Das Märchen vom Twitter-Erfolg der New Yorker Polizei

So, Kinners, dann lasst doch mal kurz die Finger von WhatsApp, der nette Onkel will euch eine Geschichte erzählen. Mit Happy End! Also, mit einer Art Happy End.

Es war einmal vor langer, langer Zeit – nämlich im April – in einem fernen, fernen Land, das heißt USA. Da gibt es eine Stadt, die der Rest des fernen Landes gar nicht so richtig zum fernen Land zählt, die heißt New York. Da gibt es viele reiche Leute, die sich teure Apple-Notebooks leisten können, und darum heißt die Stadt auch Big Apple.

Im Big Apple gibt es nicht nur viele Reiche, sondern auch viele Kriminelle. Und viele reiche Kriminelle, die heißen „Investment-Banker“. Und um die Menschen vor den Kriminellen mit Ausnahme der reichen Kriminellen zu schützen, gibt es da so schwarz gekleidete Aufpasser, die heißen New York Police Department. Und weil alles eine Abkürzung haben muss, heißen die auch NYPD.

Und weil die sich für eine besonders feine Polizeitruppe halten, nennen sie sich selber „New York’s Finest“. So richtig fein finden manche New Yorker das NYPD aber gar nicht. Weil die nämlich schon mal mit ihren Schlagstöcken draufhauen, wenn New Yorker gegen die reichen Kriminellen demonstrieren. Und außerdem gibt es in New York so ein Gesetz, das erlaubt es der Polizei, immer und überall Menschen anzuhalten und zu durchsuchen, wie ihr Kinners das vielleicht von den Kontrollen am Flughafen her kennt. Das heißt dann „Stop and Frisk“.

Am liebsten durchsuchen die Polizisten junge schwarze Männer, was die aber auf Dauer nicht so märchenhaft finden. Weil die fragen sich dann, warum „New York’s Finest“ immer nur sie anhalten und durchsuchen, aber nie „Wall Street’s Finest“, und finden die Polizei überhaupt unfein.

Darum waren die Polizisten ganz traurig und rauften sich die Haare und wollten dem Volk verkünden, wie fein sie wirklich sind. Da hatte ein großer Social-Media-Zauberer die Idee, das NYPD könnte auf Twitter einen Hashtag #myNYPD starten und sich von den Menschen wünschen, dass sie Fotos von sich und den feinen New Yorker Polizisten tweeten. Die Idee fand das NYPD ganz toll, und also taten sie wie vom Social-Media-Zauberer geheißen.

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Mit Twitter kann man sehr gut die eigene Beliebtheit ermitteln. Da kann auch gar nichts schiefgehen.

Daraufhin haben viele, viele Menschen Fotos von sich mit feinen Polizisten getweetet. Aber andere mit so komischen Namen wie @OccupyWallStNYC haben dann Fotos getweetet, die zeigten, wie New Yorker Polizisten andere New Yorker mit Tritten und Schlagstöcken verfeinern. Und wie sie gegen schwarze Jugendliche vorgehen, die nicht dauernd gestoppt und gefriskt werden wollen. Das waren dann keine so wahnsinnig feinen Fotos vom NYPD.

Und drum gab es dann ein großes Hallo im Internet, und alle lachten und spotteten, dass die Twitter-Kampagne des NYPD in die Hose gegangen sei. Das ärgerte die Polizisten, und so schickten sie ihren besten und weisesten Märchenonkel vor, und der verkündete dann dem Volk: „Das NYPD schafft neue Wege, um effektiv mit der Community zu kommunizieren. Twitter bietet ein offenes Forum für unzensierten Austausch, und dies ist ein offener Dialog, der gut ist für unsere Stadt.“

Da nickten alle und sagten: „Ja, das NYPD, das sind wirklich New York’s Finest.“ Und da freute sich das NYPD und feierte ein großes Fest und die Polizisten lachten und tanzten auf den Straßen. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann stoppen, frisken und tweeten sie noch heute.

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