Warum Nokia den Smartphone-Wettlauf gegen iPhone und Android verliert

Was das Saarland unter den Bundesländern, das ist Nokias Ovi Store unter den App-Stores des Smartphone-Marktes: Irgendwie ist alles ein bisschen kleiner und, nun ja, angestaubter als anderswo.

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Nokias Ovi Store: Bonjour, tristesse!

Unzufrieden mit Tweets60, einem der raren Twitter-Clients für Nokias Symbian-Smartphone N97, machte ich mich auf die Suche nach einem besseren Client für mein bevorzugtes Social Network. Nach üppiger Ladezeit begrüßte mich das Portal mit “Empfehlungen”: einigen Spielen (die ich nicht brauche) und Opera (den ich längst habe). Der einzige erstklassige Twitter-Client für das N97 im altbackenen, unübersichtlichen Ovi-Store heißt Gravity und kostet stolze 9,99 Euro. Ich zahle für ein nützliches Tool gern mal zehn Euro – doch angesichts der Fülle schicker Gratis-Clients auf anderen Plattformen hebt man doch eine Augenbraue, schüttelt den Kopf und murmelt: “Frech!”

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Dem N97-Nutzer müssen seine Twitter-Follower schon 10 Öre wert sein.

Ich will gar nicht maulen, dass der Download nach Bestellbestätigung prompt abbrach (das kommt vor), nicht nochmals anzustoßen war (das sollte nicht vorkommen) und Gravity deshalb erst ein Support-Ticket und zwei Tage später auf meinem Handy lief. Worum es mir eigentlich geht: Solch ein popliges Benutzererlebnis ist ein Symptom – nämlich dafür, dass Nokia gerade dabei ist, den Smartphone-Wettkampf zu verlieren. Denn Nokia ist im Herzen nach wie vor schlicht Telefonproduzent, eine Hardware-Company – die Konkurrenz hingegen eine geniale Marketing-Maschine (Fans-mit-iPhones-Beglücker Apple) und ein Unternehmen, das Software lebt, denkt und atmet (Android-Anbieter Google).

Nokia hat es versäumt, Symbian zur Community-Plattform für smarte, leidenschaftliche App-Entwickler auszubauen. Diese programmieren heute ja nach Geschmacksrichtung für das iPhone oder auf Android. “Symbian” hingegen klingt so sehr nach aufregender weiter Welt wie “Saarland” oder – der Ausgewogenheit halber – “Thüringen”.

Nun wollen die Provinz-Finnen der Konkurrenz mit dem N8 begegnen, einem neuen, Social-Media-tauglichen Smartphone der N-Serie, dessen herausragendstes Merkmal ein – na, wer hätt’s gedacht? – Hardware-Feature ist: eine Kamera mit stolzen 12 Megapixeln. Als ob die Smartphone-Nutzer dauernd herumliefen und jammerten: “Oh ich armer Tropf, könnte ich doch nur 12-Megapixel-Bilder auf Facebook posten!”

Im Vorfeld des Launches versucht der Konzern, das N8 als “cool” erscheinen zu lassen, indem man einen Wettbewerb startete, dessen Gewinner mit Pamela Anderson – ihr wisst schon, die aus dem TV, dieser absolut hippen, neumodischen Technik – in einem Werbefilmchen mitspielen darf. Und schon wieder hebt man die Augenbraue, schüttelt den Kopf, murmelt diesmal aber: “Wie verzweifelt muss man eigentlich sein, um zu solchen Marketing-Maßnahmen zu greifen?”

In diesem Sinne: Gute N8, Nokia! Ihr habt die Zeichen der Zeit nicht erkannt. So stabil und ausgereift die Nokia-Hardware auch sein mag: Mein N97 ist, um einen ebenfalls in die Jahre gekommenen Sony-Slogan zu variieren, “My Last Nokia”.

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