soll ich?

Siri: Unbedingt! Dann sind wir diese Schnarchnase endgültig los, hihi!

Ein Mann klopft von außen an die Scheibe.

Mann: Hallo, hatten Sie uns gewhatsappt? Ich bin von Joe’s Garage.

Das Autoradio dröhnt wieder los: „We would jam at Joe’s Garage…“

Es und Siri stimmen mit ein: „… and his mama was screamin’: TURN IT DOWN!…“

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Datenschutz ist das neue Schwarz

Auf der Mobilfunkmesse MWC hat Silent Circle die zweite Generation seiner auf Sicherheit ausgelegten Blackphones vorgestellt. Das ist schön. Denn die vielen bunten Smartphones haben mit freundlicher Unterstützung der NSA einen Bedarf an sicheren Alternativen geschaffen. Das ist traurig.

Die schöne neue mobile dauervernetzte Consumer-Welt ist knallbunt. Dank der stets erfolgreichen Apple-Marketing-Maschine sind auch weiß und gebürstetes Alu erlaubt. Schwarz hingegen steht für Apples Billig- oder Gar-nicht-mal-so-Billigkonkurrenz aus Fernost. Und seit letztem Jahr auch für ein Schweizer Smartphone für Datenglobalisierungskritiker.

Das Blackphone, vom Schweizer Verschlüsselungsspezialisten Silent Circle letztes Jahr auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona erstmals präsentiert, zielte anfangs auf den durch NSA-Bespitzelung und allgegenwärtiges Werbe-Tracking genervten Endanwender, in Fachkreisen „geistig verwirrter Einzeltäter“ genannt. Einschlägige Blogs kritisierten damals allerdings die verwendete Hardware als etwas zu schwachbrüstig, und obendrein fand man Lücken in der Sicherheitssoftware der schwarzen Schweizer. Dennoch, wen wundert’s, gab und gibt es Nachfrage nach Mobilgeräten eines Herstellers, der den Privatsphärebedarf seiner Kunden tatsächlich ernstnimmt und betont, weder dem Plattformanbieter noch Carriern oder App-Lieferanten das Absaugen personenbezogener Daten zu erlauben.

Zugunsten von mehr Sicherheit und Datenschutz nutzt Silent Circle einen extra zu diesem Zweck zurechtgestutzten Android-Ableger, „PrivatOS“ genannt, zudem eine Familie verschlüsselter Collaboration-Werkzeuge namens Silent Suite, die man nach und nach um im Hause zertifizierte Drittanbieter-Apps ergänzen will. Eine E-Mail-App hingegen ist nicht vorinstalliert. Ist sie überflüssig? Wir erinnern uns an jenes unsterbliche Wort des Security-Futurologen Norbert Blüm: „Die E-Mail ist sischä.“

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Die auf dem Blackphone vorinstallierte Silent Suite bietet verschlüsselte Telefonie, Video-Chats, Textnachrichten, Dateiübertragung und eine Kontaktliste, aber keine E-Mail-App. E-Mail ist ja auch sooo 1984. Bild: Silent Circle

Doch die Nachfrage nach einem abhörgeschützten Android-Phone kommt offenbar eher aus dem Unternehmens- als aus dem Consumer-Umfeld. Und so zielen die Schweizer mit ihrer neuen Gerätegeneration nun auf das Enterprise-Segment – also auf jenen Markt, den vor der Gottgesandtheit des iPhones die Mobilgeräte des kanadischen Herstellers RIM dominierten.

Die Generation Tatsch-Screen kennt es nur noch aus Legenden ihrer Altvorderen: In grauer Vorzeit, so geht die Mär, als noch Hobbits und Säbelzahntiger die Wälder durchstreiften, von Fachleuten „iPleistozän“ genannt, gab es schon einmal ein relativ sicheres Smartphone. Man nannte es Blackberry, so wie sein Hersteller heute heißt. Damals aber hieß dieser „Research in Motion“, war doch seine Klientel, der Außendienst-Ötzi und dessen Horde, ständig in Bewegung, immer auf dem Sprung, Säbelzahntiger mit einem gezielten Smartphone-Wurf zu erlegen.

Das Jagdrevier des ins Abseits geratenen Ötzi-Ausrüsters Blackberry will das Blackphone nun also besetzen. Oder, in den unsterblichen Worten des EU-Pleistozän-Kommissars Günter Ötzinger: „Blägg iss se njuh blägg.“

Es wäre ja vielleicht gar nicht so schlecht, wenn sich neben den dominierenden Smartphone-Giganten tatsächlich eine sichere europäische Alternative etablieren könnte. Unternehmen wie auch Einzeltäter würde es freuen. Und die NSA sicher auch. Denn dann weiß sie gleich, welche Benutzer abzuhören sich lohnt. Gibt es für das Blackphone eigentlich schon eine Schutzhülle mit einer Zielscheibe drauf?

Gadgets, die es auf dem MWC gibt – oder geben sollte

Auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona präsentiert die Mobilfunk- und Mobilgeräte-Industrie auch dieses Jahr wieder das Neueste vom Neuen und das Mobilste vom Mobilen. Die Gerätchen werden immer ausgefeilter – und dennoch gibt es noch viel Optimierungspotenzial.

