Epische Schatzsuche: Neue Software braucht das Land

Viel war in den letzten Jahren die Rede von „Gamification“, also davon, Applikationen, Apps und Websites mit spielerischen Elementen anzureichern, um deren Benutzung für den Endanwender reizvoller zu gestalten. Geschehen ist aber wenig. Natürlich gibt es Lernspiele zum Beispiel für das Security-Awareness-Training; natürlich hat heute jede Social Site einen Fortschrittsbalken, der neue User dazu animieren soll, ihr Profil vollständig auszufüllen; natürlich erhält man Auszeichnungen (Badges), wenn man auf Foursquare an möglichst vielen Lokationen „eincheckt“; und natürlich hat LANline.de ein mit Gamification-Elementen aufgepepptes Social Network für IT-Profis, bei dem man – voll krass der Wahnsinn – Art und Häufigkeit der User-Beiträge sofort an der Badge-Sammlung des Anwenders erkennt. (Full Disclosure: Der Verfasser dieser Zeilen war maßgeblich an der Gamification von LANline.de beteiligt und ist deshalb vielleicht nicht 100-prozentig unvoreingenommen.)

Aber wo bleiben denn bitte die Business-Applikationen, die man tatsächlich gerne benutzt? Wo bleibt der E-Mail-Client, bei dem das Löschen unerwünschter Nachrichten als Ego-Shooter gestaltet ist (und man für das Killen von 100 Spam-Mails ein neues Leben erhält, yeah!)? Wo die Tabellenkalkulation mit der „Epic Quest“, endlich mal ein Spreadsheet ohne fehlerhafte Zellenbezüge zu erstellen? Könnte bei Finanzinstituten und Marktforschern der Hit werden. Und wo bleibt die Präsentationssoftware, die den Verfasser einer Slideshow bei mehr als drei nervtötend animierten Folienübergängen mit „Tröööt! Thank you for playing!“ sofort wieder auf die erste leere Folie zurückschickt und bei Null beginnen lässt?

Status quo der Entwicklung unterhaltsam bedienbarer Geschäftsanwendungen, dargestellt als Fortschrittsbalken.

Status quo der Entwicklung unterhaltsam bedienbarer Geschäftsanwendungen, dargestellt als Fortschrittsbalken.

Also, Softwarehäuser dieser Welt, hört die Signale! Wenn ihr euch gegen die Invasion all der schicken Consumer-Apps durchsetzen wollt, die Apple uns ans Handgelenk schnallen und Google gleich direkt auf’s Auge beamen will, dann wird’s aber langsam Zeit, den Spaßfaktor-Fortschrittsbalken über den einstelligen Prozentbereich hinauszubewegen. Macht euch endlich mal auf die epische Suche nach der Business-Software der Zukunft!

Aber wahrscheinlich bräuchte man dazu erst mal spielifizierte Entwicklungsumgebungen: Massive Multi-Player Online Role-Playing Programming Environments – als Akronym schlage ich „MMORPPE“ vor. Wie wär’s denn etwa mit „World of Codecraft“ oder „Call of Duty: Eclipse“?

Bis MMORPPEs eines Tages virale Verbreitung gefunden haben, müssen sich die Business-Endanwender aber wohl mit dem SAP-GUI begnügen. Und das Smartphone mit den vielen bunten Apps heimlich immer in Reichweite haben.

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