CES 2015: Wenn Smart Devices wirklich „smart“ wären

Immer zum Jahresanfang überschwemmt die Computerindustrie auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas den Markt mit neuen „smarten“ Gadgets. Wenn diese allerdings wirklich smart wären, würden sie sich ganz anders verhalten.

Smartphones zum Beispiel sind nützlich, ja, aber alles andere als „smart“. Es handelt sich schlicht um Hosentaschencomputer, mit denen man viele Dinge unterwegs und damit zügiger, aber allzu oft umständlicher – statt intelligenter – erledigen kann als mit dem guten alten Desktop-Rechner zu Hause oder im Büro.

Wären Smartphones wirklich intelligent, würden sie alles abblocken, was uns nicht tatsächlich interessiert – Spam-Mails ebenso wie Werbebanner, Troll-Kommentare und Anrufe von Call-Centern oder Schwiegermüttern. Sie würden merken, wenn man auf dem Weg zum Flughafen ist, und automatisch schon mal die für die Flugdauer und ein paar Warteschleifen erforderlichen Videos und Podcasts laden – natürlich keine albernen Katzenfilmchen, sondern nur verpasste „Last Week Tonight“-Shows mit John Oliver oder die neueste Folge von „The Good Wife“. Sie würden „Hallo, hier bin ich!“ rufen, wenn man sie mal wieder verzweifelt sucht, und „Häng mich an die Steckdose!“, wenn der mickrige Restbalken der Batterieanzeige im tiefroten Bereich versumpft.

Wie aber sieht es wirklich aus? Man kann auf der Rolltreppe E-Mails beantworten, indem man mit den Daumen auf einem Mini-Display herumdrückt, und sich dabei über schlecht zugängliche Sonderzeichen ärgern. Und natürlich WhatsApp-Meldungen verfassen: „Bin gerade auf der Rolltreppe“ oder „Laufe gerade ohne zu gucken in der Gegend rum.“ Smart ist so ein Smartphone nur im Vergleich zu dem Laternenpfosten, gegen den der dauerdaddelnde Dumm-User früher oder später knallt.

Groß in Mode auf der CES, wie auch schon letztes Jahr: sogenannte „Smart TVs“. Dabei ist „Smart TV“ ein Widerspruch in sich. Wäre ein Fernsehgerät wirklich smart, würde es vor Scham rot anlaufen und sich selbst abschalten. Nicht nur wegen des Niveaus der meisten deutschen TV-Produktionen, sondern auch, weil es erkannt hat, dass es zu absolut nichts gut ist, was ein Notebook oder Tablet nicht auch kann.

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.  Bild: Samsung

Dass ein Fernsehgerät smart ist, erkennt man daran, dass das Bild schwarz bleibt, wenn der Benutzer „Bauer sucht Frau“ gucken will.
Bild: Samsung

In der Automobilindustrie wiederum klopft man sich heute gern gegenseitig auf die Schulter, weil man es geschafft hat, „Smart Cars“ herzustellen. Gemeint sind damit nicht Daimlers kugelförmige Kleinstwägen gleichen Namens, sondern Autos mit Bordcomputer (gibt’s schon lange) sowie – Trommelwirbel! Tusch! Ta-dah! – eingebautem Touchscreen.

Es ist ja nett, dass moderne Autos merken, wenn etwas nicht stimmt, und Warnhinweise ausgeben. Aber Touchscreens im Armaturenbrett braucht kein Mensch – da hätte eine solide Halterung mit Schnappverschluss für’s iPhone oder iPad genügt, vielen Dank.

Ein wirklich smartes Auto würde dem Fahrer bei Innenstadtfahrten raten: „Nimm besser die U-Bahn. Da bist du zehn Minuten schneller am Ziel, schonst Nerven wie auch Umwelt und musst nicht erst noch zur Parkplatzsuche 28-mal um den Block fahren. In München-Schwabing gibt’s nämlich keine Parkplätze. Eher geht ein Kamel wie du durch ein Nadelöhr, als dass es in Schwabing eine Parklücke findet, kapiert?! Und jetzt zieh’ Leine, damit ich mit den anderen Autos hier im Parkhaus weiter in Ruhe ‚World of Carcraft’ spielen kann!“

Und nun will uns die Gadget-Industrie auch noch „smarte“ Gerätchen für die optimierte Fitness aufschwatzen: Bunte Armbändchen messen Körperfunktionen und reichen die Messwerte an das ach so smarte Phone weiter. Diese Werte sollen uns dann ein schlechtes Gewissen bereiten, auf dass wir mehr Sport treiben mögen.

Nützlicher allerdings als eine Pulsmessung oder eine Chronik zurückgelegter Marschkilometer wäre ein Armband, das dem Benutzer jedesmal einen Stromschlag verpasst, wenn er den Fuß in einen McDonald’s, Burger King oder eine andere Junkfood-Bude setzt – und zwar keinen müden 1,5-Volt-Schlag, sondern einen, bei dem sich der Armbandträger hinterher fragt: „Hatte ich eigentlich schon immer eine Frisur wie Jimi Hendrix?“

Solche Geräte würden das Attribut „smart“ wirklich verdienen. Alles andere ist dummer Elektroschrott. Das wäre halb so tragisch, wenn wenigstens ein effizientes Recycling der Dumbtech-Einwegware schon erfunden wäre.

Dies führt uns zu unserer heutigen Quizfrage: Gibt es ein smartes Recycling von „smarten“ Gadgets?

[ ] Ja
[ ] Nein
[ ] Weiß nicht
[ ] Wie war nochmal die Frage?

Die richtige Antwort schreiben Sie bitte auf eine Postkarte und tapezieren damit das Display Ihres Smartphones.

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