Der Spion, der mich leakte

Edward Snowden – der IT-Spezialist, der durch Aufdeckung der Prism- und Tempora-Abhörskandale zunächst beim britischen Guardian und dann weltweit Schlagzeilen machte – wünscht sich bestimmt, die öffentliche Debatte würde sich statt auf seine Person besser auf die Inhalte seiner Enthüllungen konzentrieren – mithin auf das, was von der Süddeutschen Zeitung zurecht als „heimlicher umfassender Big-Data-Angriff auf die Bevölkerung eines befreundeten Landes“ kritisiert wurde. Die Kritik der Bundesregierung an diesen Vorkommnissen fiel bislang recht milde aus – es darf also munter spekuliert werden, ob der BND ähnlich vorgeht und nicht minder großflächig mithört, -liest und -analysiert.

Stattdessen konzentrieren sich viele Medien lieber auf die – oberflächlich dramatischere – Frage, wo sich Snowden auf seiner Flucht vor den US-amerikanischen Behörden wohl gerade verstecke: nicht mehr in Hong Kong, derzeit wohl in Moskau, auf dem Weg nach Ecuador etc. pp. Da berichten Reporter über leergebliebene Flugzeugsitze, und der lupenreine Demokrat Putin kann darauf verweisen, dass Snowden derzeit noch auf dem Gelände des Moskauer Flughafens in Sicherheit ist.

Die vor den Augen – bzw. den Kameras – der Weltöffentlichkeit ablaufende Jagd des US-Geheimdienstes nach einem einzelnen Whistleblower, der ein hohes Gehalt und ein sorgloses Leben auf Hawaii für seine moralischen Ansprüche aufgegeben hat, könnte direkt einem Spionagethriller entsprungen sein. Und das kommt bei uns Medienkonsumenten natürlich viel besser an als die Aufarbeitung einer so komplexen und grauschattierten Angelegenheit wie flächendeckende Abhörmaßnahmen zum Zweck der Terrorabwehr – verbunden mit der schwierigen Frage, wie weit diese gehen muss und darf oder wie hier demokratisch legitimierte Kontrolle möglich sein könnte.

Widmen wir uns hier deshalb nun der drängendsten Frage, die sich aus dem NSA-Skandal ergibt: nämlich der, die der sicher bald zu erwartende Hollywood-Film über die Jagd nach Edward Snowden wohl heißen wird. Hier erste Vorschläge:

Der Spion, der aus der Wärme kam
James Bond jagt Dr. Sno
Leakergrüße aus Moskau
Man leakt nur zweimal
Lizenz zum Leaken
Snowfall
Leak After Reading

Eine unkontrolliert wuchernde Überwachung, wie sie sich George Orwell nicht besser hätte ausdenken können, braucht Korrektive – und sei es notfalls in Form eines Whistleblowers wie Edward Snowden. Man möchte ihm deshalb die Daumen drücken, dass die Geschichte für ihn ähnlich gut endet wie die des von Walter Matthau verkörperten Whisteblowers Miles Kendig im US-Spielfilm „Hopscotch“ (auf Deutsch: „Agentenpoker“). Wer diesen Film nicht kennt: Anschauen, es lohnt sich! Denn damals – 1980 – durfte man einen Whistleblower in Hollywood noch lustig finden.

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