Endlich kommt es: das essbare Internet

In der IT-Branche ist neuerdings gerne vom „Internet der Dinge“ die Rede. Gemeint ist unterschiedlichste vernetzte Gerätschaft, die über das allgegenwärtige Internet miteinander kommuniziert, um dem Benutzer das Leben zu erleichtern (oder ihn zumindest für Marketing-Zwecke gläserner zu machen). So könnte ein Auto künftig melden: „Hey, ich brauche mal wieder eine Inspektion, und die nächste Vertragswerkstätte ist da und dort.“ Oder, falls es ein SUV ist: „Hey, ich brauche mal wieder eine Inspektion, aber bitte erst ein- oder zweimal tanken, sonst schaffen wir’s nicht bis da und dort.“

Google wiederum plant mit seiner neuen Gadget-Brille namens Glass, dem Anwender dieses Internet der Dinge auf die Nase zu binden. Dann kann er sich dank eingebauter Kamera Zusatzinfos zu Sehenswürdigkeiten einblenden lassen („Hier befand sich früher die Berliner Mauer. Jetzt nicht mehr. Also Berliner-Mauer-App jetzt fast gratis downloaden!“), per Sprachbefehl Fotos schießen und diese gleich auf Facebook posten, um sie mit Freunden zu teilen, die aber selbst gerade damit beschäftigt sind, dauernd Fotos zu schießen („Wenn man schon mal so viel Geld für Glass ausgegeben hat, muss man’s schließlich auch nutzen, oder?“).

Nachdem unsere Gadgets, Autos, Accessoires und sicher auch die restliche Kleidung künftig also fest in der Hand einger weniger Internet-Konzerne sind, fehlt zu unserer Glückseligkeit nur noch eines: Internet-fähiges Essen. Unser Web-TV-Koch Alfons Googlebeck hat da schon mal was für Sie vorbereitet:

* der Googleburger: Das Hackfleisch enthält RFID-Chips, sodass der Konsument jederzeit per Googleburger-App ermitteln kann, von welchen glücklichen Pferden aus Bodenhaltung die Zutaten stammen. Ein paar Spaßvögel stellen im Google Play Store übrigens eine zugehörige Outhouse-App bereit, die neben dem Input- auch den Output-Weg für den Verbraucher viel nachvollziehbarer macht, als er ihn je nachvollziehen wollte.

* der iCake, umgangssprachlich auch „Apple Pie“ genannt: Funktioniert ähnlich wie der Googleburger, nur eben auf der Basis eines Apfelkuchens. Die Lieferwegverfolgung per RFID-Chip führt hierbei nach China, um sich dann im Geflecht von Anbietern naturidentischer Aromastoffe zu verlieren. Der iCake ist deutlich teurer als der Googleburger, dafür leuchten die Äpfel seidig schimmernd, sobald man sie anbeißt.

* X-Chips: In gewohnter Manier zieht Microsoft nach und betont, die eigene Technik habe die der Konkurrenz längst übertrumpft. Im Fall der X-Chips ist das sicher nicht übertrieben: Die X-Chips-App kommuniziert mit den Kartoffelchips des Anbieters Microcrunchy und teilt dem Konsumenten mit: 1. wann er seine empfohlene Tagesdosis an Chips-Konsum überschritten hat; 2. wann er die Tagesdosis um mehr als 300 Prozent überschritten hat; sowie 3. wann er zum Arzt gehen sollte, um seine Herzprobleme endlich mal untersuchen zu lassen. Laut Redmond zielt man mit der App vorrangig auf den amerikanischen Markt, aber ein Export in andere Nationen sei für die nahe Zukunft geplant.

* Amazon Chocolate Bar: Ein raffiniert in eine Haselnuss integrierter Mini-Lautsprecher informiert den Konsumenten während des Schokoladenverzehrs über dynamisch ermittelte Statistiken wie: „33 Prozent der Verbraucher, denen Vollmilch-Nuss geschmeckt hat, haben auch Joghurt-Krokant gekauft.“

* Und last but not least wäre noch die Facebook-HomeBurger-App zu erwähnen: Entgegen anderslautenden Gerüchten hat Facebook nämlich keinen eigenen Burger entwickelt, sondern eine App, die auf Burger von Drittherstellern die Status-Updates der Facebook-Freunde eines Konsumenten projiziert, sodass er während des Verzehrs nicht auf Neuigkeiten seines persönlichen Umfelds oder interessanter Firmen verzichten muss.

Der Vollständigkeit halber noch ein Warnhinweis zu einem Produkt namens Googlebreanehchanagh: Hierbei handelt es sich um einen irischen Whiskey mit 42 Volumenprozent. Er hat mit Google nichts zu tun, die Destille in Irland heißt nur zufällig so. Entsprechend kommuniziert der Whiskey auch mit nichts und niemandem. Im Gegenteil, bei fortgeschrittenem Gebrauch reduziert er sogar die Fähigkeit des Konsumenten, selbsttätig zu kommunizieren. Ernährungswissenschaftler betonen aber, von den genannten Produkten sei er dennoch wohl das gesündeste.

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