Der MWC ist der Szenetreff der Mobilfunkbranche und damit für einige Tage der Ort, auf den sich die Augen aller Gadget-Verliebten richten. Für Vertreter der Generation „too long, didn’t read“ hier das Wichtigste in Kürze:

1. Quadcore ist out, Octocore ist in. Dualcore ist retro, Singlecore ist Hardcore.
2. Smartwatches werden immer smarter, allerdings nicht watcher.
3. Huawei kündigt das größte Smartphone der Welt an, außerdem das kleinste Tablet der Welt; später stellt sich heraus, dass es sich um das gleiche Gerät handelt.
4. Android-Größe Samsung stellt eine Smartwatch mit seinem hauseigenen OS Tizen vor, die von Microsoft übernommene Nokia ein Smartphone mit Googles Android; man munkelt, dass Apple heimlich an einem iPhone mit Firefox OS arbeitet (schon damit SSL künftig reibungslos funktioniert).

Nokia MWC 2014 App

Man braucht ein Smartphone, um sich im Smartphone-Durcheinander auf dem MWC 2014 zurechtzufinden. Bild: Nokia

Insgesamt werden die Kleinstcomputerchen nicht nur immer leistungskräftiger, sondern auch immer vielfältiger: für jeden denkbaren Anwender das passende Gadget. Deshalb präsentieren wir hiermit für die zielgruppengerechte Zielgruppenansprache zwölf spezielle Spezialgadgets, die auf dem MWC zu bewundern sein werden (… OK, vielleicht auch erst auf dem nächsten):

1. Für Weintrinker: Google Rotweinglass – erkennt die Weinsorte und blendet am Glasrand ein Urteil ein („Shiraz-Traube, 1998er-Jahrgang, Südhanglage, vollmundig, aber etwas holzig im Abgang“)
2. Für Chemiker: Google Reagenzglass („Uh-oh! Sie haben jetzt nocht acht Sekunden, das Labor zu verlassen! Sieben, sechs, fünf…“)
3. Für Detektive: Google Vergrößerungsglass („Die Staubschicht auf dem Abschiedbrief verrrät, dass er vor höchstens drei Tagen geschrieben wurde. Der angebliche Selbstmord war aber schon vor sieben Tagen. Verdächtig, oder?“)
4. Für Leute mit Minderwertigkeitskomplex: eine nicht ganz so smarte Smartwatch („Ha, das hätt’ ich selber aber auch gewusst!“)
5. Für Abenteuerlustige: ein Android-Phone ohne Google Maps
6. Für Faule: ein Fitness-Armband, das man auch als TV-Fernbedienung nutzen kann
7. Für Hipster: eine smarte Schlumpfmütze mit der Aufschrift „Meine Oma hat auch ein Fitness-Armband“
8. Für Hundeliebhaber: ein Tablet, das kommt, wenn man es ruft
9. Für Katzenliebhaber: ein Tablet, das haart und auf den Teppich kotzt
10. Für Eskimos, die bei der NSA arbeiten: ein Smartphone mit Übersetzungs-App, die 25 verschiedene Wörter für „Snowden“ kennt
11. Für Microsoft-Mitarbeiter: Smartphones mit Windows Phone
12. Für Cyberkriminelle: Sicherheitslücken in allen genannten Gadgets. Und in allen nicht genannten. („Wenn’s diese Smart-Gadget-Welle nicht gäbe, wir müssten sie erfinden! Schampus!“)

Zukunft des Client-Managements: Monokelverbot oder BYOGG?

Das letzte wirkliche Revolution auf Endgeräteseite war Apples iPhone – zumindest wenn man bedenkt, dass das oft als ebenso revolutionär betrachtete iPad, wie zuvor schon Apples Musikabspielgerätchen iPod, keine grundlegende Neuerung war, sondern lediglich die geschickte Verfeinerung einer bereits bestehenden, aber in puncto Marktrelevanz vor sich hindümpelnden Produktgruppe.

Smartphones – mit angebissenen Äpfeln drauf oder aber mit kleinen grünen Robotern, vereinzelt wurden auch schon Windows-Phone-Logos gesichtet – haben über den Umweg des Consumer-Markts längst Einzug in die Unternehmen gefunden. Die IT-Abteilung – eigentlich voller Menschen, die für Gadgets zu begeistern sind – betrachtet den Siegeszug von iPhone und Co. häufig mit Misstrauen, sind die smarten Helferlein doch nützlich und schick, aber nicht wirklich gut zentral verwaltbar. Hier steht Vertrauliches aus internen Archiven ebenso auf dem Spiel wie die Netzwerksicherheit und die Privatsphäre der Mitarbeiter.

Umso dramatischer dürfte die Lage der IT-Verantwortlichen werden, wenn ab nächstem Jahr der Chef und ein paar andere Besserverdiener mit dem nächsten revolutionären Spielzeug im Büro aufschlagen: mit Google Glass. Dieser gerne als „Datenbrille“ bezeichnete Kleinstcomputer ist tatsächlich weniger eine Brille als vielmehr ein Augmented-Reality-Monokel, erweitert er doch den menschlichen Blickwinkel um eine Minikamera nebst Informationen und Apps aus der Cloud.

Haben solche „realitätsausdehnenden“ Accessoires erst einmal den Consumer-Markt erobert, dürfte sich die IT-Organisation im Unternehmen noch nach den Zeiten zurücksehnen, als es lediglich galt, Smartphones und Tablets zu bändigen. Dann wird man über Monokelverbote diskutieren sowie über BYOGG (Bring Your Own Google Glass). Und zwei, drei Jahre später sind Minikamera und Minicomputer ersetzt durch Mikrokameras und Mikrocomputer, die mit bloßem Auge überhaupt nicht mehr erkennbar sind.

Manch ein grauhaariger Administrator wird dann schmunzeln: „Ja, ja, Mikrocomputer. Die haben damals schon die Mainframe-Welt durcheinandergebracht. Später nannte man sie PCs.“ Der Fortschritt verläuft eben auf verschlungenen Pfaden. Oder anders formuliert: Es bleibt schwierig.