US-Behörde TSA in der Kritik: Nur Fliegen ist sicherer

IT-Security ist als Thema schon komplex genug, in der Variante der „Cloud-Security“ derzeit heiß diskutiert und nochmal eine ganze Ecke komplexer als zuvor. Das Thema verblasst aber im Vergleich mit einer anderen Art von „Cloud-Security“: der Sicherheit des Flugverkehrs – zumindest, wenn man selbst gerade als Passagier an Bord geht und sich insgeheim fragt, wie der Begriff „Non-Stop Flight“ eigentlich gemeint ist.

Mathematiker raten an dieser Stelle, man solle selbst eine Bombe mit an Bord nehmen, da es statistisch praktisch ausgeschlossen sei, dass sich zeitgleich zwei Bomben an Bord eines Flugzeug befinden. So ist er, der Mathematiker, immer einen flotten Spruch auf den Lippen, aber bei der praktischen Anwendung hapert’s mitunter.

Die US-Regierung jedenfalls hat als eine der Folgeerscheinungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 mit der TSA (Transport Security Authority) erst mal eine neue Kontrollbehörde geschaffen und in der Folge Unsummen in den Ausbau der Flugsicherheit investiert. Man versuchte, das Sicherheitsniveau durch allerlei sinnvolle Maßnahmen zu erhöhen – zeitgleich aber eben auch dadurch, dass nun jede Oma ihre Nagelschere abgeben muss und Ausländer auf Flügen in die USA vorsorglich pauschal als Kriminelle behandelt werden, die unter dem Generalverdacht stehen, die Heimat der Tapferen und Freien in die Luft zu sprengen oder zumindest den Präsidenten meucheln zu wollen (wofür bislang – siehe die Präsidenten Lincoln, Garfield und Kennedy – ausschließlich einheimisches Personal zuständig war).

Und so standen die Maßnahmen zur Absicherung des amerikanischen Flugverkehrs von Anfang an im Kreuzfeuer der Kritik, nicht zuletzt seitens des renommierten Sicherheitsexperten Bruce Schneier, der das Gros der TSA-Maßnahmen wiederholt als bloßes „Security-Theater“ abkanzelte, als Pappfassade, mit der man den Fluggästen Sicherheit vorgaukle. Und so glaubt der aufmerksame Leser des monatlichen und sehr lesenswerten Schneier-Newsletters „Cryptogram“, einen Hauch von Schadenfreude herauszuhören, als Schneier unter der nicht wirklich respektvollen Überschrift „Die TSA beweist ihre eigene Irrelevanz“ die „Top Ten“ der TSA-Erfolgsmeldungen von 2011 vorstellt.

Auf Platz 3 finden wir die Meldung, dass die TSA tatsächlich 1.200 Handfeuerwaffen an den Kontrollpunkten der Flughäfen konfisziert hat. Nun sind die USA allerdings – je nach Bundesstaat unterschiedlich stark – ein bis an die Zähne bewaffnetes Land, und die betroffenen Passagiere durchwegs gaben an, sie hätten die Waffen schlicht im Gepäck „vergessen“. Falls unter den Alzheimer-Kandidaten tatsächlich ein anschlagsbereiter Terrorist gewesen sein sollte, dürfte er statistisch im Rauschen derer untergehen (und sich dort verstecken können), die tatsächlich gedanken-, man möchte fast sagen: hirnlos einen „Alltagsgegenstand“ mit eingepackt hatten.

Platz 2: Per Körperscanner entdeckte man in Detroit eine geladene Pistole, die ein Passagier an die Wade geschnallt hatte. Auch er nannte, wie könnte es anders sein, Vergesslichkeit als Grund für das Vorhandensein seines Accessoires.

Und schließlich – Ta-dah! – auf Platz 1:  Ein Mann wurde mit C4-Plastiksprengstoff erwischt – den er laut eigener Angabe mitgeführt hatte, um ihn (der geneigte Leser fasse sich schon mal vorsorglich an den Kopf) seiner Familie zu zeigen. Bruce Schneier merkt hierzu an, dass sämtliche Funde auch mit den guten alten Screening-Maßnahmen aus der Zeit vor 9/11 aufzufinden gewesen wären, und dass man besagten Plastiksprengstoff erst auf dem – jetzt bitte anschallen und die Sitzlehne senkrecht stellen! – Rückflug des Mannes gefunden hatte.

Noch viel schöner aber ist die Hitliste der dümmsten TSA-Konfiszierungen: Einem Piloten nahm man ein Buttermesser weg, einer Teenagerin ihre Handtasche – wegen eines aufgestickten Waffenmotivs. Ein Kind musste sich von dem 10 cm langen Gewehr seiner Action-Puppe trennen, ein anderes von seinem Star-Wars-Lichtschwert.

Ja, wir können uns wohlbehütet fühlen, wenn wir uns flugs auf den Weg machen ins Land der unbegrenzten Kontrollmöglichkeiten. Denn die TSA hat ein klares, ein eindeutiges Warnsignal gesendet: „Ihr Bin-Laden-Anhänger werdet unsere Flugzeuge kein zweites Mal kapern, zumindest nicht mit Star-Wars-Plastikspielzeug!“

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