IT-Sicherheit im Wearable-Zeitalter – ein Drama in einem Akt

Der Flur eines Bürogebäudes, die Wanduhr zeigt 8:00 Uhr morgens. Kunstlicht, im Hintergrund eine Eingangstür zum Bereich „Forschung und Entwicklung“, daneben eine Wand von Schließfächern; davor ein Türsteher mit Bodybuilder-Figur, Metallica-T-Shirt, verschränkten Armen und „Alter, mit diesen Schuhen kommst du hier nicht rein“-Blick. Der Geschäftsmann K. tritt mit Aktentasche von rechts auf und hält neben dem Türsteher an.

Türsteher: Guten Morgen, der Herr! Na, dann wollen wir mal Notebook, Smartphone und Tablet hier im Schließfach deponieren, nich wa?! Weil nämlich Vorschrift, nich wa: nix, was eine CPU oder’n Chip oder sowas drinne hat, kommt hier rein, aber auch gar nix! Klaro?!

[K. legt sorgsam Notebook, Smartphone und Tablet in ein Schließfach.]

Türsteher: Brav. Und die Armbanduhr da? Sicher so ’ne Smartwatch mit Bluetooth, oder?

[K. blickt den Türsteher ernst an, nimmt dann die Uhr ab und legt sie ins Schließfach.]

Türsteher: Und? Hamwa auch nix vergessen? Wie wär’s denn zum Beispiel mit diesem Google Glass da auf Ihrer Nase?

[K. zögert kurz, legt dann aber auch noch sein Google Glass ins Schließfach.]

Türsteher: Ach, und dieses Armband da, das ist doch sicher so’n Wearable-Dings mit Computer-Messung vom Puls und was weiß ich noch alles, hm?

[K. streift mit einem Seufzer auch noch sein Wearable ab und legt es weg.]

Türsteher: BEIDE!

[K. rupft sich ein zweites Wearable vom anderen Handgelenk und wirft es ins Schließfach dem ersten hinterher.]

Früher war mehr Privatheit.

Früher war mehr Privatheit.
Bild: Wolfgang Traub

Türsteher: Na, geht doch! Äh, tja, und sonst? Irgendwelche smarten Klamotten oder sowas?

[K., bislang in Anzug und Krawatte, zieht ein Kleidungsstück nach dem anderen aus und stopft es mit zunehmendem Nachdruck in das allmählich überquellende Schließfach, bis er nur noch in der Unterhose dasteht. Dann zögert er erneut.]

Türsteher: Hey, is’ ja gut, Mann! Sie werden ja hoffentlich nicht auch noch’n RFID-Chip in der Unterwäsche haben, oder? … Ich mein’, ihr Forscher und Entwickler seid ja sicher sehr technikbegeistert, aber…! … Nee, jetzt nicht ernsthaft, ne?

[K. zieht seine Unterhose aus und legt sie ins Schließfach.]

Türsteher: OK, Leute, das war’s. Ich kündige. Da sind mir ja die Bekloppten im Technoschuppen noch lieber! [Stampft entnervt von der Bühne.]

[K. bleibt nackt und allein zurück. Er nimmt ein Stück Kreide aus seinem Schließfach und macht einen kurzen senkrechten Strich auf die Innenseite der Schließfachtür. Der Strich ist in einer Kreide-Strichliste die Nummer 22. Nun legt K. die Kreide zurück, schließt das Schließfach und geht – nackt und mit leerer Aktentasche – durch die Tür „Forschung und Entwicklung“ ab.]

K. [im Abgehen, kopfschüttelnd]: Jeden Morgen das gleiche Theater…

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