Trost und Rat von Dr. Wilhelm Greiner: schnelle Hilfe bei IT-Schmerzen

In den Gesprächen mit IT-Anbietern erscheint das Leben eines IT-Verantwortlichen nicht nur als stressig, sondern sogar als richtig schmerzhaft: Im Land der bunten Powerpoint-Slides ist immer wieder die Rede davon, dass der jeweilige Hersteller X mit seinem Produkt Y helfen will, den „Schmerz“ des IT-Leiters zu lindern. Hier hat sich wieder einmal US-amerikanisches Marketing-Kauderwelsch in den deutschen Sprachgebrauch eingeschlichen, ist dort doch ebenfalls immer wieder von den „Pain Points“ der CIOs die Rede.

Was also ist zu tun, wenn die Arbeit mit IT zu Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Juckreiz oder gar allergischen Schockreaktionen führt? Als Service für den geneigten (oder hexenschussgebeugten?) Leser folgen hier die wichtigsten therapeutischen Maßnahmen im Überblick:

* Vorbeugung ist die beste Medizin. Deshalb: Halten Sie sich fit! Ein bewährtes Hausrezept ist hier die so genannte „Turnschuhadministration“. Einfach mal auf Management-Tools verzichten, wie in der guten alten Zeit per Pedes von Rechner zu Rechner laufen und Updates manuell einspielen. Sie werden merken: Schon nach wenigen Wochen fühlen Sie sich deutlich fitter, und das gute alte „Bay Networks“-T-Shirt sitzt plötzlich auch nicht mehr so stramm!

* Bei kleineren Hardware-Wehwehchen hilft meist schon ein Pflaster, der medizinische Fachterminus hierfür lautet „Patch“. Von solchen Patches darf man ruhig auch mehrere Aufbringen, eine Überdosierung ist kaum zu befürchten. Ja, es sind sogar Fälle von Servern bekannt, die ohne Dutzende von Patches gar nicht arbeiten würden. Also nie leichtfertig das Betriebssystem wechseln, getreu dem bewährten Motto: „Solange es noch Patches gibt, besteht auch noch Hoffnung auf Besserung.“

* Ältere PCs leiden vermehrt an Alzheimer. Dann vergessen sie Daten und wirken orientierungslos. Gehen Sie in solch einem Fall auf Ihren PC ein und reden Sie ihm verständnisvoll zu. Es wird ihm helfen, Ihre vertraute Stimme zu hören, selbst wenn er Sie vielleicht nicht gleich erkennt. Manche PCs wiederum werden auf ihre alten Tage äußerst rastlos. Dann hilft es, sie an einer Bushaltestelle mit Fahrtziel „Windows-8-Upgrade“ abzustellen. Irgendwann lässt die Unruhe nach und das Gerät kehrt freiwillig an seinen Schreibtisch zurück.

* Operative Eingriffe – im medizinischen Fachjargon „Changes“ genannt – sind generell nie ohne Risiken! Hören Sie deshalb nicht auf jeden dahergelaufenen Scharlatan, der fröhlich zu Schönheitsoperationen rät. Manch ein zunächst harmlos wirkender Eingriff hat sehr unschöne Narben hinterlassen. Fragen Sie immer erst Ihren Arzt oder Change Impact Manager! Oder gehen Sie zumindest in die Apotheke, breiten Ihren Netzwerkplan aus und diskutieren Sie mögliche Therapieansätze mit Ihrem Apotheker.

* Ein Wort zur Homöopathie. Homöopathie ist, wenn der Web-Programmierer „<p>“ schreibt und dann verkündet: „Die Website ist fertig!“ Viele traditionelle Programmierer zweifeln an der Effektivität solch homöopathischen Web-Designs. Aus der Praxis wissen wir aber um zahlreiche Websites, bei denen das hier beschriebene Vorgehen eindeutig einen Fortschritt darstellen würde.

* Ebenfalls nicht unumstritten ist die traditionelle chinesische Medizin (TCM). TCM betrachtet eine IT-Umgebung ganzheitlich: als Gesamtsystem, bei dem alles mit allem über Ethernet-Meridiane verbunden ist. Und so kann es sein, dass der traditionelle chinesische Heiler beim Ausfall des Netzwerks aufgrund eines DDoS-Angriffs einen Aufguss aus Kräutern und Kabelabschirmungen verschreibt, den man morgens vor dem Booten dem SQL-Server einflößen soll. Die damit erzielbaren Effekte sind manchmal ganz verblüffend, also seien Sie ruhig offen für Neues! Es hat schon seinen Grund, dass China in Sachen IT seit rund 5.000 Jahren ganz vorne mitspielt.

* Regelmäßige Check-ups sind wichtig. Wem das zu wenig ist, der greift zwischendurch zur spontanen Selbstdiagnose: Einfach mal einen Schalter drücken, am besten einen, auf dem „USV! Auf keinen Fall ausschalten!“ oder Ähnliches steht. Sie werden überrascht sein, welche Reaktionen Sie mit diesem Diagnoseansatz erzielen können. Denn merke: Alles, was das Netzwerk nicht umbringt, macht es nur stärker.

Und nächste Woche befassen wir uns mit der Frage: Impfung gegen Kinderkrankheiten – wichtig auch für mein iPhone?

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2 Antworten zu “Trost und Rat von Dr. Wilhelm Greiner: schnelle Hilfe bei IT-Schmerzen

  1. Philipp Huehne

    Ich muss gestehen, dass ich heute zum ersten Mal auf ihren Blog gestoßen bin. Erfrischend….Grüße aus dem wilden Münchner Osten

  2. Das freut mich zu hören. Dann wünsche ich mal weiterhin fröhliche Lektüre meiner IT-Glossen und -Satiren!

    🙂 WG

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