Gossenpresse-Entsorgungstipps: „Bild“ im Briefkasten – was ist zu tun?

Am Samstag, den 23. Juni 2012 wollte der Springer-Konzern die so genannte „Bild“-„Zeitung“ aus irgendeinem Anlass, der mir gerade entfallen ist, an alle deutschen Haushalte verschicken. Natürlich habe ich mich rechtzeitig vorbereitet und meinen Briefkasten mit einem Hinweisschild versehen, mit welchem ich gut sichtbar darum bat, das oben genannte Machwerk hier nicht einzuwerfen.

Wenn es dem geneigten Leser so ging wie mir, dann hat der Machwerkzusteller – getrieben von Faulheit, Ignoranz oder vielleicht auch von Analphabetismus, ich weiß es nicht – diesen Hinweis missachtet. Beim Öffnen des Briefkastens findet man dann einen schrumpeligen Haufen Papier spinnengleich in der Ecke lauernd vor. Zwei, drei Tage lang kann man diesen unschönen Zustand vielleicht ignorieren, dann aber steht der unfreiwillige Empfänger vor der Frage: Was ist zu tun, um die Briefkastenverschmutzung wieder zu beseitigen?

Zunächst einmal muss ich alle Apple-Jünger enttäuschen: Nein, dafür gibt es leider noch keine App. Die Drecksarbeit bleibt auch im Cloud- bzw. iCloud-Zeitalter noch am Endanwender selber hängen. Deshalb folgen hier zehn Tipps für die fachgerechte Entsorgung:

1. „Bild“ zählt zur Gattung des so genannten „Boulevard-Journalismus“. Der „Boulevard“ ist eine Prachtstraße, an dessen beiden Randsteinen eine so genannte „Gosse“ verläuft, aus der diese Art Zeitung einst herausgekrochen war, daher der Name. Aus diesem Grund darf man „Bild“ nicht einfach im Briefkasten vermodern lassen, das wäre unhygienisch! Deshalb: Ekel überwinden, Ärmel hochkrempeln und los! Da muss man durch.

2. Zur Entsorgung von „Bild“ empfiehlt es sich, robuste Haushaltshandschuhe zu tragen, wie es sie in jedem Supermarkt, Baumarkt oder in der Drogerie zu kaufen gibt. So lässt sich der direkte Hautkontakt vermeiden, besonders wichtig für Menschen mit Gossenschmutzallergie. Das Tragen eines Mundschutzes ist in der Regel nicht unbedingt nötig, mag in Einzelfällen aber sinnvoll sein. Im Zweifel fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheker.

3. Alte Zeitungen gehören ins Altpapier, das ist bekannt. Wie aber steht es um mit Unrat bedrucktes Zeitungspapier? Die Logik sagt: Auch dies gehört in die Altpapiertonne. Allerdings muss ich zugeben, beim Entsorgen – man mag es einen Reflex nennen – „Bild“ zum übrigen Unrat in die Mülltonne verfrachtet zu haben. Ich war mit dieser spontanen Entscheidung im Nachhinein recht zufrieden und kann dieses Vorgehen deshalb nur weiterempfehlen. Manch ein Besserverdiener mag versucht sein, für diesen Zweck kurzfristig einen Machwerkentsorgungs-Butler einzustellen. Ihm wird aber dann das wohlige Bauchgefühl entgehen, wenn der Mülltonnendeckel sich klappernd schließt und der Unrat auf Nimmerwiedersehen verschwunden ist.

4. Unabhängig davon, welche Art von Tonne man wählt: Wichtig ist, das Machwerk möglichst nur mit zwei gummihandschuhgeschützten Fingern anzufassen und den Arm gestreckt zu halten, um für möglichst großen Sicherheitsabstand zum Machwerk zu sorgen. Die Frage, ob dabei der gummihandschuhgeschützte kleine Finger abgespreizt werden sollte, ist unter Stilberatern umstritten. Hier gilt also: Es möge jeder nach seiner Facon entsorgen. Aber bitte nicht bei der Entsorgungsaktion mit der freien Hand demonstrativ die Nase zuhalten – das wäre kindisch.

5. Den Briefkasten sollte man anschließend mit einem geeigneten Reinigungs- oder Desinfektionsmittel gründlich säubern. Die Wahl des Mittels hängt natürlich vom Material des Briefkastens ab. In Zweifelsfällen kann es sich lohnen, beim Fachmann um Rat zu fragen: „Bei mir lag eine Bild-Zeitung im Briefkasten. Reicht zum Säubern ein normaler Haushaltsreiniger oder nimmt man besser einen Sanitärreiniger oder gar Sagrotan?“ Das geschulte Personal im Drogeriemarkt gibt hierzu sicher gern Auskunft.

6. In aller Regel ist ein Ersetzen des Briefkastens nicht erforderlich, eine gründliche Reinigung (siehe Punkt 5) sollte ausreichen. Die Gummihandschuhe sollte man aber sicherheitshalber sofort wegwerfen (nicht verbrennen, das stinkt)!

7. Wer aus Gründen seiner psychischen Hygiene mit den ersten sechs Schritten noch nicht zufrieden ist, muss natürlich zu drastischeren Maßnahmen greifen. Hier empfiehlt es sich, „Bild“ luftdicht in Plastik zu verpacken und bei der örtlichen Sondermülldeponie abzugeben. Fürsorgliche Entsorgungsunternehmer haben dort sicher einen Container für „Gossenpressereste“ aufgestellt. Einfach mal hinfahren und fragen!

8. Nach der Entsorgungsaktion Gesicht und Hände gründlich mit Wasser und Seife reinigen.

9. Jetzt erst mal ein Espresso, Bierchen, Süßkram oder ein gepflegter Wein – was man sich eben so gönnt, um sich für das Erledigen einer ekligen, aber notwendigen Aufgabe zu belohnen. Tief durchatmen, zurücklehnen, entspannen, genießen…

10. … und dazu dann nochmal das Antwortschreiben der Sängerin Judith Holofernes von der Pop-Band „Wir sind Helden“ lesen, in dem sie der Werbeagentur des Springer-Konzerns auf die Anfrage nach Mitwirkung an „Bild“-Werbung eine immer wieder lesenswerte Abfuhr erteilt: http://www.wirsindhelden.de/2011/02/1069/.

Und nächste Woche erklärt der nette Onkel dann, wie man ein iPhone desinfiziert, wenn man leichtfertig die „Bild“-App draufgeladen hat. (Für alle Apple-Feinde vorab der Hinweis: Nein, in diesen Tipps kommt das Wort „Hammer“ nicht vor!)

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