Social-Media-Protest: Occupy Amazon

Vor allem in den USA, aber auch international in einschlägigen Ecken des großen bösen Internets hat ein Youtube-Video für einen Proteststurm gesorgt. Zu sehen ist hier, wie ein Polizist die im Rahmen der Occupy-Bewegung friedlich demonstrierenden Studenten der Universität UC Davis aus nächster Nähe mit Pfefferspray malträtiert.

Der kurze dokumentarische Videoclip führt die aktuelle Strategie der US-amerikanischen Einsatzkräfte drastisch vor Augen: Die Polizei verhaftet Demonstranten – hier wie auch in New York anlässlich der Occupy-Wall-Street-Proteste – wegen Störung des Straßenverkehrs oder ähnlichen Ordnungswidrigkeiten und behandelt sie dabei wie gewöhnliche Kleinkriminelle, sprich: aggressiv, teils unnötig aggressiv. Für besonders große Bestürzung sorgte dieses Video dadurch, dass der Protagonisten-Polizist – dicklich, Schnauzbart, den Schutzhelm tief in die Stirn gezogen – wie die vollendete Karikatur eines „Freunds und Helfers“ wirkt, wie der ständig den armen Bugs Bunny jagende Elmer Fudd oder der große, dicke Bösewicht in Uniform, vor dem Charlie Chaplins Tramp ständig flüchten muss.

Und vor allem verhält sich der Polizeibeamte vor laufender Kamera auch so: Er besprüht die für eine Sitzblockade am Boden versammelten Studenten ausgiebig, nonchalant und herablassend – manche Beobachter meinten: wie Ungeziefer. So ist es nicht verwunderlich, dass viele Amerikaner das per Verfassung garantierte Recht auf Versammlungsfreiheit in Gefahr sehen. Schließlich ist Pfefferspray – auch wenn der Begriff relativ harmlos klingen mag – eine sehr wirkungsvolle Nahkampfwaffe.

Da eine Demonstration gegen diesen Misstand gefährlich werden kann (siehe oben), weicht der Protest auch auf andere Kanäle aus – unter anderem auf die Kundenforen des Online-Händlers Amazon.com: Hier nutzen die OWS-Protestler das Genre der „Mock Reviews“, also auf den ersten Blick echt wirkender, in Wahrheit aber parodistischer Produktbewertungen. Diese Mock Reviews konzentrierten sich bislang auf offenbar wahllose Ziele wie das bekannte „Three Wolf Moon“-Shirt (siehe auch hier).

Vor dem Hintergrund der Polizeiübergriffe bekommen diese satirischen Produktkritiken nun eine politische Dimension. So urteilt zum Beispiel ein Benutzer in einer Bewertung des Produkts  „Defense Technology 56895 MK-9 Stream, 1.3% Red Band/1.3% Blue Band Pepper Spray“: „Immer wenn ich forsch-fröhlich widerspenstige Bürger ein bisschen Disziplin lehren muss, weiß ich, dass ich mich auf das Defense Technology 56895 MK-9 Stream, 1.3% Red Band/1.3% Blue Band Pepper Spray verlassen kann! Die Macht der Vernunft kann nichts ausrichten gegen die überlegene Repressionskraft von Defense Technology.“ Man solle sich deshalb nicht mit billigen Ersatzprodukten begnügen, wenn es darum gehe, „bequem Studenten zu unterdrücken“.

Ein anderer Amazon-Reviewer zeigt sich von diesem Pfefferspray hingegen enttäuscht: Er warnt, das Produkt funktioniere nicht richtig, denn es vermehre die Zahl der Protestierenden. Positiv zu erwähnen sei allerdings, dass sein Einsatz zu bezahltem Urlaub führe – der Polizist war auf den Aufschrei der Medien hin vom Dienst suspendiert worden.

Das Repertoire intelligenter Protestformen hat eine neue Facette hinzugewonnen – wenn auch leider auf Kosten einiger armer Studenten, die einem Pfeffersprayer als Zielscheibe dienten.

UPDATE 24.11.11 18:44 Uhr: Der „Casually Pepper-Spray Everything Cop“ hat es in der Zwischenzeit zu einem veritablen Mem geschafft. In zahlreichen Fotomontagen etc. macht sich die Netzwelt über den wackeren Polizisten lustig, siehe hier. Ein schönes Beispiel: Der Pepper-Spray Cop trifft auf die US-Verfassung.

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