Bitkom-Studie enthüllt: Bitkom verfasst Studien!

„He, du hast in der Firma einen Radiergummi mitgehen lassen!“ – „Ja, schon, aber das machen doch alle.“ – „Deshalb ist es trotzdem illegal, unmoralisch und außerdem schlechter Stil.“ Was für den Diebstahl von Büromaterialien gilt, dürfte, so sollte man meinen, erst recht für den Diebstahl von Arbeitszeit gelten. Und, auch das sollte man meinen, eine Organisation wie der ITK-Branchenverband Bitkom sollte das eigentlich wissen. Nur weil es unnütze, blödsinnige und plump werbliche Umfragen, Prognosen und Studien gibt wie Sand am Meer, muss ein Bitkom eigentlich noch lange nicht mitspielen. Dennoch wird der Verband nicht müde, Gott und die Welt unverdrossen mit Studien zu beglücken, deren Nutzwert man häufig mit mindestens einem Fragezeichen versehen muss.

So hat der Branchenverband kürzlich enthüllt, dass der durchschnittliche deutsche Werktätige laut einer neuen Bitkom-Studie elf – in Worten: elf! – E-Mails pro Tag erhalte (siehe oder meinetwegen auch siehe nicht: http://bit.ly/o4fEF5 ). Den Bitkom-Vizepräsidenten Heinz-Paul Bonn zitiert die Pressemeldung mit der umwerfenden Erkenntnis, E-Mails seien für sechs von zehn Beschäftigten „aus dem Arbeitsalltag nicht mehr wegzudenken“.

Ein Paukenschlag! Wie gut, dass wir das endlich geklärt haben! Nächtelang bin ich schon wachgelegen, habe mich im Bett hin- wie auch hergewälzt und verzweifelt abzuschätzen versucht, wieviele Beschäftigte E-Mails aus ihrem Alltag wohl wieder wegzudenken sich in der Lage wähnen könnten.

Die vom Bitkom gewählte, enorm breite Ausgangsbasis – „Berufstätige“ – führt zu einer an Plattheit kaum zu überbietenden Aussage, in einer Liga mit: „Die durchschnittliche Fußballmannschaft hat elf Spieler.“ Fein. Und weiter?

Hinzu kommt, dass E-Mail nicht etwa eine brandneue Kommunikationstechnik ist, der man per Umfragepropaganda – „Schon jeder zehnte Beschäftigte nutzt dieses neue Zeugs, wo man Briefe nicht mehr aufschreibt, sondern sie in den Computer tippt“ – um jeden Preis Aufmerksamkeit verschaffen müsste. Die einzige Information, die ich aus der Pressemitteilung herauslesen konnte: Beim Bitkom gibt es offenbar Mitarbeiter, die irgendwie beschäftigt werden müssen, und sei es damit, um jeden Preis Studien zu erstellen.

Dennoch werde ich diese Nachricht nicht einfach löschen, sondern ausdrucken, liebevoll einrahmen und in die Gästetoilette hängen. Meine Gäste werden dann nach dem Besuch des Örtchens beschwingten Schrittes zurückkehren, strahlend und voll des Wissens: Ich mag zwar ein ganz durchschnittlicher Beschäftigter sein und im Büro aus Langeweile mal einen Radiergummi mitgehen lassen – aber wenigstens muss ich keine Studien über die E-Mail-Nutzung erstellen.

Übrigens: Laut einer demnächst erscheinenden Bitkom-Studie sollen in China jeden Tag elf Säcke Reis umfallen.

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