Die BASE-Methode: Wie man Kunden schnell verscheucht

Unter den Mobilfunk-Providern herrscht offenbar ein regelrechter Wettbewerb, wie man frisch angelockte Neukunden am schnellsten wieder vergrault. In Mobilfunkerkreisen weiß man: Das Wort „Vertrieb“ kommt von „vertreiben“. Und so habe auch ich kürzlich einem Provider, der hier namenlos bleiben soll, eine schriftliche Kündigung geschickt, nachdem dieser einen heimtückischen Kundenvertriebs-Trick angewandt hatte: „Belästigende Anrufe schüren Ekel“, in Fachkreisen unter dem Akronym „BASE“-Methode bekannt.

Die widerliche BASE-Methode funktioniert wie folgt: Von günstigen Tarifen und flexiblem Abrechnungsmodell angelockt, schließt der Kunde einen Vertrag mit dem namenlosen Provider. Der Kunde legt bei Vertragsabschluss großen Wert darauf, dass jeglicher Kontakt zu Werbe- und angeblichen „Marktforschungs“-zwecken vertraglich ausgeschlossen wird, hat er doch zuvor einschlägige – sprich: negative – Erfahrungen bei einem großen deutschen Mobilfunker gemacht, der hier ebenfalls ungenannt bleiben soll (davon später mehr).

Einige Wochen später erhält der Kunden dann trotzdem einen Anruf vom Call Center des (zurecht namenlosen) Providers: Wie man mit dem Service zufrieden sei, und ob man nicht weitere Kontaktdaten von sich preisgeben möchte, für „interessante neue Angebote“, und „falls mal eine Frage bezüglich der Rechnung sein sollte“. Der Kunde – der an dieser Stelle innerlich bereits gekündigt hat – gibt nun zu verstehen, dass er an „interessanten neuen Angeboten“ nicht interessiert ist, und falls Probleme mit der Rechnung aufträten, habe der namenlose Provider ja seine Adresse und Telefonnummer. Und legt auf. Prompt – das ist der Clou der BASE-Methode – erhält der (innerlich-bereits-Ex-) Kunde ein Schreiben, das ihn informiert, dass er telefonisch seine Zustimmung zu Werbe-, Marktforschungs- und Blahblahblah-etc.-Anrufen gegeben habe.

Tja, und dann setzt sich der Kunde eben hin und schreibt jene Art Brief, die mit „Damen und Herren“ (aber ohne „Sehr geehrte“) beginnt und „Ohne jeglichen Gruß“ endet. Ein voller Erfolg für die Verfechter der BASE-Methode, denn Kunden machen schließlich nur Arbeit (was man bei der Post und der Bahn ja schon längst begriffen hat und bekämpft).

Zum namenlosen Provider hatte der Kunde übrigens nur deshalb gewechselt, weil der große deutsche (aber, falls ich das noch nicht erwähnt hatte: ebenfalls namenlose) Mobilfunker mit einer ähnlich perfiden Kundenvertriebsmethode arbeitet: Selbst wenn man beim Vertragsabschluss explizit sagt, man möchte keine Werbung, bleibt heimlich eine Klausel erhalten, dass der Perfide den Kunden selbst im Jahr nach der Kündigung noch mit Werbung belästigen darf. Widerspricht der Kunde dann per E-Mail diesem Passus, erhält er wenig später Werbung – an die E-Mail-Adresse seines Widerspruch-Versands.

Diese Methode ist so abstoßend, dass es im deutschen gar kein Akronym dafür gibt, nur im Amerikanischen. Dort heißt dieses Vorgehen „The Most Obviously Boneheaded Illegal Lure Ever“, kurz „T-…“ – nein, die Finger weigern sich, so ein böses Schimpfwort zu schreiben.

Nach zwei Einschreiben „ohne jeglichen Gruß“ hat der Kunde in Deutschland damit nur noch zwei verbleibende Mobilfunk-Carrier zur Auswahl. Er ist gespannt, welche Vertriebsweisen sich diese beiden Provider einfallen lassen werden. Und er fragt sich, was er wohl machen wird, wenn er alle vier Anbieter mit allen vier Kundenvertriebsmethoden durchexerziert hat. Vielleicht wird er dann die private Kommunikation ganz auf Twitter umstellen. Telefonieren ist eh sooooo 20. Jahrhundert – und aus diesem Jahrhundert sind wir alle schon vertrieben.

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Eine Antwort zu “Die BASE-Methode: Wie man Kunden schnell verscheucht

  1. genervter Base Kunde

    Sehr schöner Beitrag, welchen ich nur bestätigen kann.
    Sobald der Kunde nicht mehr genügend Umsatz generiert wird er rausgeeckelt.
    Aber für solche netten Fälle gibt es ja die Handy-eigene Funktion der Nummernsperre

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