Der Chefkoch empfiehlt heute: IT-Buchstabensalat mit Akronym-Dressing

In der Fachsprache der IT – wie in jeder Fachsprache, aber man erhält schnell den Eindruck, in der IT ganz besonders – wimmelt es nur so von Akronymen. Das fängt schon damit an, dass „IT“ selbst ein Akronym ist, steht es doch für das englische „Information Technology“ und damit radebrechend eingedeutscht für „Informationstechnologie“. Denn ein Akronym – wie jeder Bildungsbürger mit humanistischer Erziehung weiß, aber ebenso jeder, der in der Lage ist, „Akronym“ korrekt in die Browser-Zeile zu tippen und dann den Wikipedia-Eintrag zu lesen – ist ein Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben anderer Wörter besteht. Oder, auf eine einfache Formel gebracht: „Abk.“ ist eine Abkürzung, „EDV“ ist ein Akronym.

130508Akronym

Akronyme sind verbreiteter, als man zunächst denken mag, man denke nur an den ADAC, PVC oder den FC (hier Fußballverein nach Wahl einfügen). Der Verfasser dieser Zeilen hegt sogar den Verdacht, dass das so oft gedankenlos dahingesagte Wort „Europa“ ein Akronym ist, und zwar für „Extrem unübersichtliche Regierungsorganisation zur Produktion von Agrarsubventionen“. Im IT-Kauderwelsch sind Akronyme nochmals häufiger als im deutschen oder europäischen Alltag, und zwar gefühlt um den Faktor zehn.

Die meisten Akronyme, wie eben „IT“, spricht man als Buchstabensalat aus. Die praktischste Variante von Akronymen hingegen sind jene, die selbst wieder ein ganz normales (Kunst-)Wort bilden, zum Beispiel „LAN“. Hinzu gesellen sich Mischformen aus Buchstabensalat und Kunstwort wie etwa „WLAN“ sowie Akronyme, die eigentlich als Folge einzelner Buchstaben gesprochen werden, die aber ein besonders alberner Mensch – der Verfasser dieser Zeilen hingegen niemals! – scherzhaft als Wort aussprechen könnte, zum Beispiel „UMTS“.

Einen akuten Fall von Akronymitis hat der derzeitige Trend zur mobilen IT-Nutzung ausgelöst, oder genauer der daraus in Unternehmen entstandene Bedarf an Verwaltungswerkzeugen zur Bändigung der neuen mobilen Unübersichtlichkeit. Da gibt es MDM (Mobile-Device-Management), MAM (Mobile-Application-Management), MIM (Mobile-Information-Management), MSM (Mobile-Security-Management) und so weiter und so fort bzw. usw. usf.

Nach Berechnungen des VdZ (Verfassers dieser Zeilen) werden die Marketiers der „Mobile-was-auch-immer-Management“-Anbieter in spätestens 17 Monaten das gesamte Alphabet ausgeschöpft haben, von MAM bis MZM (Mobile-Zucchini-Management). Dann werden die Akronymschöpfer wahrscheinlich in bewährter Manier auf mehr-als-dreistellige Akronyme ausweichen, getreu jenem altbekannten Werbeslogan: „Wollt ihr MDM? – Nein! – Wollt ihr MAM? – Nein! – Was wollt ihr denn? – Mobile Accountability & Open Access Management!“

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