iPhone 4S mit Siri: Apples geniales Default-Antworten-Marketing

Als der Apple-Konzern kürzlich das neue iPhone 4S vorstellte, waren viele Reaktionen unterkühlt: Es gab kein iPhone 5, das manche erwartet hatten, sondern nur ein „iPhone 4 Version 2.0“, der Formfaktor blieb also gleich. Da fragte sich der treue Apple-Fanboi natürlich: „Wie soll der Pöbel denn erkennen, dass ich was Besseres bin, wenn mein brandneues iPhone genauso aussieht wie die alten Knochen?“ Steve Jobs‘ Nachfolger Tim Cook machte seinen Keynote-Job ordentlich, wirkte aber blass ohne die von His Steveness gewohnte Coolness samt Überraschung zum Schluss („One more thing…“). Und am nächsten Tag überschattete das Dahinscheiden des nach Eva und Sir Isaac Newton dritten großen Apfelverwerters dann sowieso alles andere.

Inzwischen aber mehren sich die Kommentare, der gemeine Apple-Untertan habe das Smartphone der Baureihe „4S“ wohl zunächst unterschätzt. Denn das neue Schlaufon aus Cupertino hat ein sprachgesteuertes Helferlein namens Siri – daher das „S“ – mit an Bord. Siri bietet nicht die übliche Sprachsteuerung à la „Öffne Word. Öffne Word! Öff! Ne! Word! Du sollst das Scheiß-Word öffnen, verdammt nochmal!!!“ – mit dem Starten anderer Applikationen hat Siri mangels Schnittstellen bislang (noch) nichts am Hut.

Vielmehr ist Siri eine mit künstlicher Intelligenz gesegnete virtuelle Assistentin, die auf Fragen mittels schneller Internet-Recherche intelligente Antworten gibt. Fragt man also zum Beispiel: „Siri, will I need an umbrella tomorrow in Cupertino?“ („Brauche ich morgen in Cupertino einen Regenschirm?“), dann recherchiert Siri die für den Folgetag prognostizierte Wetterlage des kalifornischen Orts (also höchstwahrscheinlich: „Sonnig mit gelegentlichen Waldbränden“). Man fragt und antwortet natürlich auf Englisch – wie gut sich Siri künftig in anderen Sprachen sowie außerhalb der USA schlägt, bleibt abzuwarten.

Unterhaltsam ist, dass Siri nicht nur auf intelligente Fragen intelligent antwortet, sondern auch auf betont dumme Fragen. Apple kennt eben seine Appleheimer: Im höchstwahrscheinlich sonnigen Cupertino weiß man, dass die hauseigene Early-Adopter-Bevölkerung dazu neigt, neu gebotene Funktionalität dadurch auszuloten, dass man sie an die Grenze des Möglichen treibt.

Und so hat Apple Siri mit einem Grundvorrat treffender Antworten auf sinnlose, anzügliche oder scherzhaft gemeinte Fragen ausgestattet – wohl wissend, dass sich im Internet nichts so schnell verbreitet wie Witziges, insbesondere wenn der Twitterer, Blogger oder Facebookianer dadurch zugleich mit seinem neuesten Spielzeug prahlen kann. Unter der Adresse http://ShitThatSiriSays.tumblr.com gibt es inzwischen sogar ein Blog, das ausschließlich den Zweck verfolgt, Bonmots sirianischen Ursprungs zu aggregieren.

Fragt man Siri zum Beispiel nach dem Sinn des Lebens, so hat die künstlich intelligente Dame gleich mehrere Antworten parat. Diese reichen von einer knappen Definition des englischen Wortes „Life“ über die Antwort „Laut Forschungsergebnissen wohl Schokolade“ bis hin zum schlichten „42“ – mithin jener Antwort, die ein Leser von Douglas Adams‘ Kultbuch „Hitchhiker‘s Guide to the Galaxy“ („Per Anhalter durch die Galaxis“) – und damit wohl ziemlich genau 100 Prozent der Apple’schen Early-Adopter-Klientel – an dieser Stelle erwartet.

So weit, so absehbar. Siri glänzt aber in diversen weiteren Kontexten mit per Default-Wert vorgegebener Schlagfertigkeit oder gar einem Sarkasmus, den man von Computern sonst nur als eingefleischter Fan der US-TV-Serie MST3K her kennt. So erwartete man im sonnigen Cupertino offenbar zurecht, dass die Jüngerschaft sich von Siri an den übermächtigen Bordcomputer HAL 9000 des Raumschiffs aus Stanley Kubricks „2001 – a Space Odyssey“ erinnert fühlen und deshalb fordern würde: „Siri, open the pod bay doors!“ Genau wie im Film – hier weigert sich HAL, dem Befehl Folge zu leisten – antwortet Siri: „I’m sorry, (Vorname des Benutzers), I’m afraid I can’t do that“, um dann nachzuhaken: „Are you happy now?“

Bei der Verwendung von Schimpfwörtern rügt die Software den Benutzer, und auch auf die vielen anzüglichen Fragen, die Siri von den Apple-Jüngern zu erdulden hat, ist die virtuelle Assistentin gut vorbereitet. Mal gibt sie ausweichende, mal schnippische Antworten, und wer zu aufdringlich fragt, der hört dann: „That’s it! I’m reporting you to the Intelligent Agents‘ Union for harassment!” („Jetzt reicht’s! Ich melde dich bei der Gewerkschaft intelligenter Assistenten wegen Belästigung.“)

Die einprogrammierte Schlagfertigkeit, die der Konzern der intelligent assistierenden Dame spendiert hat, könnte sich als Apples bestes Marketing-Instrument seit dem berühmten „1984“-Werbespot erweisen: Das weltweite Netz brummt regelrecht vor lauter Posts und Tweets, die amüsante Siri-Antworten zum Besten geben, sodass man fast glauben könnte, das Internet sei doch nicht ausschließlich zur Verbreitung putziger Katzenfotos erfunden worden.

Hoffen wir, dass Siri künftig mit jedem Software-Upgrade des iPhones ein Schlagfertigkeits-Update erhält. Ein sonniges Gemüt allein reicht schließlich nicht, um anhaltend amüsant zu wirken. Die virtuelle Assistentin von Welt muss da schon am Puls der Zeit bleiben. Schließlich will der Scherzbold-Fanboi früher oder später wissen, was aus Steve Jobs geworden ist.

„Siri, was macht Steve Jobs gerade?“ – „Er ist im Himmel und zeigt Moses, dass man heutzutage für zehn Gebote nicht mehr zwei, sondern nur noch ein Tablet braucht.“

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