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Kindinger Mitteilungen (1): Fortschritt liegt in der Nase des Betrachters

Das Redaktionsbüro Mitteilerei (inklusive meiner Wenigkeit) ist zum Jahreswechsel in die Provinz gezogen, genauer: ins Altmühltal, noch genauer: nach Kinding, somit in ein Dorf in der Nähe des schönen und sommers sogar recht touristischen Städtchens Beilngries. Besuchen mich nun Freunde oder Bekannte aus der alten Münchner Heimat, so geben sie sich immer wieder bass erstaunt über die Infrastruktur der Altmühltaler Provinz. „Oho“, spötteln sie dann, „ihr habt hier ja sogar fließend Wasser, und das nicht mal nur in Form von Altmühl, Schwarzach und kleinen Gebirgsbächen!“

In der Tat hat auch das Leben außerhalb des Münchner S-Bahn-Bereichs gar manche moderne Annehmlichkeit zu bieten: Es gibt elektrischen Strom mit den vollen 220 Volt, sanitäre Einrichtung innerhalb der Gebäude (darauf lege ich großen Wert) und sogar geteerte Straßen. Letzteres zwar nicht direkt vor meinem Haus, da befindet sich ein altmodischer Schotterweg, aber vom Fenster aus habe ich diverse geteerte Straßen im Blickfeld, jawohl!

Und schließlich, für mich überhaupt das Wichtigste: Ich beziehe hier eine DSL-Verbindung (mangels Alternativen von der Deutschesten aller Telekoms) mit 16 MBit/s – also ebensoviel, wie mir in München zur Verfügung stand. Mit Grausen denke ich an die ersten Wochen zurück, als die DSL-Leitung noch nicht geschaltet war und ich mich mit UMTS behelfen musste (oder mit dem, was Vodafone hier in der Gegend dafür hält und mir telefonierende Autofahrer auf der nahegelegenen Autobahn an Funkkanälen übrig lassen).

Glasfaser bis vor jede Haustür, wie sie der Regionalversorger M-Net in München gerade unter so ziemlich jedem Gehweg verbuddelt hat, werde ich in Kinding wohl nie erleben, aber bislang fehlen mir die 100 MBit/s nicht. Umso mehr genieße ich die Dinge, die ich aus München kenne, die es aber hier ebenfalls nicht gibt. Um nur ein Beispiel zu nennen: In ganz Beilngries – obwohl, wie erwähnt, ein schönes und sommers sogar recht touristisches Städtchen – gibt es weder einen McDonald’s noch ein anderes Etablissement jener im sehr, sehr weit gefassten Sinne Restaurantketten, welche die Städte dieser Welt wie Ausschlag befallen und Familien nebst Touristen auf der Suche nach vertraut aussehendem Einheitsbrei ebenso versammeln wie – Erfahrungswert aus München – sehr viel Nachwuchs ebenso bildungs- wie vitaminferner Schichten.

Den unangenehm penetranten Geruch des Frittieröls jener Junk-Food- (auf Deutsch also Müll-Essen-) Buden kenne ich seit Kindheitstagen. Es riecht dort immer gleich, was bei mir schon mal den Verdacht weckte, dort würde wohl seit 1977 immer noch mit dem gleichen Kanister Öl frittiert. Das ist sicher Quatsch. Bestimmt kommt das Frittieröl bei McDonald’s von stets frisch geernteten Frittierölzweigen glücklicher, freilaufender Frittierölbäume aus Bodenhaltung. Dennoch ist es für mich ein Stück Lebensqualität, diesem Gestank von nun an ebensowenig ausgesetzt zu sein wie weiträumig verstreuten Verpackungsresten der Junk-Food-Vertilger.

Dafür gebe ich mich gerne mit 16 MBit/s zufrieden. Vorerst zumindest.

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